Harburg
Wahlserie

Jork ist mehr als Obstanbau und Tourismus

Das Jorker Rathaus mit seinem historischen Fachwerk ist sehr beliebt bei Paaren, die hier den Bund fürs Leben schließen.

Das Jorker Rathaus mit seinem historischen Fachwerk ist sehr beliebt bei Paaren, die hier den Bund fürs Leben schließen.

Foto: Michael Rauhe

Klimaschutz und Familienfreundlichkeitsind für die Politik die zentralen Herausforderungen der Zukunft mitten im Alten Land.

Jork.  Familienfreundlich, wirtschaftsstark, innovativ – dafür steht die Gemeinde Jork. Im Zentrum des Alten Landes gelegen, prägt Landwirtschaft, die Region und ist zugleich größter Wirtschaftsfaktor. Hier befindet sich das größte Obstanbaugebiet Nordeuropas. Dies und die Lage an der Elbe bringen für die Politik in der Kommune Herausforderungen, denen sich der neu gewählte Rat stellen muss. Bei der vergangenen Bürgermeisterwahl 2011 setzte sich Gerd Hubert durch. Damit ist erstmals nicht ein Vertreter der großen Parteien im Amt, sondern ein Mitglied der Wählergemeinschaft „Bürgerverein Jork“. Aus seiner Sicht müssen sich die neu gewählten Kommunalpolitiker vor allem mit den Bereiche Wirtschaft, Bauen und Infrastruktur beschäftigen.

Als Anrainer wäre auch die Gemeinde Jork von den Auswirkungen der Elbvertiefung betroffen: „Da allerdings ruht alles bis zur Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, das müssen wir abwarten“, erklärt Hubert den Stand der Dinge.

Deichschutz wäre nicht nur an der Elbe ein Thema, um Deiche geht es in naher Zukunft auch im Streit mit der Hansestadt Buxtehude. Dort ist im Gespräch, Minideiche entlang der Este zu bauen, um die historische Altstadt zu schützen. Die Ableitung des Oberflächenwassers aus dem Gewerbepark Mienenbüttel und frühere Flussbegradigungen gefährden die tief liegenden Ortsteile Buxtehudes. Ein Deichbau dort würde das Problem für die Jorker allerdings noch verschärfen: „Die Durchflussmenge würden noch höher – und dahinter säuft alles ab“, gibt Hubert zu bedenken.

Der Klimaschutz wird im Alten Land in der Zukunft eine größere Rolle spielen. Die Gemeinde Jork, die Samtgemeinde Lühe und die Samtgemeinde Horneburg haben im vergangenen Jahr das gemeinsame Klimaschutzkonzept „Altes Land und Horneburg“ beschlossen. Ziel ist es, die CO2- Belastung bis zum Jahre 2020 um 20 Prozent zu reduzieren.

Seit dem 1. Juli kümmert sich die Klimaschutzmanagerin Anna-Katharina Poppe um die Umsetzung. In den Bereichen Verkehr und Mobilität, Wirtschaft, private Haushalte, Bildung sowie Kommunen und Vereine koordiniert sie die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen in den drei Gemeinden. Dazu strebt sie die weitere Vernetzung der Akteure in der Region und eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit an. „Da wollen wir in der Zukunft Zeichen setzen“, so Hubert.

Was das Gewerbe angeht, sieht der Bürgermeister seine Gemeinde gut aufgestellt: „Im neuen Gewerbegebiet Ostfeld 2 haben wir sieben Hektar zur Verfügung, die gerade vermarktet werden. Da ist darauf zu achten, dass wir einen nachhaltigen Branchenmix hinbekommen und nicht nur Logistikunternehmen ansiedeln.“

Auch für die Gemeinde Jork ist wichtig, die Einwohner zu halten. In den kommenden Jahren steht für die Kommunalpolitik an, Bauland für kleinere Baugebiete zur Verfügung zu stellen. Dadurch sollen gute und bezahlbare Angebote für junge Familien geschaffen werden. „Aber auch seniorengerechte Wohnungen in Zentrumsnähe sind wichtig, denn der Bedarf wächst.“

Als familienfreundliche Gemeinde ist in Jork in der Vergangenheit viel investiert worden. Der aktuelle Schuldenstand von knapp 10 Millionen Euro resultiert zum großen Teil aus den Sanierungen des Schulzentrums und der Grundschule an der Este, sowie Klima- und Brandschutz für die Oberschule. Ein neuer Kindergarten wurde gebaut und die Erweiterung des Betreuungsangebotes ist abgeschlossen. Dennoch muss aus Huberts Sicht weiterhin daran gearbeitet werden, die Angebote von Krippen, Kitas, Schule und Hort zu sichern. In der kommenden Legislaturperiode steht in diesem Zusammenhang der Bau einer neuen Sporthalle für die Grundschule „Am Westerminnerweg“ auf der Agenda.

Neben der Landwirtschaft ist der Tourismus ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für das Alte Land. „Beim Tagestourismus sind wir gut aufgestellt. Unser Tourismusverein leistet sehr gute Arbeit. Dennoch haben wir Nachholbedarf bei den Übernachtungsgästen. Wir müssen in der kommenden Zeit darüber nachdenken, wie wir die Rahmenbedingungen für den Tourismus im Alten Land verbessern.“