Wilhelmsburg

Neue Ampel auf Bundesstraße – und bald wird geblitzt

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Thomas Sulzyc
Ein seltenes Bild in Deutschland: Ein Ampelknoten regelt auf einer Autobahnähnlichen Straße den verkehr. Die Ampel auf der Wilhelmsburger Reichsstraße in Höhe Kornweide ist seit dem 18. Oktober eingeschaltet.

Ein seltenes Bild in Deutschland: Ein Ampelknoten regelt auf einer Autobahnähnlichen Straße den verkehr. Die Ampel auf der Wilhelmsburger Reichsstraße in Höhe Kornweide ist seit dem 18. Oktober eingeschaltet.

Foto: Thomas Sulzyc

Am neuen Stauschwerpunkt auf der Wilhelmsburger Reichsstraße gilt das ungewohnte Höchsttempo 50. Und es drohen Kontrollen.

Wilhelmsburg.  Zum ersten Mal seit Eröffnung der Wilhelmsburger Reichsstraße im Jahr 1951 regelt jetzt für die Dauer von drei Jahren eine Ampel in Höhe Kornweide den Verkehr auf der autobahnähnlichen Bundesstraße. Wo ursprünglich Tempo 80 erlaubt war und bis vor Kurzem entlang der Baustelle zur Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße höchstens mit 60 Stundenkilometern gefahren werden durfte, gilt nun das Höchsttempo 50. Um die Autofahrer für die ungewohnte Verkehrsregelung zu sensibilisieren, müssen sie demnächst mit Geschwindigkeitskontrollen rechnen. „Es wird bald geblitzt werden“, sagte Projektleiter Martin Steinkühler von der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) gestern dem Abendblatt.

Dass eine Ampel auf einer autobahnähnlichen Straße, die zudem unmittelbar auf eine Autobahn (A253) führt, den Verkehr regelt, komme in Deutschland selten vor, sagt Martin Steinkühler. Der Start der Ampel sei deshalb in die Hamburger Herbstferien gelegt worden, damit die Gewöhnungsphase in eine entspanntere Verkehrslage fällt. Pro Tag fahren in der Regel etwa 55.000 Fahrzeuge auf der wichtigen Hamburger Verkehrsachse.

Laut DEGES führe die Ampel bisher lediglich zu „kleinen Rückstaus“ im Berufsverkehr. Größere Effekte auf den Verkehr seien bislang nicht festgestellt worden. Der Radiosender NDR Info meldete am Donnerstagmorgen drei Kilometer stockenden Verkehr entlang der Baustelle auf der Autobahn 253 zwischen Harburg und Neuland. Normalerweise stockt der Verkehr auf diesem Abschnitt im Berufsverkehr zurzeit auf zwei Kilometern. Dieser Streckenabschnitt führt in Richtung Hamburger Zentrum unmittelbar auf den Ampelknoten auf der Wilhelmsburger Reichsstraße zu.

Weil die Sanierung der Autobahn 253 und der Start der Ampelregelung auf der Wilhelmsburger Reichsstraße in die gleiche Zeit fallen, was dem Autofahrer im Hamburger Süden „viel Geduld und Nerven“ abverlange, wirft die Harburger Bürgerschaftsabgeordnete Birgit Stöver (CDU) dem Hamburger Senat Fehler bei der Verkehrskoordinierung vor. Die schleppenden Sanierungsarbeiten und die installierte Ampel an der Wilhelmsburger Reichsstraße würden den Verkehrsfluss behindern. Die Empfehlung an die Autofahrer, auf die Autobahn A1 auszuweichen, führe lediglich dazu, dass sie dort ebenfalls im Stau stünden, kritisiert die CDU-Politikerin. Birgit Stöver fordert deshalb den Senat auf, einen Verkehrskoordinator für den Hamburger Süden und die Metropolregion Hamburg einzusetzen.

Zumindest im Bereich der Ampel auf der Wilhelmsburger Reichsstraße und auf der Kornweide übernehmen technische Helfer die Funktion eines Verkehrskoordinators. Induktionsschleifen jeweils 300 Meter vor den Ampeln registrieren das Verkehrsaufkommen und steuern die Ampelphasen. Die in den Boden eingelassenen Induktionsschleifen seien so programmiert, dass sie die Grünphasen verlängern, sobald sie registrieren, dass Fahrzeuge zum Stillstand kommen, erklärt Martin Steinkühler.

Die ungewohnte Ampelregelung auf der Wilhelmsburger Reichsstraße gilt als neuralgischer Punkt, also eine Stelle, an der es zu Störungen kommen könne. Deshalb hat laut DEGES die Polizei mit Hilfe von mindestens einer Videokamera die Möglichkeit, den Ampelknoten zu beobachten.

Einwohner aus Wilhelmsburg hätten lieber einen Kreisverkehr als eine Ampel gesehen. Kreisverkehre brächen ab einem bestimmten Fassungsvermögen zusammen und wären an dieser Stelle nicht sinnvoll gewesen, sagt dagegen Martin Steinkühler. Weil Flächen im Ampelbereich bei den Bauarbeiten zur Verlegung der Reichsstraße benötigt werden, hätte das zudem zu Sperrungen des Kreisverkehrs geführt. Die Ampel bleibt bis zur Freigabe der verlegten Wilhelmsburger Reichsstraße im August 2019.

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