Harburg
Wahlserie

Seevetal drücken die Schulden

Als Flächengemeinde hat Seevetal kein offizielles Zentrum. Rund um Kirche und Kirchstraße in Hittfeld könnte es

Als Flächengemeinde hat Seevetal kein offizielles Zentrum. Rund um Kirche und Kirchstraße in Hittfeld könnte es

Foto: Michael Rauhe

Die Gemeinde muss Weichen stellen. Decatur-Brücke, Gasthaus „Zum 100-Jährigen“, Baugebiet Göhlenbach. Doch Geld wird knapp.

Seevetal.  Eines dürfte sicher sein: Der neugewählte Rat der Gemeinde Seevetal wird sich in der kommenden Legislaturperiode wohl mit keinem anderen Thema so intensiv beschäftigen müssen wie mit der Decatur-Brücke über den Rangierbahnhof Maschen. Das Bauwerk, das schon bald für den Verkehr komplett gesperrt sein wird, hat Politik und Verwaltung bereits so einige Nerven gekostet – und daran wird sich zukünftig wenig ändern. Damit nicht die gesamte Verantwortung auf den Schultern der Gemeinde lastet, hat Bürgermeisterin Martina Oertzen der Politik vorgeschlagen, einen externen Berater einzusetzen.

Dass sich der neue Gemeinderat noch einmal ganz von vorne sowohl mit der Decatur-Brücke als auch mit den anderen aktuellen Themen beschäftigt und bereits getroffene Entscheidungen möglicherweise revidiert, dürfte eher unwahrscheinlich sein. „Ich denke, da ist eine gute Vorarbeit geleistet worden, jetzt sollte es aber weiter gehen“, so Oertzen. Bei dieser Einschätzung spielt auch eine Rolle, dass es in Seevetal bisher keine eindeutigen politischen Mehrheitsverhältnisse gegeben hat.

Das dürfte auch bei der anstehenden Diskussion um das Baugebiet „Nördlich Göhlenbach“ zum Tragen kommen. An welcher Stelle könnte dort die für Hittfeld so dringend benötigte Pflegeeinrichtung für Senioren entstehen? Auf einem Teil der bisher vorgesehenen Fläche oder auf einem zusätzlichen Grundstück? Bisher gehen dazu die Meinungen der Politiker auseinander. Nicht vergessen werden sollte in der Diskussion aber der zeitliche Aspekt. 530 Bewerber stehen mittlerweile auf der Liste für das Neubaugebiet. Familien, Paare, Singles, die gerne ein Haus bauen möchten.

Das Thema Wohnen ist in Seevetal, das sich traditionell eine behutsame Entwicklung seiner Baugebiete auf die Fahnen schreibt und nicht auf Masse setzt, generell ein Dauerbrenner. Man sehe sich aber nicht im Wettkampf mit anderen Gemeinden, hat Martina Oertzen dazu mehrfach erklärt. Dennoch weiß sie, dass Seevetal Zuzug braucht, die Gemeinde ist mit einem Durchschnittsalter von 46,2 Jahren die älteste im Landkreis.

Problematisch sieht es vor allem beim bezahlbaren Wohnraum aus. Der Bebauungsplan für den ehemaligen Sportplatz in Fleestedt ist derzeit das einzige aktuelle Beispiel, wo im größeren Umfang auch günstigere Mietwohnungen in Mehrfamilienhäusern vorgesehen sind. Für den großen Bedarf, den beispielsweise junge Leute, Alleinerziehende, Senioren oder auch anerkannte Flüchtlinge haben, ist das nicht ausreichend.

Ein weiteres heißes Eisen, auf das sich der neue Gemeinderat freuen darf, ist die Entwicklung des Hittfelder Ortskerns rund um das Gasthaus „Zum 100-Jährigen“. Welcher der bisher zwei Investoren hat das beste Konzept? Ist ein Aldi-Markt an dieser Stelle sinnvoller als Wohnbebauung? Die Entscheidung liegt bei der Politik.

Die weiteren typischen kommunalpolitischen Themen wie Ausbau der Kindergarten- und Krippenplätze, Neubau der Feuerwehrgerätehäuser oder Unterhaltung der Straße stehen in Seevetal, das einst zu den finanziell sehr gut ausgestatteten Gemeinden zählte, mittlerweile so wie anderswo unter dem Zeichen der Schuldenlast. Auf 25 Millionen Euro wird der Stand bis Ende 2016 ansteigen. Bis 2019 werden es voraussichtlich 30 Millionen Euro sein. Martina Oertzen dürfte Recht haben, wenn sie sagt, dass es für die Politiker in Zukunft schwerer sein werde abzuwägen, was sich Seevetal überhaupt leisten kann.