Rad-Initiative

Landkreis will sein Radwegenetz verdichten

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Martina Berliner
Group of senior and mature people cyling on country lane, side view Warum in die Ferne schweifen... Bei einer Radtour durch die malerischen Vierlande gibt es viel zu entdecken, aktive Erholung ist garantiert. FOTO:GETTY

Group of senior and mature people cyling on country lane, side view Warum in die Ferne schweifen... Bei einer Radtour durch die malerischen Vierlande gibt es viel zu entdecken, aktive Erholung ist garantiert. FOTO:GETTY

Foto: Ricky John Molloy / Getty Images

Verwaltung informiert über Regionales Verkehrskonzept. 1300 Straßenkilometer wurden von einem Ingenieurbüro vermessen und kartiert

Buchholz. Der Landkreis soll durch einen kontinuierlichen Ausbau der Fahrradinfrastruktur für Radler attraktiver werden. Mehr Bürger sollen künftig das Auto stehen lassen und auch auf längeren Strecken in die Pedale treten, etwa für den Weg zur Arbeit. Das Fahrrad soll vom Sport- und Freizeitgerät zum im Alltag regelmäßig genutzten Verkehrsmittel avancieren.

Im Auftrag des Kreistags arbeitet die Kreisverwaltung dafür derzeit gemeinsam mit der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, den Kommunen und Verbänden sowie dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) an der Entwicklung eines Regionalen Radverkehrskonzepts, das vor allem schnelle Radverbindungen zwischen zentralen Orten schaffen soll. Erste Ergebnisse werden jetzt der Öffentlichkeit präsentiert.

Eine Informationsveranstaltung hat bereits in Buchholz stattgefunden. Die zweite Möglichkeit, sich zu informieren, Fragen zu stellen und Anregungen zur Weiterentwicklung des Konzepts zu geben, haben Interessierte heute Abend in Winsen.

In der Buchholzer Rathauskantine waren am Dienstag etwa 40 Fahrrad-Fans versammelt. Wer schnelle Realisierung von Verbesserungsmaßnahmen erwartet hatte, wurde gleich zu Beginn enttäuscht. „Was wir hier vorstellen, ist kein verpflichtendes Programm, das heute beschlossen und morgen gebaut wird“, erläuterte der Leiter des Betriebs Kreisstraßen, Uwe Karsten. „Mit dem Regionalen Radverkehrskonzept verfolgen wir das Ziel, einen umfassenden Überblick über die überörtliche Radverkehrsinfrastruktur im Landkreis Harburg zu gewinnen. Wir schlagen eine Prioritätenliste von Maßnahmen vor, die die jeweils zuständigen Baulastträger - Bund, Land, Kreis, Gemeinden - möglichst umsetzen sollten.“

Der Prozess wird fünf bis zehn Jahre dauern

Der Prozess wird lange dauern, etwa fünf bis zehn Jahre, weiß Peter Bischoff, der mit der Konzepterstellung für den Landkreis Harburg beauftragt ist. Trotzdem ist der Bauingenieur und Verkehrsplaner vom Hannoveraner Fachbüro SHP Ingenieure zuversichtlich. Er plant seit 1992 bundesweit Radverkehrsnetze. Seiner Erfahrung nach werden sehr viele Posten des empfohlenen Maßnahmenkatalogs auch tatsächlich realisiert. Aber eben Stück für Stück im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten.

Als Voraussetzung für die Auflistung und Bewertung aller erforderlichen Schritte radelte ein SHP-Mitarbeiter insgesamt 1300 Kilometer auf einem mit Spezial-Kamera und Fahrrad-Navigationssystem ausgestatteten Pedelec kreuz und quer durch den Landkreis. Registriert wurden dabei Breite und Beschaffenheit der Radstrecken sowie die vorhandene Wegweisung. Dazu erfasste man Querungsbedarf sowie Anzahl und Art der Fahrradabstellanlagen.

Umfangreiches Kartenmaterial und ein Katalog mit konkreten Vorschlägen zur Optimierung liegt nun allen Gemeinden vor. In Workshops sollen geplante Maßnahmen auf einander abgestimmt werden. Auch benachbarte Kreise und die Stadt Hamburg, die zurzeit ihrerseits Velorouten in der Metropolregion plant, sollen einbezogen werden. Letzteres bedeutet nach Erfahrung von Stephan Zins, verantwortlich für die Planung der Radwege im Landkreis Harburg, „ein dickes Brett zu bohren“.

Überhaupt ist wegen der zahlreichen beteiligten Institutionen viel Geduld gefragt. „In Jesteburg haben wir schon vor drei Jahren für viel Geld Vorschläge zum Radwegeausbau ausarbeiten lassen. Auf die Antwort der Verkehrsbehörde, ob wir mit den Maßnahmen starten können, warten wir noch immer. Es ist unendlich schwierig, von der Verwaltung eine Reaktion zu bekommen“, klagte ein frustrierter Besucher.

Auch Martina Lindemann aus Buchholz ist vom vorgestellten Projekt eher enttäuscht. „Ich hatte gehofft, dass viel mehr für die Stadt Buchholz dabei heraus kommt. Die Rede ist überwiegend von langen Strecken zwischen den Orten. Die allermeisten Leute nutzen das Rad doch nur im Umkreis von fünf Kilometern. Ich finde, das Konzept des regionalen Radwegenetzes klammert all die kleinen Maßnahmen aus, die für die große Masse der Radfahrer wirklich etwas bringen würden.“

Uwe Karsten dagegen zeigt sich vollauf zufrieden. Der Leiter des Betriebs Kreisstraßen setzt darauf, dass klare Leitlinien zur bedarfsgerechten Planung und die Möglichkeit, die Punkte der Prioritätenliste einen nach dem anderen abzuhaken, die jeweils zuständigen Institutionen aktivieren. Und er hofft, dass angesichts der aufwändigen Untersuchung der politische Wille wächst, für die Realisierung der Vorschläge ordentlich Geld locker zu machen. „Ich würde schließlich gern Radwege bauen, wenn ich könnte.“

Bürgerinformation in Winsen: Donnerstag, 20. Oktober 2016, 19 Uhr in der Kreisverwaltung Winsen, Schloßplatz 6, Gebäude B, Raum 013.

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