Harburg
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Politiker fordern Hebammen-Kreißsaal im Mariahilf

Das Mariahilf-

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Foto: Helios Kliniken

SPD und CDU nehmen Klinikchefin beim Wort. Hebammengeleiteter Kreißsaal wie im AKH soll im Krankenhaus Mariahilf weitergeführt werden.

Harburg.  Die Pläne des Hamburger Senats, die klinische Geburtshilfe von Mariahilf und des Asklepios-Klinikums Harburg (AKH) im Krankenhaus Mariahilf und die Notaufnahmen der beiden Krankenhäuser am AKH zusammenzufassen, schlägt in der Harburger Politik Wellen: Die Fraktionen von SPD und CDU bringen dazu Anträge in die Bezirksversammlung ein, die neuen Liberalen eine Anfrage. Auch eine Harburger Bürgerschaftsabgeordnete schaltet sich ein: Birgit Stöver (CDU) hat eine Anfrage an den Senat gestellt.

Die Anträge von SPD und CDU haben eine gemeinsame Stoßrichtung: Sie wollen Mariahilf-Geschäftsführerin Ulrike Kömpe beim vagen Wort nehmen, dass man sich einen hebammengeleiteten Kreißsaal, wie er am AKH wegfällt, auch im Mariahilf vorstellen könnte.

„Die Bezirksversammlung begrüßt ausdrücklich die Schaffung eines Hebammen-Kreißsaals in der Helios Mariahilf Klinik“, heißt es im SPD-Antrag, wo denn auch gar nicht erst gefordert wird, dass das Mariahilf tatsächlich einen hebammengeführten Kreißsaal einführt. Vielmehr soll die Klinik im Harburger Gesundheitsausschuss darlegen, wie sie die Ankündigung umsetzen möchte. Die CDU fordert die Weiterführung eines hebammengeleiteten Kreißsaals im Mariahilf ab dem Zeitpunkt an dem das AKH seine Geburtshilfe schließt.

In einem hebammengeführten Kreißsaal spielen Ärzte eine untergeordnete Rolle und kommen nur ins Spiel, wenn während der Geburt medizinische Komplikationen auftreten. Das ist bei den allermeisten Geburten nicht der Fall. Viele werdende Mütter fühlen sich in der Betreuung durch Hebammen wohler, als in der Obhut von Ärzten. Außer in Harburg gibt es hamburgweit nur noch in Barmbek einen hebammengeführten Kreißsaal.

Die Alternative wären Hausgeburten oder Geburtshäuser, womit sich viele Mütter aber ebenfalls unwohl fühlen, denn für den Notfall wissen sie den Arzt gern in der Nähe. „Wenn es nur noch eine geburtshilfliche Klinik in Harburg geben soll, dann wollen wir, dass es dort einen Hebammenkreißsaal gibt“, sagt Claudia Loss, gesundheitspolitische Expertin der Bezirks-SPD .

Die CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung kritisiert außerdem, dass eine die Strukturen im Bezirk so gravierend verändernde Maßnahme beschlossen wurde, ohne die Meinung der Bezirkspolitik dazu einzuholen. Solche Hamburger Alleingänge sollen in Zukunft vermieden werden.

„Gegen den Senatsbeschluss regt sich in Harburg großer Widerstand – insbesondere bei jungen Eltern, die mich in den letzten Tagen darauf angesprochen haben“, sagt die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Birgit Stöver. „Die Eltern fürchten, dass für Geburten, die keine sogenannten Risikogeburten sind, die Versorgung eingeschränkt und damit schlechter wird!“

Auch fehle ein echter Wettbewerb, wenn es künftig in Harburg nur noch eines statt zweier Krankenhäuser mit einer Geburtenstation und gynäkologischer Abteilung gibt: „Die Gesundheitssenatorin begründet den Senatsbeschluss damit, dass im Sinne einer qualitativ besseren Patientenversorgung die jeweiligen Stärken der Kliniken ausgebaut und für die Versorgung besser genutzt werden sollen“, sagt Stöver. „Das lässt den Rückschluss zu, dass alle Geburtshilfe-Abteilungen mit kleiner Geburtenzahl nun auf dem Prüfstand der Behörde stehen.“

Stöver wollte das Thema auf der Tagesordnung des Gesundheitsausschusses der Bürgerschaft – vergebens: Die Fraktionen von SPD und Grünen lehnten den Antrag ab. „Dabei wäre das eine Chance für Transparenz gewesen – auch im Sinne der betroffenen Harburger“, sagt Birgit Stöver.

Um dennoch mehr Aufklärung zu erhalten, hat die Harburgerin jetzt eine Schriftliche Kleine Anfrage an den Senat gestellt, in der sie unter anderem wissen will: Gibt es Pläne des Senats, weitere Abteilungen der Geburtshilfe zu schließen – im Sinne einer Zentralisierung und Konzentration? Wenn ja, welche Standorte sind davon bedroht? Ab welcher Anzahl an Geburten ist eine Geburtsabteilung von einer Schließung bedroht?

Vor allem will Stöver vom Senat wissen, warum zunächst im Beisein der Senatorin der Grundstein für ein neues AKH-Gebäude gelegt wurde, in welchem auch die Geburtshilfe eingeplant war, wenn die Pläne nur Tage später rückgängig gemacht wurden. „Die Antworten des Senats erwarte ich mit großem Interesse“, sagt die Abgeordnete.