Harburg
Appel

Appel wird zum „Tatort“

Die Schauspielerinnen Maria Furtwängler (l.) und Susanne Bormann vor dem Haus in Appel, einer der Drehorte in dem Tatort-Entführungsdrama

Die Schauspielerinnen Maria Furtwängler (l.) und Susanne Bormann vor dem Haus in Appel, einer der Drehorte in dem Tatort-Entführungsdrama

Foto: Bianca Wilkens / HA

Im leeren Wohnhaus am Becksfelder Weg spielt sich der „Fall Holdt“ ab. Fernsehfilmchef: „perfekter Drehort“.

Appel So viel Verkehr und so viel mediale Aufmerksamkeit hat diese beschauliche Ecke in der Samtgemeinde Hollenstedt selten erlebt. Mehrere Transporter parken auf dem Seitenstreifen des Becksfelder Wegs in Appel. Dann passiert das Staraufgebot das weiße Backsteinhaus, Hauptdrehort für den neuen „Tatort“, „Der Fall Holdt“: Die Schauspielerinnen Maria Furtwängler und Susanne Bormann, Regisseurin Anne Zohra Berrached, NDR-Fernsehchef Christian Granderath und die Produzentin Kerstin Ramcke.

Das Haus am Becksfelder Weg ist eines der tragenden Objekte für die neue Folge. Fast die Hälfte des Films spielt sich hier ab, da es das Wohnhaus des betroffenen Ehepaars ist. Um dem Drehbuch gerecht zu werden, musste das Haus viele Anforderungen erfüllen. Schließlich braucht jede Geschichte die passende Kulisse.

Das Gebäude musste über einen Keller und ein Souterrain verfügen, an einer Stichstraße liegen, umgeben von viel Wald. Zudem durfte es nicht zu herunterkommen sein, aber auch nicht zu schick. „Das war gar nicht so einfach“, sagt Produzentin Kerstin Ramcke. „Aber das Haus hat alles, was wir brauchen.“ Dass in diesem Backsteingebäude mit Wintergarten, viel Moos auf dem Dach und Efeu an der Wand ein gut bürgerlichen Mann wohnt, der einmal wohlhabend war, aber zuviel Geld ausgegeben hat, dürften die Zuschauer dem Fernsehteam abnehmen.

Bögerl-Entführung gab Anstoß für Drehbuch

„Ein perfekter Drehort“, fand auch NDR-Fernsehfilmchef Christian Granderath. „Es ist wichtig, dass die Bilder, die wir zeigen, nicht an den Haaren herbeigezogen sind.“ Dass das Ehepaar Schuhmacher aus Altersgründen aus dem Haus ausgezogen war, erleichterte außerdem die Arbeit. So konnte das Drehteam schalten und walten, wie es wollte.

Inspiriert vom rätselhaften Entführungsfall der Bankiersgattin Maria Bögerl vor sechs Jahren, hat Grimme-Preisträger Jan Braren das Buch zur „Tatort“-Folge geschrieben. Vor sechs Jahren wurde Maria Bögerl, Frau des damaligen Sparkassenchefs Thomas Bögerl aus Heidenheim, Baden-Württemberg, entführt. Die Täter forderten vom Ehemann 300.000 Euro Lösegeld, eine Übergabe scheiterte jedoch.

Später wurde die Frau ermordet aufgefunden. Zuletzt ging die Polizei im Frühjahr mit Hilfe einer neuen Software 150 neuen Anhaltspunkten nach. „Die Entführung gab den Anstoß für die Handlung“, sagt Produzentin Ramcke. Und darum geht’s im „Fall Holdt“: Die Frau des Sparkassenleiters Frank Holdt (Aljoscha Stadelmann) wird in einer niedersächsischen Kleinstadt entführt. Frank Holdt gerät in Panik und bittet seine wohlhabenden Schwiegereltern Christian (Ernst Stötzner) und Gudula Reventlow (Hedi Kriegeskotte) um Hilfe.

Allein kann er das geforderte Lösegeld nicht aufbringen. Es kommt zum Streit über das weitere Vorgehen. Christian Reventlow schaltet gegen Holdts Willen das Landeskriminalamt ein. Doch noch bevor Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) die Ermittlungen aufnehmen kann, überbringt Holdt das Geld im Alleingang. Unter Hochdruck muss Lindholm gemeinsam mit ihrer Kollegin Frauke Schäfer versuchen, die brutalen Erpresser zu finden, ohne das Leben der Geisel zu gefährden.

Insgesamt drehte das Team 14 Tage im Landkreis Harburg. Neben Appel lieferte auch der Klecker Wald die Motive für den neuen „Tatort“. Gestern war der letzte Tag der Arbeiten. Da war auch die Feuerwehr aus dem Ort im Einsatz. Weil der NDR Regen für eine bestimmte Szene brauchte, rückte die Wehr an und spritzte mit den Schläuchen Wasser nach oben, das dann auf das Auto von Kommissarin Charlotte Lindholm niederprasselte. „Das Ganze muss sehr anstrengend für die Schauspieler sein“, sagt Ortsbrandmeister Wilfried Aldag. „Die Szene wurde bestimmt sechsmal wiederholt.“

Für Schauspielerin Maria Furtwängler ist es nicht das erste Mal, dass sie im Landkreis Harburg für den „Tatort“ vor der Kamera steht. Die Folge „Der sanfte Tod“ über einen mächtigen Fleischfabrikanten entstand unter anderem in Regesbostel und in Buchholz. „Ich bin immer wieder überrascht, wie romantisch es hier ist, mit all den Fachwerkhäusern und den vielen kleinen Wegen, die zum Wandern einladen“, sagt Maria Furtwängler. „Ich würde so gerne da entlang wandern, habe aber einfach keine Zeit.“