Harburg
Ausstellung

Fundstücke erzählen Geschichten

Schauraum-Ausstellung "Zeichen und Wunder" von Jutta Konjer im September 2016 Hier: Installation "Tränensäule" und Jutta Konjer

Schauraum-Ausstellung "Zeichen und Wunder" von Jutta Konjer im September 2016 Hier: Installation "Tränensäule" und Jutta Konjer

Foto: Lutz Kastendieck / HA

Unter dem Titel „Zeichen und Wunder“ zeigt die Harburger Künstlerin Jutta Konjer ab Freitag im SchauRaum Fotografien und Installationen

Harburg.  „Sie ist Forscherin und Sammlerin, Schauspielerin und Schamanin, Alchemistin, Hexe und wundersam weise Närrin mit unverkennbarer Lust an Irritationen“, hat die Kulturjournalistin Isabelle Hofmann über Jutta Konjer gesagt. Wie zutreffend diese Beschreibung ist, kann ab Freitag im SchauRaum am Schwarzenberg besichtigt werden.

„Zeichen und Wunder“, heißt die Ausstellung der Harburger Künstlerin. In den sechs Installation und 34 Fotografien verschmelzen Realität und Fiktion zu einer Melange, losgelöst von Zeit und Raum. Die den Betrachter zu einer neuen Sicht auf die (Um)Welt animiert. Und sein Wertesystem nicht selten in Frage stellen wird.

Jutta Konjer arbeitet gern mit Fundstücken. Die begegnen ihr praktisch auf Schritt und Tritt. Bei den langen Spaziergängen mit Schäferhund-Mischling Fenja. Auf Straßen und Plätzen, in Parks und auf Wiesen, in urbanen Brachen und angrenzenden Landschaften. Und immer wieder an den Ufern der Elbe. Wo die Künstlerin sammelt, was der Fluss im Laufe der Zeit verschlungen und irgendwann wieder ausgespuckt hat.

„Diese zivilisatorischen Relikte inspirieren mich. Weil es Objekte sind, die aus der Zeit gefallen sind, aber Geschichten erzählen“, sagt Konjer. In ihren Installationen entfalten sie ihre Magie. Die dazu anregt, „die Geschichten neu zu erzählen“, wie es ihr langjähriger Lebens- und Schaffenspartner Manfred Kroboth einmal formulierte.

Kennengelernt haben sich die beiden während des gemeinsamen Studiums an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Später führten sie Stipendien auch zusammen nach Maastricht und Rotterdam. 25 Jahre bildete das Paar eine kongeniale, kreative Künstlergemeinschaft unter dem Label „Kroko“, entstanden aus der Verkürzung ihrer Familiennamen Kroboth und Konjer.

Unter dem Titel „krokos Tierleben“ gastierten die beiden bereits 2011 im SchauRaum. Tiere bestimmten viele Jahre das Œuvre Konjers. Zu ihren spektakulärsten Kreationen zählten eine sechs Meter Hohe Giraffe, ein lebensgroßer Elefant und eine sechs Meter lange Ente, zusammengenäht aus 21 Quadratmetern Plüsch und neun Quadratmetern Filz.

Auch in ihren aktuellen Fotografien spielen Tiere eine große Rolle. Wenngleich es sich in Wirklichkeit gar nicht um lebendige Tiere handelt. Mal erscheint eine achtlos weggeworfene Tüte auf einer grünen Wiese wie ein weißer Papagei, mal ein Haufen am Wegesrand wie ein sitzender Hase.

Zivilisationsmüll ist für die 50-Jährige ein endloser Quell der Inspiration. So hat sie in den vergangenen Monaten fast wie besessen die in der Stadt überall auffindbaren Verpackungen von Zellstofftaschentüchern gesammelt. An meterlangen Fäden aufgeknüpft ist so die Installation „Tränensäule“ entstanden, die jetzt ebenfalls in der kleinen Galerie am Schwarzenberg zu sehen ist.

Mit der Tränensäule hat Konjer zugleich versucht, den plötzlichen Tod Manfred Kroboths im Herbst 2015 künstlerisch zu verarbeiten. Ein weiteres Zeugnis dieses Prozesses ist die Installation „Luftlos“. In ihr sind Luftballonreste so an Fäden aufgehängt, dass sie als Einheit wie ein neues, dahinschwebendes Flugobjekt wirken. Und so in doppeltem Sinn die lähmende Atemlosigkeit infolge des schmerzlichen Verlusts, aber auch den Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt symbolisieren.

„Jutta Konjer führt Begriffe auf ihre Wurzeln zurück. Sie zerspringen in andere Teile und arrangieren sich neu“, beschreibt Gudrun Thiessen-Schneider, eine Kuratorin aus der Grafschaft Bentheim, das Werk der gebürtigen Nordhornerin. Sie spiele voller Witz und Ironie die Dialektik von Objektivität und Manipulation aus. Ein Grund mehr, mal wieder im SchauRaum vorbeizuschauen.

„Zeichen und Wunder“, Fotografien und Installationen von Jutta Konjer im SchauRaum, Schwarzenbergstraße 42. Eröffnung am Fr., 9. September, ab 19 Uhr. Öffnungszeiten: Sa./So., 10./11. September und 17./18. September, jeweils in der Zeit von 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.