Harburg
Stromkastenkunst

Holm-Seppensen hat eine neue Bildergalerie

Heino Jacobsen bemalt die Strom- und Telefonkästen mit Holm-Seppenser Motiven. Als Vorlagen dienen alte Fotos und Postkarten

Heino Jacobsen bemalt die Strom- und Telefonkästen mit Holm-Seppenser Motiven. Als Vorlagen dienen alte Fotos und Postkarten

Foto: Corinna Panek / HA

Der Bürger- und Verkehrsverein beauftragt den Hanstedter Maler Heino Jacobsen mit der Gestaltung der Stromkästen im Ort.

Holm-Seppensen.  Mit dem Begriff „Milchbank“ weiß heute wohl kaum noch jemand etwas anzufangen. Es handelte sich um eine Sammelstelle, zu der die Landwirte ihre Milchkannen brachten, damit die Fuhrwerke von den Molkereien sie dort aufladen konnten. Eine solche Milchbank gab es auch in Holm-Seppensen, etwa dort, wo heute der Weg zur Mühle verläuft. Wie sie ausgesehen hat, zeigt das Bild auf dem Verteilerkasten.

Seit etwa einem Jahr ist Heino Jacobsen aus Hanstedt in den Sommermonaten damit beschäftigt, die Strom- und Telefonkabelverteilerkästen in Holm-Seppensen zu bemalen. Sie werden mit Motiven aus dem Ort verziert, wo immer es sich anbietet mit historischen Ansichten und Gebäuden.

Der freischaffende Künstler ist auf Wandmalereien und die grauen Kästen mit den Schaltstellen spezialisiert. „Wenn das Wetter mitspielt, macht das sehr viel Spaß“, betont er. In dieser Woche allerdings weniger: Wenn der Wind zu stark bläst, lässt sich die Farbe nicht präzise aufbringen. Da beschränkt sich Heino Jacobsen aufs Grundieren und Überlackieren. „Den Klarlack sollte man jährlich neu auftragen, wenn man lange etwas von den Bildern haben möchte“, rät er.

Eine Arbeit, die künftig sein Auftraggeber, der Bürger- und Verkehrsverein (BVV) Holm-Seppensen übernehmen wird. „Die Idee ist bereits vor vier Jahren entstanden“, sagt Susan Eisenberg vom Vorstand. Am Anfang war noch nicht klar, welche Motive die Kästen zieren sollten. „Wir hatten aber einen gewissen Anspruch an die Qualität und einen einheitlichen Stil“, erklärt sie.

So entschied man sich im BVV für heimatliche Motive – und für die Zusammenarbeit mit Heino Jacobsen. Die Stromkästen, die er in Hanstedt bemalt hatte, fanden auch in Holm-Seppensen Anklang. Als Vorlagen dienen alte Postkarten und Fotos. Wann immer es sich anbietet, sollen die historischen Gebäude als Bilder auf den Stromkästen an alter Stelle oder in relativer Nähe dazu wieder auferstehen.

Weil aber nicht alle bedeutsamen Gebäude optisch viel hermachen und deren Anzahl auch nicht reicht, malt Heino Jacobsen auch mal Wölfe oder die Akrobatikgruppe „Friends“ auf die Kästen. Sehr viele Motive bietet dagegen die Heidebahn. In dieser Woche will Heino Jacobsen auf einem Stromkasten am Bahnhofsweg an den Besuch von Konrad Adenauer im Jahr 1957 erinnern. Gegenüber soll ein Kasten an einem Spielplatz mit Spielszenen bemalt werden.

Etwa einen Tag dauert es, einen Kasten zu bemalen. Vorher allerdings muss er gereinigt und grundiert werden. „Wir vom BVV übernehmen die Reinigung und bei Bedarf das Freischneiden“, sagt Susan Eisenberg. Auch die Genehmigungen zur Bemalung müssen bei Telekom und Stadtwerken eingeholt werden. Und auch die Pflege übernimmt der BVV, denn Jacobsen möchte lieber neue Bilder malen als fertige überlackieren. Seine Dienste bietet er auch in Nordrhein-Westfalen mit großem Erfolg an.

Trotz des ehrenamtlichen Einsatzes kostet die Bemalung eines Stromkastens 200 bis 300 Euro. Einen Teil davon übernimmt der Ortsrat, weitere Unterstützung kommt von Privatpersonen. „Weil wir in Seppensen, Holm-Seppensen und Holm rund 100 Kästen haben, sind weitere Förderer sehr willkommen“, sagt Susan Eisenberg. Denn fürs kommende Jahr sind weitere bunte Stromkästen zu fertigen – an einer Wiese, auf der künftig Bienen gehalten werden mit Bienenmotiven ebenso wie am Sportplatz. „Hier könnten auch mal Pferde oder Kühe als Motiv dienen“, sagt Susan Eisenberg, denn: „Kühe malt Herr Jacobsen besonders gern, hat er mir verraten.“