Harburg
Wahlserie

Tostedt will raus aus Schuldenfalle

Serie Landkreis Harburg ,Tostedt Himmelsweg historischer Straßenzug

Serie Landkreis Harburg ,Tostedt Himmelsweg historischer Straßenzug

Foto: Michael Rauhe

Wahlserie:Freibadsanierung und Grundschulanbau drücken die Finanzlage der Gemeinde. Aber weitere Entwicklung drängt

Tostedt.  Die besonders strittigen Projekte hat die Samtgemeinde Tostedt gerade hinter sich gebracht. Allen voran die Sanierung des Freibads und die Erweiterung der Grundschule in Todtglüsingen. Die jahrelange Diskussion über die Sanierung des Freibads ist abgeschlossen, der Bauantrag gestellt. Im Herbst sollen die Arbeiten für das drei Millionen Euro teure Projekt voraussichtlich beginnen, damit das Anbaden 2017 starten kann.

Auch wenn der anvisierte Grundschulneubau in Todtglüsingen gekippt wurde und so teilweise für große Enttäuschung sorgte, haben sich auch in Todtglüsingen die Wogen inzwischen geglättet, und es wird an der Anbaulösung gearbeitet. Auch dieses Projekt strapaziert mit mehr als drei Millionen Euro hohen Kosten stark den Haushalt der Samtgemeinde.

Zugleich wächst der Konkurrenzdruck um Zuzügler im Speckgürtel Hamburgs. Tostedt hat zwar unter den Gemeinden im Landkreis Harburg mit seinem Bahnhof eine gute Anbindung an die Elbmetropole. Das macht sie für Pendler so attraktiv. Doch das alleine reicht nicht. Die Samtgemeinde wird weiter an seiner Attraktivität feilen müssen, um junge Familien für sich gewinnen zu können.

Eine wesentliche Rolle spielt in dem Zusammenhang die Kinderbetreuung. Da gibt es in der Samtgemeinde Tostedt noch etwas Luft nach oben. Insgesamt stehen in der Samtgemeinde Tostedt rund 260 Krippenplätze zur Verfügung.

Während beispielsweise Neu Wulmstorf und Buchholz längst die 60 Prozent in der Krippenbetreuungsquote geknackt haben, liegt die Samtgemeinde Tostedt mit einer Betreuungsquote von 55 Prozent noch darunter. Die Kinderbetreuung auszubauen ist alleine schon deshalb nötig, weil weitgehend Konsens darüber herrscht, demnächst die Neubaugebiete Gartenstadt-Heidloh in Tostedt und am Bosteler Berg in Otter zu entwickeln. Insgesamt entstehen dadurch 90 zusätzliche Wohneinheiten.

Doch der Ausbau der Kinderbetreuung kostet Geld. Und alles, was Geld kostet, dürfte Politik und Verwaltung ziemliche Kopfschmerzen bereiten. Die Schulden in der Samtgemeinde Tostedt klettern bis 2019 auf knapp unter 20 Millionen Euro. Bürgermeister Peter Dörsam hat es sich zum Ziel gesetzt, die Schulden zu senken, um die angespannte Finanzlage zu lockern.

Angespannt ist auch die Verkehrssituation auf der viel befahrenen Bundesstraße 75. Täglich sind dort 19.500 Fahrzeuge unterwegs. Die Anwohner und Autofahrer hoffen daher seit Jahren auf die Ortsumgehung Tostedt-Wistedt. Die schien vor wenigen Wochen in weite Ferne zu rücken, da sie im Bundesverkehrswegeplan zuletzt als „weiterer Bedarf“ auf der Rangliste weit nach unten rutschte. Jetzt hat die Samtgemeinde das Planungsrecht für die Ortsumgehung zurückbekommen. Die weiter voranzubringen und an belasteten Knotenpunkten in der Samtgemeinde den Verkehr flüssiger zu halten, wird sicherlich auch eine der wesentlichen Aufgaben der neu gewählten politischen Vertreter sein.

Dörsam hofft zudem auf eine Entlastung durch die Maut, die Mitte 2018 auf den Bundesstraßen eingeführt werden soll. „Die Maut nimmt den Anreiz, durch den Ort Tostedt zu fahren“, sagt er . Dort, wo zu viele Autos für Probleme sorgen, rückt oft das Fahrrad verstärkt in den Fokus. Deshalb ist es keine Überraschung, dass Tostedt sein Radwegenetz ausbauen möchte. Ein Konzept dafür steht bereits. Das konkret umzusetzen, ist eine der Aufgaben in der neuen Wahlperiode.

Besonders herausfordernd dürfte die Steuerung der Einzelhandelsansiedlung in Hauptort Tostedt sein. Zwar sind sich die Fraktionen weitgehend einig, die Zinnhütte als zweiten Handelsstandort neben dem Tostedter Ortskern zu stärken. Doch die Frage ist, wann da die Grenzen erreicht sind. Denn der Einzelhandel im Ortskern Tostedt soll nicht gefährdet werden. Ein Balanceakt.