Harburg
Neugraben

Gemeinde kämpft für ihre Kirche

Pastor Gerhard Janke steht vor der Cornelius-Kirche. Der Kirchenkreis Hamburg-Ost erwägt die Schließung des Gotteshauses

Pastor Gerhard Janke steht vor der Cornelius-Kirche. Der Kirchenkreis Hamburg-Ost erwägt die Schließung des Gotteshauses

Foto: Thomas Sulzyc

Um die immense Finanzlast aufzufangen plant der Kirchenkreis Hamburg-Ost, unter anderem die Cornelius-Kirche in Fischbek zu schließen.

Neugraben-Fischbek.  Nach Ansicht des Kirchenkreises Hamburg-Ost haben die Gebäude der Cornelius-Kirchengemeinde keine Zukunft: Die Kirche und das Gemeindehaus sollen aufgegeben werden. Der Kirchengemeinderat dagegen hält es für falsch, würde die Evangelisch-Lutherische Kirche Fischbek verlassen. Denn dieser Stadtteil wachse wie kein anderer in Hamburg, sagt Pastor Gerhard Janke.

Wie alle Kirchengemeinden im Kirchenkreis Hamburg-Ost steht die Cornelius-Kirchengemeinde in Fischbek mit derzeit 3100 Mitgliedern vor einem Dilemma. Die Ausgaben sind in diesem Jahr höher als die Einnahmen. Sie droht in Zukunft von der Finanzlast für den Erhalt der Gebäude erdrückt zu werden. Die Cornelius-Kirche ist in den Jahren 1962 bis 1964 errichtet worden. Gebäude aus den 1960er-Jahren würden nach einem halben Jahrhundert einen hohen Sanierungsaufwand mit sich bringen, heißt es beim Kirchenkreis.

Bei stetig sinkenden Mitgliederzahlen und steigenden Kosten bei der Gebäudeunterhaltung sieht der Kirchenkreis den Ausweg in der Konzentration von Gebäuden und Gemeinden. Das Kirchenparlament hat deshalb im April beschlossen, in den nächsten zehn Jahren ein Drittel der Kirchen und Gemeindehäuser nicht mehr zu nutzen. Andernfalls drohten Streichungen bei der Jugendarbeit, der Altenarbeit und bei der Kirchenmusik.

Der Kirchenkreis hält die Cornelius-Kirche in Fischbek und das Gemeindehaus nicht für erhaltenswert und hat die Gebäude in die „Kategorie C“ eingestuft. Das bedeutet: Der Kirchenkreis würde die Reparatur oder Sanierung finanziell nicht mehr fördern. Der kirchliche Kindergarten wäre laut Pastor Gerhard Janke nicht davon betroffen. „Ohne Gebäude wäre die Kirche aber obdachlos“, sagt er.

Der Kirchengemeinderat der Cornelius-Gemeinde hält den vom Kirchenkreis angestoßenen Gebäudeprozess für richtig. Er sieht aber die besonderen Entwicklungsaussichten in Fischbek nicht berücksichtigt. Deshalb will der Kirchengemeinderat für den Erhalt der Cornelius-Kirchengemeinde mit eigenem Gotteshaus und eigener Identität kämpfen. Er strebt an, anders kategorisiert zu werden, um die Aussicht auf Zuschüsse für den Gebäudeunterhalt zu bewahren.

„Die Freie und Hansestadt plant viel zusätzliche Infrastruktur in Fischbek zu schaffen. Dann darf die Kirche nicht die einzige sein, die mit ihrer Infrastruktur abwandern wird“, sagt Gerhard Janke. Zwei zusätzliche Neubaugebiete entstehen in Fischbek. Bis zum Jahr 2025 werden voraussichtlich 7500 zusätzliche Menschen in dem Stadtteil leben.

Die IBA Hamburg GmbH hat am Donnerstag den Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs für die neue Siedlung „Fischbeker Reethen“ mit 2200 zusätzlichen Wohnungen in Sandbek der Öffentlichkeit vorgestellt. „Die riesigen Neubaugebiete haben eine so starke Relevanz, dass die Kirchengebäude bestehen bleiben müssen“, sagt Gerhard Janke. Dort, wo Gebäude gebraucht würden, müssten sie erhalten werden.

Dass die Cornelius-Kirche in Fischbek gebraucht werde, steht für den Pastor außer Frage. Mit 15.000 bis 16.000 Einwohnern werde Fischbek die Größe einer Kleinstadt haben. Verschwänden die Kirche und das Gemeindehaus, stünde Fischbek ohne spirituelles und kulturelles Zentrum da. Die Katholische Kirche oder muslimische Gemeinden sind dort nicht vertreten. In Fischbek liegt der Ursprung der ehrenamtlichen organisierten Flüchtlingshilfe für Neugraben-Fischbek, die Initiative „Willkommen in Süderelbe“.

Den vier Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinden in der Harburger Innenstadt, Eißendorf und Heimfeld droht bis spätestens 2020 die Zahlungsunfähigkeit. Sie werden erdrückt von der Finanzlast für den Erhalt ihrer Gebäude. Deshalb stehen die Kirchengemeinderäte in Gesprächen über eine Fusion in fünf oder sechs Jahren.

Trotz defizitären Haushalts laufe die Kirchengemeinde nicht auf die Zahlungsunfähigkeit zu, sagt Pastor Gerhard Janke. Ein Fundraising mit Gründung einer Stiftung sei im Aufbau. Der Kirchengemeinderat in Fischbek plädiert dafür, die Cornelius-Kirchengemeinde zu erhalten. Bei einer Gemeindeversammlung will er sich das Mandat dafür holen. Bezirksamtsleiter Thomas Völsch (SPD) wird die Bedeutung der Cornelius-Kirchengemeinde für die Quartiersentwicklung beschreiben.

Öffentliche Gemeindeversammlung, Montag, 10. Oktober, 19.30 Uhr, Cornelius-Kirche, Dritte Meile 1, in Fischbek DIE KATEGORIEN

In den Kategorien A - C trifft der Kirchenkreis Hamburg-Ost eine Aussage über die Erhaltenswürdigkeit der kirchlichen Gebäude. Sie stellen keine Aussage über die inhaltliche Arbeit in den Kirchengemeinden dar.

Kategorie A: Gebäude dieser Kategorie bleiben wegen ihrer besonderen Bedeutung und ihres Denkmalwertes erhalten. Die fünf Hauptkirchen in Hamburg zählen dazu.

Kategorie B: Förderfähig. Für die Region und den Stadtteil wichtige Kirchen, die gut erreichbar sind.

Kategorie C: Nicht förderfähig. Nicht genug Gemeindemitglieder. Die Gebäude gelten als entbehrlich, auch, weil sie anders genutzt werden können.