Harburg
Machtkampf

Kampf um den Jesteburger Bürgermeisterstuhl

Britta Witte (CDU), Bürgermeisterkandidatin 2016 in Jesteburg

Britta Witte (CDU), Bürgermeisterkandidatin 2016 in Jesteburg

Foto: CDU Jesteburg / HA

CDU-Fraktionschefin Witte will an die Macht. Dass sie antritt, wird als „ziemlich mutig“ oder „politischer Selbstmord“ wahrgenommen

Jesteburg.  Wie spannend die Bürgermeisterwahl in Jesteburg am kommenden Mittwoch, 2. November, denn nun tatsächlich wird, darüber gehen die Meinungen in der beschaulichen Gemeinde an der Seeve weit auseinander. Für die einen steht längst außer Frage, dass Amtsinhaber Udo Heitmann (SPD) auch in den kommenden fünf Jahren regieren wird. Andere sehen Herausforderin Britta Witte (CDU) nicht gänzlich chancenlos.

Dass ausgerechnet die 57-Jährige als Gegenkandidatin auftritt, wird wahlweise als „ziemlich mutig“ oder „politischer Selbstmord“ wahrgenommen. Ausgangspunkt für beide Sichtweisen sind die Ergebnisse der jüngsten Kommunalwahlen. Da verlor die CDU nicht nur 11,55 Prozent ihrer Wählerstimmen, sondern auch drei ihrer vormals acht Sitze im Gemeinderat.

Als „schallende Ohrfeige“ für eine „verfehlte Dorfpolitik ohne Bürgernähe und Transparenz“ wertete Hansjörg Siede, Chef der Unabhängigen Wählergemeinschaft Jesteburg (UWG Jes), das deutliche Votum. So gesehen sei es schon sehr überraschend, dass Witte ihren Hut in den Ring geworfen habe. „Ich frage mich ernsthaft, woher die notwendigen Stimmen für ihre Wahl zur neuen Bürgermeisterin eigentlich kommen sollen“, so Siede.

Dabei ist gerade seine UWG Jes Hauptprotagonist der heißesten Spekulation in Sachen Jesteburger Bürgermeisterwahl. Weil sie am 11. September aus dem Stand 22,35 Prozent aller gültigen Stimmen und damit fünf Sitze geholt hatte, war die UWG neben der CDU zur zweitstärksten Fraktion hinter der SPD (7 Sitze) aufgestiegen. Und könnte bei einer Gruppenbildung mit den Christdemokraten immerhin zehn der insgesamt 21 Ratsmandate verbuchen.

Siede hält dieses Gedankenspiel für ziemlich abwegig. Auch wenn es im Vorfeld der Bürgermeisterwahl tatsächlich ein Treffen seiner Fraktion mit Witte gegeben habe. „Es war ein netter Small Talk zum Kennenlernen, nicht mehr und nicht weniger“, sagt Siede. Der überdies versichert, ein vorabgestimmtes Abstimmungsverhalten sei „zu keinem Zeitpunkt Thema“ gewesen.

„Nein, bei uns gibt es keinen Fraktionszwang. Dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass ein UWG-Abgeordneter für einen der beiden Kandidaten stimmen wird“, sagt Siede. Immerhin sei „100 Prozent klüngelfrei“ ja der Wahlkampfslogan der UWG Jes gewesen. Da wäre es nur schwer zu vermitteln, wenn die Wählergemeinschaft jetzt Exponenten der scharf kritisierten Lokalpolitik als Steigbügelhalter in den Sattel helfe.

Die Grünen haben da weit weniger Probleme, sich zu positionieren. Laut Ratsmitglied Karl-Heinz Glaeser habe man über beide Kandidaten zwar intern diskutiert, werde letztlich aber doch Heitmann unterstützen. „Er hat bei den Kommunalwahlen mit 1755 klar die meisten Stimmen bekommen, genießt also das größte Vertrauen bei den Wählern“, so Glaeser. Heitmann sei ein „Sozialstabilitätsfaktor“, er habe stets sehr vermittelnd agiert und könne verschiedene Gruppen für eine „gute Idee“ verbinden.

Die Fürsprache der Grünen hat nur einen kleinen Schönheitsfehler. Hätte die Fraktion vier Abgeordnete wie in der abgelaufenen Wahlperiode, wäre Heitmann sehr wahrscheinlich schon die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang (11 Stimmen) sicher gewesen. Doch da auch die Grünen ein Mandat verloren haben, wird wohl ein zweiter Wahlgang nötig werden. In dem dann die einfache Mehrheit reicht.

Britta Witte jedenfalls will um ihre Chance kämpfen. Heitmann interpretiere sein Amt ja fast unpolitisch, er setze keine Impulse und gebe lieber den netten Nachbarn. „Deshalb sollte es unbedingt einen Gegenkandidaten geben. Weil eine Auswahl immer besser ist, als erst gar keine Wahl zu haben“, sagte sie dem Abendblatt.

Von einem persönlichen Versagen als Fraktionschefin will sie nichts wissen. Obwohl sie bei den Kommunalwahlen mit 478 Stimmen nicht nur meilenweit hinter Heitmann landete, sondern sogar noch Siede (573 Stimmen) den Vortritt lassen musste. Als Bauausschussvorsitzende mache man sich eben schnell mal unbeliebt, sagt sie. Wenn sie aber mehr noch als bisher den persönlichen Kontakt zu den Bürgern suche, könnten sich einige Angriffspunkte rasch relativieren.

Hoffnung mache ihr zudem, dass es eine ähnliche Ausgangskonstellation ja schon einmal gegeben habe. Nämlich just in jenem Jahr, als Heitmann an die Macht kam. Seinerzeit hätte bei der Kommunalwahl ihr Parteifreund Hans-Heinrich Aldag mit Abstand die meisten Stimmen geholt. Doch zum Bürgermeister sei dann Heitmann gewählt geworden.

Der gibt sich unterdessen präsidial gelassen. Die Gegenkandidatur von Witte sei für ihn alles andere als überraschend und beunruhige ihn nicht im Geringsten. „Ist doch das übliche Spiel. Die Protestbewegung im Dorf hat die Konstellation diesmal nur etwas spannender gemacht. Ich gehe aber ganz entspannt in die Wahl“, ließ Heitmann das Abendblatt wissen.

Zum viel zitierten Zünglein an der Waage könnte übrigens der 21. Mann im Spiel werden. Das ist Philipp-Alexander Wagner von der FDP. Der Rechtsanwalt hat sich nach eigener Aussage noch nicht entschieden, wem er seine Stimme geben wird. „Ich weiß noch nicht so richtig, wofür die Kandidaten eigentlich stehen und was sie vorhaben. Insofern lasse ich mich mit meinem Votum mal von ihrer Vorstellung am 2. November inspirieren“, so Wagner.

Am liebsten wäre ihm ja ein dritter Kandidat, der mal für frischen Wind im Rat sorgt. Doch den wird es aller Voraussicht nach nicht geben.