Harburg
Siedlungsdruck

Wistedt will 40 Baugrundstücke

Die drei sind sich einig: Sowohl Wistedts amtierender Ortsbürgermeister Wolfgang Indorf als auch Heinz-Hermann Baden (l.) und Sven Bauer (r.), die sich als Indorfs Nachfolger zur Wahl stellen, wollen ein Neubaugebiet für 40 Grundstücke auf den Weg bringen

Die drei sind sich einig: Sowohl Wistedts amtierender Ortsbürgermeister Wolfgang Indorf als auch Heinz-Hermann Baden (l.) und Sven Bauer (r.), die sich als Indorfs Nachfolger zur Wahl stellen, wollen ein Neubaugebiet für 40 Grundstücke auf den Weg bringen

Foto: Bianca Wilkens / HA

Tostedter Bürgermeister und Anwohner kritisieren die Pläne als überzogen und Gefahr für die Infrastruktur. doch die Nachfrage ist groß.

Tostedt.  Hamburgs Siedlungsdruck lässt nicht nach. Im Landkreis Harburg am Rande der Elbmetropole zu wohnen, ist schon allein aufgrund erschwinglicher Grundstückspreise für viele eine willkommene Alternative. Und so weisen die Städte und Gemeinden im Kreis immer weiter Bauland aus. Doch wie schnell darf ein Dorf wachsen und wann ist die Grenze der Entwicklung erreicht? Mit diesen Fragen muss sich aktuell der Ort Wistedt auseinander setzen. Die Gemeinde möchte auf vier Hektar Wohnbebauung auf 40 Grundstücken zulassen. Das Baugebiet soll an der Straße „Im Ahler“ entstehen und sich an die Bebauung „Höhnkamp“ aus den 90er Jahren anfügen. Doch es gibt Widerstand.

Von den vier Hektar sollen 5700 Quadratmeter Gemeinbedarfsfläche werden. Darauf soll ein Gemeindebüro entstehen und die Feuerwehr in Wistedt mehr Platz bekommen. Zurzeit halten die elf Gemeinderatsmitglieder ihre Sitzungen in der Elias-Grundschule ab. Auch die Vereine aus dem Ort nutzen die Räume. „Wir wissen nicht, wie lange das noch möglich ist“, sagte Wistedts Bürgermeister Wolfgang Indorf. „Das neue Gemeindebüro mit Sitzungsraum war der ausschlaggebende Grund für die Änderung des Flächennutzungsplans.“

Bereits 2012 hatte die Gemeinde Wistedt einstimmig beschlossen, das Bauland auszuweisen und den Antrag dazu und an den damaligen Samtgemeindebürgermeister Dirk Bostelmann gerichtet. Um die Änderung des Flächennutzungsplans vorzunehmen, braucht die Gemeinde Wistedt die Zustimmung der Tostedter Samtgemeinde. Im Mai 2016 hatten die Wistedter ihr Vorhaben noch einmal bekräftigt. „Es ist also nichts, was jetzt vom Himmel fällt“, sagte Sven Bauer von der Wählergemeinschaft in Wistedt (ehemals SPD).

Die Verwaltung der Samtgemeinde Tostedt hat im Grunde nichts gegen das Bauvorhaben einzuwenden, da Wistedt zurzeit keine ausreichenden Wohnbaugrundstücke habe. Die Politik jedoch ist gespalten. Insbesondere Tostedts Bürgermeister Gerhard Netzel sieht das geplante Neubaugebiet gar nicht gern. „Das ist mir einfach zuviel“, sagt er.

Wistedts Politiker weisen Kritik an Baugebiet zurück

Netzel verweist auf das Regionale Raumordnungsprogramm, das vom Landkreis Harburg aufgestellt wird. Danach sollen die Siedlungsschwerpunkte auf den größeren Städten und Gemeinden an den Hauptachsen liegen. Übersetzt bedeutet das, dass insbesondere Tostedt mit seiner guten Bahnanbindung, zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten und allen Schulformen weiter wachsen kann. Ein Außendorf wie Wistedt, das zwar über eine Grundschule und einen Kindergarten verfügt, aber kaum Einkaufsmöglichkeiten bietet, hingegen soll sich nur gebremst entwickeln. „Wir müssen den Siedlungsdruck aus Hamburg schon aufnehmen, aber das darf nicht mit einer ungeregelten Steuerung einhergehen“, betont Netzel. Abgesehen davon befürchtet er, dass innerhalb kurzer Zeit alle Grundstücke in dem Neubaugebiet veräußert werden und das für die Verkehrsinfrastruktur Wistedts problematisch werden könne. Auch manche Anwohner kritisierten das Vorhaben als überzogenen Baumboom.

Die politischen Vertreter aus Wistedt weisen die Kritik zurück. Sie versprechen sich vom Neubaugebiet, zahlreichen jungen Familien aus Wistedt ein Zuhause geben zu können. „Wir bekommen viele Anfragen von jungen Familien, die nach einem Grundstück suchen. Die wollen wir ungern verlieren“, sagte Sven Bauer. Eine weitere Nahverdichtung sei nicht mehr möglich. „Die Baulücken sind ausgeschöpft“, bestätigte Hans-Hermann Baden von der Wählergemeinschaft Wistedt.

Ob es zu dem Neubaugebiet in Wistedt kommt, hängt von der Entscheidung in der nächsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses der Samtgemeinde Tostedt ab. Der Termin steht noch nicht fest. Bis dahin muss die Gemeinde ihr städtebauliches Konzept aktualisieren und dann ihre Entwicklungsziele in der Sitzung vorstellen. Bürgermeister Indorf ist zuversichtlich, dass das Bauvorhaben am Ende umgesetzt werden kann: „Ich denke, wir drehen nur eine Ehrenrunde.“