Harburg
Seevetal

„Die Deutsche Bahn haftet für Decatur-Brücke“

Seit dem 1. Oktober ist die Decatur-

Seit dem 1. Oktober ist die Decatur-

Foto: Jörg Riefenstahl / HA

Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen sieht das Unternehmen bei Einsturz in der Verantwortung.

Seevetal.  Die Aussagen der Deutschen Bahn zur Decatur-Brücke in Maschen sorgen bei der Gemeinde Seevetal für Verwunderung. Gegenüber dem Hamburger Abendblatt hatte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis kürzlich erklärt, dass die Bahn im Zuge ihrer weiteren Nutzung des Bauwerks zwar die Verkehrssicherungspflicht, den Winterdienst und die Haftung für etwaige Nutzungsschäden übernehme. Die Brückenbaulastverantwortung bleibe aber weiterhin bei der Gemeinde Seevetal, was nach Ansicht der Bahn heißt, dass sie auch verantwortlich wäre, wenn die Brücke einstürzen sollte.

Darauf erklärt Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen: „Das sehe ich nicht so.“ Sicherlich sei die Brücke weiterhin im Besitz der Gemeinde. Der Punkt sei aber, dass die Bahn die Haftung für die Schäden übernommen habe, die in ihrem Nutzungszeitraum entstünden. Sollte es beispielsweise im Winter so starke Schneefälle geben, dass die Brücke die Last nicht mehr tragen könne und sie einstürze, sei die Bahn verantwortlich, so Oertzen.

Auch was die Lkw angeht, die die Bahn noch immer über die Brücke fahren lässt, liegt das Nutzungsrisiko nach Ansicht der Bürgermeisterin eindeutig bei der Bahn. „In den Gutachten steht, dass der Brücke als So-da-Brücke, also als Brücke, die einfach nur so da steht, nichts passieren kann“, sagt Oertzen. Wenn die Deutsche Bahn sie nun weiterhin nutzen wolle, sei sie verantwortlich.

Darüber hinaus kündigt Martina Oertzen an, dass es Ende Oktober oder Anfang November wieder ein Treffen mit der Bahn geben werde, um unter anderem die Pläne zum Abriss der Brücke in Gang zu bringen. Auch mit der externen Beratungsfirma Sweco will die Gemeinde in die Beratung einsteigen, welche Alternativen es für eine Wegeverbindung zwischen Maschen und Hörsten gibt. Um die Bürger mit einzubeziehen, ist ein Dialogforum geplant.

Unterdessen hat die Sperrung der Brücke seit dem 1. Oktober nicht für das erwartete Verkehrschaos rund um Maschen und Hörsten gesorgt. Die Bürger scheinen sich rasch mit der neuen Situation arrangiert zu haben. Martina Oertzen führt das auf die frühzeitige Information der Verkehrsteilnehmer zurück. „Lediglich fünf bis zehn Rückmeldungen sind von Bürgern gekommen“, sagt Uwe Pesel, Leiter der Tiefbauabteilung der Gemeinde. Darunter einige Beschwerden und vor allem Fragen.

Die Gemeinde appelliert außerdem an alle Bahnpendler, weiterhin den Bahnhof Maschen zu nutzen und nicht komplett auf Meckelfeld oder Stelle auszuweichen. In der vergangenen Woche sei er noch immer von 60 Fahrzeugen im Durchschnitt angefahren worden – und das in den Herbstferien. Die Zahl ist aus Sicht der Gemeinde erfreulicherweise deutlich höher als gedacht. Wer trotzdem auf den Bahnhof Meckelfeld ausweichen will, hat dort ab sofort mehr Platz. Die angekündigten 49 neuen Parkplätze sind mittlerweile fertig.

Zum Hintergrund: Ende September hatte der Rat der Gemeinde Seevetal dafür gestimmt, die Decatur-Brücke, die über den Rangierbahnhof Maschen führt, vom 1. Oktober an für den öffentlichen Verkehr zu sperren. Seither dürfen weder Autos noch Fußgänger oder Radfahrer das Bauwerk passieren. Die Deutsche Bahn darf den Bereich zwischen der Maschener Schützenstraße und der ersten Rampe allerdings bis zum 1. März 2017 weiterhin für ihren Werksverkehr nutzen. Auflage hierfür ist, dass nicht mehr als ein Lkw zur Zeit auf der Brücke fahren darf und die Geschwindigkeit auf maximal 30 Kilometer pro Stunde begrenzt bleibt.

Außerdem übernimmt die Bahn neben der Verkehrssicherungspflicht, dem Winterdienst und der Haftung für alle etwaigen Nutzungsschäden auch das sogenannte Rissmonitoring, was bedeutet, dass sie für die Überwachung der Risse, die sich in dem mehr als 40 Jahre Spannbetonbauwerk befinden, verantwortlich ist.