Harburg
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Eine CDU-Politikerin gibt Unterricht

Foto: Katharina Geßler / HA

Tag der freien Schule: Birgit Stöver gestern zu Gast im Niels-Stensen-Gymnasium.

Harburg.  Tuchfühlung war angesagt. Beim zweiten Tag der freien Schule, zu dem die Arbeitsgemeinschaft freier Schulen in der Hansestadt (AGFS) wieder 20 Abgeordnete der hamburgischen Bürgerschaft sowie des Deutschen Bundestages eingeladen hatte, ging es darum, dass die Politikerinnen und Politiker ein Gespür entwickeln – für die freien Schulen und all die Dinge, die dort von Belang sind.

Ein Angebot, das die CDU-Politikerin Birgit Stöver (46) gestern nur zu gern wahrnahm: Sie stattete dem Katholischen Niels-Stensen-Gymnasium einen Besuch ab. Mehr noch: Wie all ihre Kollegen zuvor – zum Beispiel der SPD-Abgeordnete Michael Weinreich, der in der vergangenen Woche die Bonifatiusschule in Wilhelmsburg besuchte – ließ auch sie sich auf einen Perspektivwechsel ein und stellte sich für die Dauer einer Unterrichtsstunde an den Lehrerpult, Themenschwerpunkt: Demokratie.

Die vielleicht wichtigste Botschaft, die sie den 22 Schülern (16 und 17 Jahre alt) mitgab: Selbst diejenigen, die vorgeben, mit Politik nichts am Hut zu haben, sind politisch. „Jeder von uns, der sich in der Gesellschaft bewegt und sich beispielsweise im Sportverein engagiert, ist auch politisch unterwegs“, sagte die Harburger Bürgerschaftsabgeordnete. Und erzählte auch gleich von den eigenen Anfängen.

Unabhängig vom Vorbild ihrer Mutter, die sich in der Harburger Bezirkspolitik engagierte, entwickelte sie schon als Schülerin ein ausgeprägtes Interesse an gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen. Den letzten Kick, sich aktiv in die Politik einzumischen, bekam sie 1990 mit der Wiedervereinigung: „Das war für mich die Motivation, in die CDU einzutreten.“

Ihre zweite zentrale Botschaft des gestrigen Tages: „Politik ist kein Berufsbild.“ Ohne eine solide Ausbildung, so ihre feste Überzeugung, gehe es nicht: „Politik ist Berufung auf Zeit.“ Eine solide Ausbildung sieht sie als Fundament notwendiger Lebenserfahrung.

Was die Schüler von ihr wissen wollten? Etwa wie sie Familie, Beruf und Politik unter einen Hut bringt. Welche Mitarbeiter sie in ihrer politischen Arbeit unterstützen oder auch, wie Bürger Einfluss nehmen können auf Politik.

Was es mit dem Tag der freien Schule überhaupt auf sich hat, erklärt Volker Reitstätter, Sprecher der Hamburger AGFS: „Wir eröffnen neue Sichtweisen.“ Die staatlich anerkannten Ersatzschulen, zu denen die katholischen Schulen gehören, seien nicht nur ein grundgesetzlich erwünschter Bestandteil des öffentlichen Bildungswesens: „Sie sind das Spiegelbild einer vielfältigen und freien Bildungslandschaft.“

In der Hansestat besucht immerhin jedes zehnte Kind eine freie Schule: Den 168.603 Jungen und Mädchen an staatlichen Schulen stehen 20.215 (10,7 Prozent) an freien Schulen gegenüber. Mit diesem Tag der freien Schulen, der in Teilen der Stadt bereits am 23. September begangen worden ist, will die AGFS – ein Zusammenschluss von Katholischem Schulverband, dem Arbeitskreis evangelischer Schulen, der Landesarbeitsgemeinschaft der Rudolf Steiner Schulen sowie des Verbandes Deutscher Privatschulen – vor allem dies: aufklären, informieren und die Vielfalt der Profilierungen im Bildungssystem sichtbar machen.

Apropos Vielfalt: Von den rund 600 Schüler des Niels-Stensen-Gymnasium ist etwa ein Drittel evangelisch.