Harburg
Neugraben-Fischbek

Mitglieder fordern Erhalt ihrer Kirche

Pastor Gerhard Janke setzt sich für den Erhalt der Cornelius-Kirche in Fischbek ein

Pastor Gerhard Janke setzt sich für den Erhalt der Cornelius-Kirche in Fischbek ein

Foto: Thomas Sulzyc

250 Besucher bei der Mitgliederversammlung geben dem Cornelius-Kirchengemeinderat ein eindeutiges Mandat mit auf den Weg.

Neugraben-Fischbek.  Der Gemeinderat der Evangelisch-Lutherischen Cornelius-Kirchengemeinde soll sich dafür einsetzen, die Kirche und das Gemeindehaus in Fischbek zu erhalten, und die Gemeindearbeit weiter entwickeln. Diesen Auftrag haben die Mitglieder am Montagabend bei der Versammlung zur Zukunft der Kirchengemeinde erteilt. 250 Besucher zeigen, wie sehr eine drohende Aufgabe der einzigen Kirchengemeinde in Fisch die Mitglieder bewegt. Pastor Gerhard Janke spricht von der „größten Mitgliederversammlung aller Zeiten“ in der Geschichte der Cornelius-Kirchengemeinde.

Hintergrund: Wie alle 158 Gemeindestandorte im Kirchenkreis Hamburg-Ost steht die Cornelius-Kirchengemeinde in Fischbek vor einem Dilemma. Die Mitgliederzahlen und die Einnahmen sinken. Hatte die Cornelius-Kirchengemeinde vor 25 Jahren noch 4300 Mitglieder, sind es heute nur noch 3100. Pastor Janke erwartet in den nächsten Jahren ein Haushaltsdefizit in Höhe von 50.000 Euro pro Jahr.

Bei stetig sinkenden Mitgliederzahlen und steigenden Kosten bei der Gebäudeunterhaltung sieht der Kirchenkreis den Ausweg in d er Konzentration von Gebäuden und Gemeinden. Das Kirchenparlament hat deshalb im April beschlossen, bis Endes des Jahres 2016 etwa ein Drittel der Kirchen und Gemeindehäuser nicht mehr zu nutzen. 35,6 Prozent aller Kirchen und Gemeindehäuser im Kirchenkreis Hamburg-Ost sollen demnach bei Reparaturen und Sanierungsarbeiten nicht mehr gefördert werden. Dazu zählen auch die Kirche und das Gemeindehaus in Fischbek. Zur Gebäudeunterhaltung hat der Kirchenkreis Hamburg-Ost einen Förderfonds mit insgesamt 1,2 Millionen Euro für die nächsten zehn Jahre aufgelegt.

In einer 30 Seiten umfassenden Stellungnahme hat der Kirchengemeinderat die Gründe mitgeteilt, warum seiner Meinung nach die Cornelius-Kirchengemeinde doch als förderfähig einzustufen sei. „Wir können nicht bestätigen, dass unser Gemeindeleben verkümmert“, sagt Gerhard Janke. Die Gottesdienst würden mehr Menschen besuchen als vor 25 Jahren. Die Kindertagesstätte der Kirchengemeinde ist vor zwei Jahren erweitert worden.

Der Kirchengemeinderat hält es für falsch, dass sich die Evangelisch-Lutherische Kirche aus einem der am stärksten wachsenden Stadtteile Hamburgs zurückzöge. Harburgs Bezirksamtsleiter Thomas Völsch (SPD) belegt in einem Vortrag während er Mitgliederversammlung diese Entwicklung. Das Bezirksamt rechne mit mehr als 12.000 zusätzlichen Einwohnern bis zum Jahr 2025 in Neugraben-Fischbek. Position zur Bedeutung der Kirchengemeinde bei dieser Entwicklung bezieht er allerdings nicht. Die Kirche müsse das intern selbst regeln.

Der kirchliche Kindergartensteht nicht zur Diskussion

Nach Angaben des Kirchengemeinderates leben allein in Fischbek zurzeit etwa 9300 Menschen. In 15 Jahren würden es 15.000 Einwohner sein. Die Cornelius-Kirchengemeinde wüchse damit auf voraussichtlich 4300 Mitglieder – und wäre so groß wie vor 25 Jahren. Dann würde die Kirchengemeinde wieder schwarze Zahlen schreiben, argumentiert Pastor Janke. Die Bauexperten des Kirchenkreises Hamburg-Ost gehen davon aus, dass in den 1960er-Jahren errichtete Gotteshäuser wie die Cornelius-Kirche einen hohen Sanierungsaufwand mit sich brächten. Das zeigen Erfahrungen. Heinz Heinrich Thömen aus dem Bauausschuss der Cornelius-Kirchengemeinde dagegen sagt: „Unsere Bausubstanz ist in Ordnung.“ Laut Pastor Janke habe die Kirchengemeinde bei den laufenden Ausgaben zwar ein Defizit, aber auch Rücklagen in Höhe von 1,4 Millionen Euro geschaffen. 600.000 Euro davon seien für die Gebäudeunterhaltung.

Der kirchliche Kindergarten in Fischbek steht nicht zur Diskussion. Er würde auf jeden fall weiter bestehen. Der Träger könnte auch eine fusionierte Kirchengemeinde in Süderelbe sein, sagt Pastorin Meike Barnahl. Pröpstin Carolyn Decke erwartet von der Fischbeker Kirchengemeinde, ein Lösung innerhalb der Region zu finden. Damit meint sie die drei Kirchengemeinden in Süderelbe. „Wir müssen neu strukturieren“, sagt die Pröpstin zu den Mitgliedern der Cornelius-Kirchengemeinde.

Einen Wettbewerb der drei Kirchengemeinden in Hausbruch, Neugraben und Fischbek untereinander , wer sein Gotteshaus nun aufgeben solle, will Pastor Janke aber auf keinen Fall eröffnen. Während der Mitgliederversammlung munkeln dennoch schon einige: Die Michaeliskirche in Neugraben fasse nur 300 Menschen, die Cornelius-Kirche bietet dagegen Platz für 500 Besucher. Corinna Senf, Pastorin in Elternzeit, spricht den Mitgliedern aus der Seele: „Es tut einfach weh, eine Gemeinde, in der so viel Leben ist, als nicht förderfähig einzustufen“, sagt sie. Dafür erhält sie lang anhaltenden Applaus. „Notfalls gehen wir auf die Straße“, sagt eine alte Dame zum Abschied zu Pastorin Meike Barnahl. Die lächelt und sagt: „Es wird alles gut werden.“