Harburg
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Asklepios will den Besuchsdienst ausbauen

Besuchsdienst v. l.: Gudrun Nolte, Hans-Günter Seifert, Heidi Eggers, Regina Riess, Jürgen Wichmann, Waltraut Milevczik. In der Mitte Pastor Jörg Zimmermann

Besuchsdienst v. l.: Gudrun Nolte, Hans-Günter Seifert, Heidi Eggers, Regina Riess, Jürgen Wichmann, Waltraut Milevczik. In der Mitte Pastor Jörg Zimmermann

Foto: Katharina Geßler / HA

Das Krankenhaus sucht Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen und auf diese Weise die Krankenhaus-Seelsorger unterstützen.

Heimfeld.  Der Name ist sperrig, doch zugleich Programm: „Besorgender Besuchsdienst“ nennt sich ein Angebot der Asklepios Klinik Harburg – ein Ehrenamt, das es dort seit Jahren gibt, das nun aber weiter ausgebaut werden soll. „Wir suchen dringend Menschen, die Lust haben sich hier in ihrer Freizeit zu engagieren“, sagt Klinik-Seelsorger Jörg Zimmermann (53).

Die Unterstützung der Klinikleitung ist ihm sicher. Professor Stefan Christel, einer der ärztlichen Direktoren, weiß um den besonderen Wert der ehrenamtlichen Helfer, die sich teilweise seit vielen Jahren um das Wohl der Patienten kümmern. Sie setzen da an, wo die Möglichkeiten der Ärzte, Schwestern und Pfleger enden: weil es entweder den Rahmen der Aufgaben sprengt oder die Zeit fehlt. „Wir sorgen für ein bisschen mehr Menschlichkeit“, sagt Hans-Günter Seifert (73). Früher hat er als Vertriebsleiter gearbeitet. Heute kommt er jede Woche mindestens einmal pro Woche vormittags in die Klinik, um Neuankömmlingen bei der Orientierung zu helfen. „Freundlicher Empfang“ nennt Pastor Zimmermann diesen Dienst, den Seifert abwechselnd mit Jürgen Wichmann (74), Gudrun Nolte (72) und Heidi Eggers (63) versieht. „Wir sind so etwas wie die Visitenkarte des Hauses“, sagt Wichmann, der früher Verwaltungsangestellter und in seiner Freizeit Boxtrainer war. Seit vier Jahren ist er in der Klinik im ehrenamtlichen Einsatz. Heute reicht ihm oft schon ein Blick auf die Menschen, die die Klinik betreten: „Ich sehe gleich, wer Hilfe braucht.“

Wie dankbar Patienten sind, gerade, wenn sie zum ersten Mal in die Klinik kommen und keinen blassen Schimmer haben, an wen sie sich wenden sollten, erfahren die Helfer immer wieder. „Die sind erleichtert und dankbar, und das sagen sie uns auch“, erzählt Gudrun Nolte, die in der Wohnungswirtschaft angestellt war. Und jedes Mal ganz beschwingt nach Hause geht: „Es tut gut, helfen zu können.“ Aber sie kennt auch ihre Grenzen: „Ich könnte nicht auf die Stationen gehen, um mich da um die Menschen zu kümmern – zu belastend.“

Waltraut Milevczik (67), eine ehemalige Buchhalterin, und die frühere Lehrerin Regina Riess (74) tun genau das: Sie setzen sich zu den Patienten ans Bett, hören zu, sprechen mit ihnen. Wobei Waltraut Milevczik den Schwerpunkt auf den „besorgenden Besuchsdienst“ legt: „Ich kümmere mich um Kopfhöhrer, Internetanschluss, vermittle manchmal zwischen Personal und Patienten, wenn es zum Beispiel und Terminabstimmungen geht.“ Dabei ist ihr, ebenso wie Regina Riess, die sich als ehrenamtliche Krankenhausseelsorgerin kümmert, eines besonders wichtig: „Wir stehen nicht in Konkurrenz zum Personal, wir verstehen uns als Ergänzung.“

So sieht es auch Pastor Jörg Zimmermann, mit dem alle Ehrenamtlichen jeden Monat einmal zusammenkommen, um sich auszutauschen, sich auch mal Belastendes von der Seele zu reden: „Wer anderen hilft, muss auch selbst Unterstützung erfahren“, sagt er. Zimmermann ist es auch, der die Helfer auf ihren Dienst in Seminaren vorbereitet. Denn ganz gleich, ob jemand Dienst am Empfang tut, für Kranke Besorgungen erledigt oder versucht, durch Gespräche und Zuhören ihr Leid zu mildern, immer geht es um Schicksale, oft solche, die tief unter die Haut gehen. Eine Erfahrung, die Regina Riess immer wieder macht: „Was wir leisten, ist ein Schritt gegen die allgemein zunehmende Anonymität.“ Am schwierigsten auszuhalten ist für sie, wenn ein Mensch total einsam ist: „Es gibt Kranke, zu denen kommt außer mir kein einziger Besucher.“ Das mitzubekommen, bringt sie zwar an Grenzen. Aber ihr Ehrenamt aufzugeben kommt für sie nicht infrage. Denn wie immer im Leben, gibt es auch hier die andere Seite: „Ich gehe immer beschenkt nach Hause.“

In diesem Punkt sind sich alle Ehrenamtlichen einig. Und noch etwas schätzen sie übereinstimmend: Perspektiven verschieben sich, persönliche Probleme rücken in ein anderes Licht, Zeit wird sichtbar als das, was es ist – ein kostbares Gut. Wer das erkennt, bewertet sein Leben neu. Ein Abenteuer, auf das sich hoffentlich in Zukunft mehr Menschen einlassen, hofft Pastor Zimmermann. Viel brauche es dazu nicht: „Lust auf Menschen, vor allem die hinkenden, und ihre Geschichte.“

Wer Interesse an einem Ehrenamt in der Klinik hat, wendet sich an ihn, per Telefon: 040/18 18 86 21 33 oder Mail: jo.zimmermannext@asklepios.com. Und wer jetzt noch Überzeugungshilfe braucht, dem hilft vielleicht, was einst der französischen Philosophen Voltaire (1644 – 1778) erkannte: „Human ist der Mensch, für den der Anblick fremden Unglücks unerträglich ist und der sich sozusagen gezwungen sieht, dem Unglücklichen zu helfen.“