Harburg
Buchholz

Wirbel um Hans-Wilhelm Stehnken

Hans-Wilhelm Stehnken

Hans-Wilhelm Stehnken

Foto: Corinna Panek / HA

Ex-AfD-Politiker zieht als Parteiloser in den Buchholzer Stadtrat ein. Der Partei ist das gar nicht recht.

Buchholz.  Wenn der neue Stadtrat am 15. November um 19 Uhr in der Buchholzer Rathauskantine zu seiner konstituierenden Sitzung erstmals zusammenkommt, wird die Ausgangskonstellation noch komplizierter sein, als es die jüngste Kommunalwahl ohnehin ergeben hat. Denn neben den Fraktionen von CDU (12 Sitze), SPD (8), Bündnis 90/Die Grünen (5), FDP (5), Buchholzer Liste (4) und AfD (2) sitzen im Rat auch zwei Einzelkämpfer: der linke Abgeordnete Udo Antons und der neuerdings parteilose Hans-Wilhelm Stehnken.

Noch bevor die Alternative für Deutschland so richtig beweisen kann, wie segensreich ihr Wirken für Buchholz ist, hat sie sich selbst zerlegt. Zum 30. September erklärte Spitzenkandidat Stehnken seinen Austritt – und kam damit einem Parteiausschlussverfahren zuvor. Dennoch wird er, noch unter der AfD-Flagge gewählt, sein Mandat im Rat wahrnehmen. „Selbstverständlich, denn die Kommunalpolitik in meiner Wahlheimat Buchholz liegt mir sehr am Herzen“, sagte der 65-Jährige dem Abendblatt.

Kurios bleibt die Ausgangslage trotzdem. Weil Stehnken von der AfD bereits in der heißen Wahlkampfphase zur Unperson erklärt worden war. „Er hatte zu diesem Zeitpunkt schon keinen Rückhalt mehr im Stadtverband. Und deshalb auch das explizite Verbot, bei Wahlkampfveranstaltungen und an Infoständen der Partei aufzutreten“, sagt Marina Graul, Vorsitzende des AfD-Stadtverbands Buchholz.

Das hinderte Stehnken aber nicht daran, trotzdem Anfang August am Infostand der Partei während des Buchholzer Wochenmarktes aufzutauchen. Dort war er von den AfD-Wahlkämpfern aufgefordert worden, sich umgehend zu entfernen. Erfolglos. Erst als die herbeigerufene Polizei auftauchte, räumte Stehnken unter Protest das Feld.

„Auch diese Episode belegt sein unbotmäßiges Auftreten, seine zunehmend aggressiver gewordenen Umgangsformen mit vielen, unzumutbaren verbalen Attacken“, so Graul. Das habe sich die Partei einfach nicht länger bieten lassen können. Alle Bemühungen, Stehnken in die innerparteilichen, demokratischen Abläufe zu integrieren, seien letztlich gescheitert, bestätigte auch AfD-Kreissprecher Hans-Jürgen Bletz.

Eskaliert ist die Situation, als sich Stehnken nach der Kandidatenkür für die Buchholzer Wahlkreise in einer von ihm verfassten Pressemitteilung selbst zum Sprecher des AfD-Stadtverbands erklärte. Von einer inakzeptablen „Kompetenzüberschreitung“ und „parteischädigendem Verhalten“ ist anschließend die Rede. Für Stehnken war der Vorgang dagegen lediglich ein Vorwand um ihn loszuwerden.

Er sieht sich als Opfer einer Intrige und erhebt schwere Vorwürfe gegen die AfD-Kreisführung. Der Vorsitzende Jens Krause und sein „Vize“ Hans-Jürgen Bletz hätten mit haltlosen Unterstellungen und gezielt gestreuten Gerüchten seine Demontage betrieben.

Hintergrund ist laut Stehnken, dass er erwogen habe, auch für den Kreistag zu kandidieren. Das hätten Krause und Bletz aber wegen eigener Ambitionen unter allen Umständen verhindern wollen. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass Krause den Landesvorsitz anstrebt, um sich so eine gute Ausgangsposition für ein Bundestagsmandat zu verschaffen“, sagt Stehnken. Jedenfalls würden Krause und Bletz keine Gelegenheit auslassen, den Landesvorstand der AfD in aufhetzender Weise zu attackieren.

„Sich anständig zu benehmen und das angekratzte Image der Partei zu verbessern, müssten jetzt eigentlich vorrangige Ziele des Führungsduetts sein. Stattdessen werden missliebige Parteimitglieder ausgebootet sowie Ängste und Missgunst geschürt“, klagt Stehnken die Kreisspitze an. Vor diesem Hintergrund sei er nachgerade erleichtert, nun kein AfD-Mitglied mehr zu sein. Obgleich er viele Ansichten der Partei auch weiterhin teile.

Eine Zusammenarbeit mit den beiden AfD-Abgeordneten Rainer Sekula und Michael Cordes im neuen Buchholzer Stadtrat schloss Stehnken – der zuvor auch 40 Jahre Mitglied der CDU und vier Wochen Mitglied der FDP war – jedoch kategorisch aus: „Ich erwarte, dass die AfD recht schnell ausgegrenzt wird, und das völlig zu Recht.“

Stehnken will sich von keiner Partei vereinnahmen lassen

Stehnken will jetzt einfach nur „ein gutes Ratsmitglied“ sein, das konstruktive Ideen und Initiativen zum Wohle der Buchholzer Bürger unterstützt. Unabhängig davon, wer die Vorschläge eingebracht habe.

Vor allem zur Stadtplanung und zur kommunalen Wirtschaftspolitik wolle er Beiträge leisten. „Ich werde mich von keiner Fraktion vereinnahmen lassen und stets allein sachorientiert entscheiden“, verspricht er jetzt.

Die AfD hätte es lieber gesehen, dass Hans-Wilhelm Stehnken sein Mandat gar nicht wahrnehmen würde. Schon deshalb, weil die Partei dann einen Nachrücker aus ihren Reihen stellen dürfte.

„Aber ich wette, er wird wieder auffällig werden – und sich dadurch selbst ins Abseits stellen. Mit demokratischen Strukturen hat Herr Stehnken ein Problem. Das wird sich früher oder später auch im Buchholzer Stadtrat zeigen“, prophezeit sein Intimfeind Hans-Jürgen Bletz.