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Winsen

Sieben Flüchtlinge beginnen ihre Ausbildung

Darius Zozo und sein Chef Burghard Herrmann, geschäftsführender Gesellschafter  der Winsener Alfred Kuhse GmbH, in der Fertigung für Schaltschränke

Darius Zozo und sein Chef Burghard Herrmann, geschäftsführender Gesellschafter der Winsener Alfred Kuhse GmbH, in der Fertigung für Schaltschränke

Foto: Rolf Zamponi / HA

Berufseinstieg durch Darius-Projekt von Kirchenkreis und Stadt Winsen gelungen. Namensgeber Darius Zozo von Abschiebung bedroht.

Winsen.  Er hat jetzt seine Chance, eine gute sogar. Darius Zozo, nach dem das Integrationsprojekte der Stadt und des Kirchenkreises Winsen für Flüchtlinge benannt ist, hat am 1. August eine Ausbildung zum Energie-Anlagen-Mechaniker bei der Winsener Firma Kuhse begonnen.

Der Spezialist für Elektromagnete und Steuerungssysteme für die Energieerzeugung liefert weltweit. „Wir haben für Zozo einen zusätzlichen Ausbildungsplatz eingerichtet, weil wir gemerkt haben, dass er etwas erreichen will. Das war für uns entscheidend“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter von Kuhse, Burghard Herrmann.

Genau wie alle anderen neuen Lehrlinge wird Zozo nun drei Jahre lernen und die Berufsschule in Lüneburg absolvieren. Nach einem erfolgreichen Abschluss hat er die Chance, übernommen zu werden. „Wir sind immer bestrebt, unsere Auszubildenden einzustellen“, sagt Kuhse-Chef Herrmann.

Der Mann von der Elfenbeinküste, zu Hause politisch aktiv und deshalb nach eigenen Angaben in höchster Gefahr, war vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat geflohen. Der 32-Jährige ist einer von sieben jungen Männern aus dem Darius-Projekt, die jetzt in Winsen und Umgebung mit ihrer Lehrzeit begonnen haben.

Ihren Sprachkurs haben der Kirchenkreis und die Volkshochschule finanziert. Insgesamt hatte das Projekt zunächst 20 Teilnehmer, von denen einige noch vor dem Abschluss weiter vermittelt wurden. Zozo, in dessen Heimat Französisch gesprochen wird, hatte den Vorteil, dass er im Gegensatz zu Flüchtlingen aus den arabischen Raum, die lateinischen Buchstaben kannte und rascher Deutsch lernen konnte.

Die ersten Gespräche bei Kuhse führte Jürgen Baumgarten, der als Ehrenamtlicher im Internationalen Café in Winsen für Flüchtlinge arbeitet. Mit Erfolg. „Wir sehen unsere Engagement als gesellschaftliche Aufgabe“, sagt Herrmann. „Aber die Abstimmung mit den Behörden war nicht immer ganz leicht.“

Aufbauend auf die Grundkenntnisse in der Elektrotechnik aus seiner Ausbildung in der Heimat konnte Zozo bei Kuhse zunächst in der Montage von Elektromagneten und der Fertigung von Schaltanlagen mithelfen, später ein Praktikum absolvieren und als Hilfskraft Geld verdienen.

Das Darius-Projekt wird als Einstiegsqualifikation von der Bundesagentur für Arbeit anerkannt. „Solche Qualifizierungen können grundsätzlich für junge Geflüchtete ein Schritt in Richtung Ausbildung und damit später in einen Beruf sein“, sagt Marc Bleimeister, Teamleiter bei den Arbeitsagenturen Buchholz und Winsen. Denn noch immer sind allein im Landkreis Harburg 275 Flüchtlinge bei den Jobcentern und Arbeitsagenturen arbeitslos gemeldet.

Die Einstiegsqualifizierung bietet stattdessen eine Art Langzeitpraktikum, das sechs bis maximal 12 Monate dauert und sich an den Inhalten anerkannter Ausbildungsberufe orientiert. Dabei gilt die Übernahme in eine Lehrstelle als Ziel. „Wir können während der Qualifizierung einen Zuschuss zur Vergütung von 231 Euro pro Monat sowie zu den Sozialversicherungsbeiträgen zahlen“, erläutert Bleimeister.

Diese Phase ist für Zozo jedoch mit dem Einstieg in die Ausbildung beendet. Nachdem bei einem Test in Hamburg seine Kompetenzen geprüft wurden, konnte er jetzt seinen Ausbildungsvertrag unterschreiben. Im ersten Lehrjahr erhält er monatlich knapp 900 Euro.

„Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge weiß von der Ausbildung und nach unserer Auffassung hat Zozo so das Recht, bis zum Abschluss zu bleiben“, sagt Betreuer Baumgarten. Dennoch wurde der Flüchtling jetzt aufgefordert, Deutschland innerhalb von 30 Tagen zu verlassen. Hintergrund: Sein Asylantrag wurde abgelehnt.

„Wir haben Einspruch beim Verwaltungsgericht in Lüneburg eingelegt“, sagt Baumgarten. Ausgang ungewiss, auch für Kuhse-Chef Herrmann, für den bei der Ausbildung von Flüchtlingen Rechtssicherheit Grundvoraussetzung ist.

Darius Zozo, der mit einer Partnerin eine Wohnung in Winsen gefunden hat, wäre „sehr froh bleiben zu dürfen.“ Er weiß, dass die Monteure von Kuhse die Schaltanlagen des Unternehmens oftmals in Energieanlagen und Kraftwerke in Afrika einbauen. „Beispielsweise im Kongo, in Nigeria oder Ägypten“, zählt er auf. Dort würde er nach der Ausbildung gern für seinen deutschen Arbeitgeber unterwegs sein.

Für eine Einstiegsqualifizierung muss der Antrag bei der Arbeitsagentur oder dem
Jobcenter vor Beginn eines Praktikums gestellt werden. Weitere Informationen gibt es
telefonisch unter 04181 / 997-333 bei Susann Wafaie-Krüger vom Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur in Buchholz.