Harburg
Sinstorf

Preisgekröntes Westküstenbier

Oliver Wesseloh mit seinem Silbermedaillenbier „California 1“

Oliver Wesseloh mit seinem Silbermedaillenbier „California 1“

Foto: Lars Hansen / xl

Die süffige Sinstorfer Sorte „California 1“gewinnt Silbermedaille der US-Hopfenanbauer

Sinstorf.  Wäre es nicht das völlig falsche Getränk, würden in der Kehrwieder-Kreativbrauerei in Sinstorf jetzt die Sektkorken knallen: Braumeister Oliver Wesseloh hat mit seinen beiden Azubis Christian Müller und Niklas Kniep beim Brauwettbewerb der amerikanischen Hopfenanbauer den zweiten Platz belegt und musste sich dabei dem Sieger nur knapp geschlagen geben.

„Das ist aber eigentlich nicht so wichtig“, sagt Wesseloh. „denn das Siegerbier und unseres sind so ähnlich geworden, dass mein siegreicher Braumeisterkollege Thomas Wachno und ich schon lachen mussten“, sagt Oliver Wesseloh.

Die Vereinigung der amerikanischen Hopfenanbauer (Hop Growers Association, HGA) hatte Deutschlands Handwerksbrauern die Aufgabe gestellt, ein so genanntes West Coast IPA zu brauen. IPA steht für India Pale Ale. Das ist ein Bierstil, den so gut wie jeder „Craft Brewer“ im Programm hat.

IPA wurde vor etwas über 200 Jahren in England erfunden – zunächst für den Export in die tropischen Kolonien, später wurde es auch auf dem heimischen Markt beliebt. Es ist etwas alkoholstärker und deutlich stärker gehopft, als ein normales Bier. Der Alkohol und die antibakterielle Wirkung von Hopfen machten das Bier reisefähig. Außerdem schmeckt es nach mehr.

Ein Westküsten-IPA ist eines, in dem kalifornische Hopfensorten verarbeitet sind. Je nach Sorte, Standort und Verarbeitung entwickelt Hopfen nämlich durchaus verschiedene Aromen, die man im Brauprozess herausarbeiten kann.

Die kalifornischen Sorten neigen größtenteils zu Zitrusaromen, es sind aber auch harzige dabei. Die HGA hatte deshalb jedem Teilnehmer je zehn Kilo der Sorten Cascade, Crystal, Chinook und Nugget zur Verfügung gestellt, mit denen auch hier viel gebraut wird.

Wesseloh und seine Jungs gingen ans Werk. „Unser Ziel war es, ein furztrockenes und sehr geschmacksstarkes Bier einzureichen“, sagt er.

Das haben sie geschafft: Das „California 1“ ist ein Bier für Erwachsene. Das Ale packt an Zunge und Gaumen den Hopfenhammer aus und lässt ihn kreisen. Die vorhandenen Citrusnoten gehen weniger ins süßliche und deutlich in Richtung Bitterstoffe. Außerdem stellt das Bier die harzigen Seiten seiner Hopfen heraus.

Den Juroren gefiel das gut. Mit knapper Mehrheit besser fanden sie allerdings das „California Sunset“ aus der „Hopfenstopfer“-Brauerei, das sehr ähnlich schmeckt, sich aber bei der Harzigkeit zurückhält. Das California 1, benannt, nach der berühmten Küstenstraße, gibt es freitags im Lagerverkauf der Brauerei am Sinstorfer Kirchweg.