Harburg
Buchholz

Bildungsritter haben den Durchbruch geschafft

Bildungsritter e.V. Anke Voogd (von links), Olaf Blohm, Björn Sensche, Joachim Rellmann, Stefanie Jeschke, Gabriele Schmidt, Ina Rubelowski

Bildungsritter e.V. Anke Voogd (von links), Olaf Blohm, Björn Sensche, Joachim Rellmann, Stefanie Jeschke, Gabriele Schmidt, Ina Rubelowski

Foto: Corinna Panek / HA

Buchholzer Verein unterstützt Schüler in finanziellen Notlagen. Initiatorin Stefanie Jeschke nahm einen Scheck über 4000 Euro entgegen.

Buchholz.  Seit einem Jahr ist der Verein Bildungsritter am Start – und hat jetzt einen Durchbruch geschafft: Mit einer Spende von 4000 Euro haben die Bildungsritter jetzt eine gute finanzielle Grundlage, um ihren Vereinszweck zu erfüllen. Nämlich Schülern in finanzieller Not zu helfen. Genauer gesagt, zumeist volljährigen Schülern oder Auszubildenden, für die es keine staatlichen Hilfen gibt. Manche fallen einfach durchs Raster.

Beispiele hat die Vereinsvorsitzende und Initiatorin Stefanie Jeschke in ihrer Zeit als Schulsekretärin an den Berufsbildenden Schulen Buchholz genug kennengelernt: Familien, denen wegen schwerer Erkrankung, Insolvenz oder gar Tod des Hauptverdieners plötzlich das Geld fehlt, um Fahrkarte oder Schulbücher zu bezahlen. Schüler, die mit den Eltern um Unterhalt prozessieren müssen.

Berufschüler, die während eines Pflichtpraktikums kein Schüler-Bafög bekommen, weil sie solange nicht in der Schule, sondern im Betrieb sind. Oft geht es nur um wenige Euro, um ein Lehrbuch oder einen günstigen Drucker zu kaufen, um die Monatskarte zur Schule oder um die Teilnahme an einer Kursfahrt.

„Wir wollen schnell und unbürokratisch helfen“, sagt Stefanie Jeschke. Wir – das sind bislang die sieben Vereinsgründungsmitglieder, über die das Hamburger Abendblatt vor einem Jahr berichtet hat. Seither haben die Bildungsritter viel Zuspruch erfahren – und auch schon Spenden erhalten. „Wir haben da wohl einen Nerv getroffen“, glaubt Stefanie Jeschke.

So kam es, dass der Lions-Club Jesteburg für den Verein eine Tombola organisierte, die dann ins Programm des Oktoberfestes im Autohaus Kuhn+Witte eingebaut wurde. Stefanie Jeschke war mit dabei, um das Projekt allen Interessierten vorzustellen, während die Lions-Herren fleißig Lose verkauften, so dass am Ende 4000 Euro zusammenkamen.

Auch eine Hanstedter Unternehmerin, die anonym bleiben möchte, hat gespendet: „Sie musste ihre Ausbildung auch ganz allein stemmen“, sagt Stefanie Jeschke. Und die Stadt Buchholz fördert das Projekt ebenfalls. Im ersten Jahr ihres Bestehens haben die Bildungsritter schon zehn Familien mit Beiträgen von 80 bis 400 Euro unterstützt.

Jetzt müssen die Bildungsritter ihr Projekt an den Schulen bekannt machen, damit diese betroffenen Schülern die Hilfe vermitteln können. Nicht überall rennt Stefanie Jeschke offene Türen ein. Bei einer Bildungsmesse sagte ihr ein Lehrer, bei ihm gebe es keine bedürftigen Jugendlichen an der Schule. „Doch gerade von seiner Schule kam der erste Schüler, den wir unterstützt haben.“

Obwohl schnelle und unbürokratische Abwicklung im Vordergrund steht, wird die Bedürftigkeit in Gesprächen, mit den Schülern, Lehrern und Schulsozialarbeitern, geprüft. „Es gab noch keinen, dem wir nicht helfen konnten“, betont Stefanie Jeschke. Dafür habe sie schon große Dankbarkeit erfahren.

Jetzt gilt es, das Projekt auch bei potenziellen Spendern, vor allem Firmen, bekannter zu machen. Manchmal kommt auch Kritik, denn der Fehler im System – das bestimmte Schüler und Azubis durchs Raster fallen – werde damit ja unterstützt. „Aber auf eine Gesetzesänderung oder neue Förderungen zu warten, dauert für die bedürftigen Schüler zu lange“, meint Stefanie Jeschke. Ihr Appell gilt auch den hiesigen Firmen, in den Nachwuchs zu investieren.

Andererseits ist das Projekt Bildungsritter nicht räumlich beschränkt. Zurzeit hat Stefanie Jeschke auch Kontakt zu einem Berliner Unternehmer, der bei sich Schüler unterstützen möchte. Denn Jugendliche, die Hilfe brauchen, gibt es nicht nur im Landkreis Harburg, sondern bundesweit. Dass weitere „Ritterburgen“ folgen, in denen Sponsoren vor Ort tätig werden, ist nicht nur denkbar, sondern ausdrücklich gewünscht.