Harburg
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Was wird aus jetzt Harburgs Kirchen?

Pastor Christoph Berger steht vor der im Jahr 1978 errichteten St.-Petrus-Kirche in Heimfeld

Pastor Christoph Berger steht vor der im Jahr 1978 errichteten St.-Petrus-Kirche in Heimfeld

Foto: Thomas Sulzyc

Zahlungsunfähigkeit droht: Vier evangelische Gemeinden streben eine Fusion an. Steht die Petruskirche vor dem Abriss?

Heimfeld.  Die vier Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinden in der Harburger Innenstadt, Eißendorf und Heimfeld stehen in Gesprächen über eine Fusion in etwa fünf bis sechs Jahren. Die Kirchengemeinderäte von St. Trinitatis, St. Paulus, St. Petrus und der Luther-Kirchengemeinde sehen darin die einzige Möglichkeit, die spätestens im Jahr 2020 drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Das wurde am Sonntag bei einer Informationsveranstaltung in der St. Petrus-Kirchengemeinde in Heimfeld bekannt.

Wie alle Kirchengemeinden im Kirchenkreis Hamburg-Ost steht die St. Petrus-Gemeinde in Heimfeld vor einem Dilemma. Sie kann den Gebäudebestand nicht mehr finanzieren und wird von der Finanzlast erdrückt. Um sich die Jugendarbeit und Kirchenmusik leisten zu können, gibt sie mehr Geld aus als sie einnimmt: Im Jahr 2016 stehen Einnahmen von 215.000 Euro Ausgaben in Höhe von 255.000 Euro gegenüber.

„Spätestens im Jahr 2019 sind wir zahlungsunfähig“, sagt Albrecht Schmidt-Sondermann, Kaufmann und Experte für Finanzen im Kirchengemeinderat von St. Petrus. Um ihr Gebäude in der Haakestraße wie bisher zu halten, müsste die St. Petrus-Kirchengemeinde ab 2019 in jedem Jahr 50.000 Euro aufbringen. An Spenden bringt die Gemeinde aber pro Jahr lediglich 15.000 Euro auf – und die Tendenz sei sinkend.

Ähnlich erdrückend ist die Finanzlast für den Gebäudeerhalt in den benachbarten Schwestergemeinden. Die Luther-Kirchengemeinde in Eißendorf wird voraussichtlich bereits 2018 oder 2019 zahlungsunfähig sein, die St.-Paulus-Gemeinde und die St.-Trinitatis-Gemeinde jeweils im Jahr 2020, berichtet Schmidt-Sondermann.

Demnach wäre die Evangelisch-Lutherische Kirche in Harburg in vier Jahren pleite – erdrückt von der Finanzlast für den Erhalt ihrer Gebäude. In diesem Fall übernähme ein Beauftragtengremium des Kirchenkreises Hamburg-Ost die Arbeit der Kirchengemeinderäte. Ein Streichen bei der Jugendarbeit, der Altenarbeit und bei der Kirchenmusik wären die Folge.

Als Ausweg gilt offenbar bei allen vier beteiligten Kirchenvorständen eine Fusion. Der Verkauf von Gebäuden, so die Idee, könnte die Finanzlast lindern und Geld einbringen, um Diakone für die Jugend- und Altenarbeit oder die Kirchenmusik finanzieren zu können. „So schaffen wir es, auch Menschen zu beschäftigen“, sagt Susanne Menck, Mitglied im St.-Petrus-Kirchengemeinderat.

Mit dem Plan für den Zusammenschluss zu einer einzigen Harburger Innenstadtkirchengemeinde böte sich eine Perspektive, die auch der Kirchenkreis Hamburg-Ost unterstützen würde, sagt Albrecht Schmidt-Sondermann. Den Gemeinden würde bis dahin erlaubt, Kredite aufzunehmen, und blieben damit Herrinnen unter dem eigenen Kirchturm.

Allerdings: Das wohl größte Opfer müsste die St.-Petrus-Gemeinde in Heimfeld bringen, denn sie verlöre ihre Kirche und damit ihre räumliche Identität. Das 1978 errichtete Gebäude in der Haakestraße gilt als entbehrlich, auch, weil es anders als zu kirchlichen Zwecken nutzbar ist.

Die repräsentativen, altehrwürdigen Kirchen St. Johannis und St. Paulus dagegen gelten wegen ihres Denkmalwertes als unantastbar und würden die beiden Predigtstätten der neuen Harburger Innenstadtkirchengemeinde bilden. Auch die im Jahr 1906 eingeweihte Lutherkirche in Eißendorf steht nicht für einen Abriss zur Diskussion.

Mitglieder der St. Petrus-Gemeinde zeigen unterschiedliche Reaktionen: Susanne Menck kann sich Gemeindeleben auch an einem anderen Ort vorstellen und hat eine spektakuläre Vision: ein Gemeindehausneubau im Kirchenschiff von St.Paulus.

Christine Wolter, sie macht erfolgreiche Kinderarbeit mit den „Singzwergen“, hält dagegen ein leidenschaftliches Plädoyer, St. Petrus zu erhalten: „Hier wird etwas in Gang gesetzt, was Kirche irgendwann nicht mehr stattfinden lässt“, mahnt sie, den Standort nicht voreilig aufzugeben. Sie erhält viel Applaus dafür.