Harburg
Dorfentwicklung

Ramelslohs große Pläne platzen

Die Bauarbeiten an Knolles Markt in Ramelsloh haben begonnen. Inhaberin Dorle Thalmann-Draeger hofft, bis Ostern kommenden Jahres fertig zu sein

Die Bauarbeiten an Knolles Markt in Ramelsloh haben begonnen. Inhaberin Dorle Thalmann-Draeger hofft, bis Ostern kommenden Jahres fertig zu sein

Foto: Christiane Tauer / HA

Nur Knolles Markt erweitert, doch nach der Aldi-Absage stecken auch Gemeinde und Sparkasse zurück. Träume einer großen Mitte platzen

Ramelsloh.  Von der einstmals geplanten neuen Mitte Ramelslohs wird bald kaum noch etwas übrig sein. Nachdem im vergangenen Jahr bereits die Ansiedlung von Aldi an der Ohlendorfer Straße gekippt und die Erweiterung von Knolles Markt stark begrenzt wurde, bröckeln nun auch dem ebenfalls geplanten Geschäftshaus die Mieter weg. Nach Informationen des Abendblatts will die Sparkasse Harburg-Buxtehude nicht mehr mit einer richtigen Filiale in den Neubau ziehen, sondern voraussichtlich nur noch Automaten aufstellen.

Damit wäre die Volksbank Lüneburger Heide der einzig verbliebene Voll-Mieter, denn erst kürzlich hatte auch die Gemeinde Seevetal verkündet, dass die Ortsverwaltung Ramelsloh ihre Umzugspläne aufgibt. Ursprünglich wollten sich Volksbank, Sparkasse und Ortsverwaltung am neuen Standort am anderen Ende des Edeka-Parkplatzes niederlassen.

„Wir haben die Sache noch einmal neu bewertet und sind von unseren Plänen abgerückt“, begründet Seevetals Gemeindesprecher Andreas Schmidt die Entscheidung der Verwaltung. Aufgrund der begrenzten Öffnungszeiten der Ramesloher Ortsverwaltung und der relativ hohen Miete sei ein Umzug nicht lohnend. „Wir mussten aber von keinem Vertrag zurücktreten“, betont er.

Weniger klare Worte gibt es von der Sparkasse. „Wir beschäftigen uns mit der Thematik, sind aber noch zu keiner finalen Entscheidung gekommen, die wir kommunizieren können“, sagt Vorstandsmitglied Andreas Sommer gegenüber dem Abendblatt. Das heißt: Ob die Filiale nur noch in der abgespeckten Automatenversion weitergeführt wird, ist offen. „Wir denken in alle Richtungen“, erklärt Sommer.

Was er hingegen sicher sagen könne, sei, dass die derzeitige Form des Betriebs definitiv eine Übergangslösung bleiben werde. Seit etwa drei bis vier Monaten ist die Filiale in einem Container auf dem Kundenparkplatz von Knolles Markt untergebracht, da die Erweiterungs-Bauarbeiten am Supermarkt begonnen haben und der alte Standort dafür aufgegeben werden musste. Auch die Sparkasse habe bisher nichts verbindlich unterschrieben, mit dem Investor sei man weiterhin in Gesprächen, fährt Sommer fort.

Gegenüber dem Abendblatt äußert sich der Investor, der seinen Namen nicht öffentlich nennen möchte, allerdings etwas eindeutiger als die Sparkasse. Sein Wissensstand sei derzeit, dass es nur noch den Automatenbetrieb geben werde, erklärt er. Das verwundere ihn schon ein wenig, denn ursprünglich habe die Bank ihre Filiale sogar vergrößern wollen. Jetzt sehe es so aus, als werde der gesamte Neubau zwangsläufig etwas kleiner ausfallen. „Etwa ein Drittel der Fläche fällt weg.“ Ersatz-Mieter will er nicht suchen.

Die Ramelsloher werden sich also damit anfreunden müssen, dass von den großen Plänen für ihre Ortschaft letzten Endes nur die Erweiterung des Edeka-Markts und der Umzug der Volksbank in positiver Weise realisiert werden. „Wir halten weiterhin daran fest und gehen derzeit davon aus, 2017 in den Neubau einzuziehen“, sagt Frank Urbaum, Bereichsleiter Vorstandsstab der Volksbank Lüneburger Heide, auf Nachfrage.

Ähnlich optimistisch äußert sich Dorle Thalmann-Draeger, Inhaberin von Knolles Markt. Sie hofft, bis Weihnachten die vor Kurzem begonnenen Arbeiten am Anbau abgeschlossen zu haben, damit sie im Januar mit der Neugestaltung des Marktinneren starten kann. „Unser Ziel ist, dass Ostern alles fertig ist.“ Da sie die Arbeiten nacheinander ausführen lässt, werden die Kunden erst im neuen Jahr die Umbauten zu spüren bekommen.

Dorle Thalmann-Draeger, die den 1920 gegründeten Familienbetrieb in dritter Generation führt, hat mittlerweile ihren Frieden gefunden mit dem Hickhack um den Bebauungsplan. Statt auf 3000 Quadratmeter darf sie die derzeitige Verkaufsfläche von 2300 Quadratmeter jetzt nur noch um 140 Quadratmeter erweitern. „Es war unglaublich schwer, ein Konzept zu realiseren, weil die Fläche einfach nicht reicht“, sagt sie. Dennoch ist sie überzeugt, einen guten Weg gefunden zu haben. Im zweigeschossigen Anbau sollen unter anderem Büros und Sozialräume Platz finden, es gibt eine Frischfisch-Abteilung und ein neues Bistro, außerdem werden die Kühlung und der gesamte Fußboden erneuert.

Dass die Pläne für das gegenüberliegende Geschäftshaus wie so vieles andere bei diesem Bebauungsplan noch einmal über den Haufen geworfen werden, ist aus ihrer Sicht zweitrangig. Sie konzentriert sich lieber auf ihren Markt. „Wir sind froh, dass es endlich losgeht.“