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Aus Schülern werden Unternehmer

Schön bunt und kuschelig: Olivia (15) mit einem ihrer selbst genähten Kissen, die die Sommerunternehmerin aus Wilhelmsburg für 3 Euro verkauft

Schön bunt und kuschelig: Olivia (15) mit einem ihrer selbst genähten Kissen, die die Sommerunternehmerin aus Wilhelmsburg für 3 Euro verkauft

Foto: Katharina Geßler / HA

Boss für fünf Wochen: Jugendliche entwickeln in den Ferien eigene Geschäftsideen, verdienen Geld und Lernen fürs Leben.

Wilhelmsburg. Katharina Gessler

„Verzaubere die Welt mit deinen Ideen!“ Genau das rät Kerstin Heuer den Jugendlichen, die mitmachen bei dem Projekt „Sommerunternehmer“ ihres Vereins Futurepreneur. Typisch hanseatisch, wenn auch leicht abgewandelt, ließe sich das so übersetzen: „Nicht lang’ schnacken, einfach machen.“

Die Idee, sich selbst einen Ferienjob zu kreieren, gleichzeitig Boss zu sein und auch noch Spaß zu haben, das hat auch in diesem Jahr wieder 24 junge Menschen, die meisten von ihnen aus Wilhelmsburg und Harburg (14 bis 20 Jahre alt), begeistert.

Die Idee stammt aus Schweden. Mit Gründung des Vereins Futurepreneur hat Kerstin Heuer (50), sie 2012 in Hamburg realisiert: Jugendliche bekommen ein Startkapital von 100 Euro, entwickeln unter professioneller Anleitung eigene Geschäftsideen, bekommen und holen sich Tipps von „richtigen“ Unternehmern und bringen ihre Produkte möglichst gewinnbringend auf den Markt. Zum Beispiel, wie in dieser Woche, mit einem Verkaufsstand im Wilhelmsburger Luna-Center.

Die Teilnahme an dem Projekt ist geregelt durch einen Vertrag, den die Jugendlichen mit dem Verein schließen. Darin verpflichten sie sich unter anderem ein Kassenbuch zu führen, das belegt, was mit dem von der HIT-Stiftung zur Verfügung gestellten Startgeld geschieht, und ein Unternehmertagebuch. Was die Jungunternehmer während des Projektes einnehmen, gehört ihnen.

Während der sogenannten Kick-Off-Woche geht es dann um nicht weniger, als dass jeder einzelne erkennt, was in ihm steckt. Das geschieht mit Kreativitätsübungen. Ein Beispiel: Stell dir vor, du sitzt in einem Flugzeug, das sich plötzlich auf den Rücken dreht - was denkst du? Jeder Geistesblitz ist willkommen, nichts lächerlich: „Der Kopf muss offen sein“, sagt Kerstin Heuer.

Die Ideen der jungen Sommerunternehmer, ihre Kreativität und das Durchhaltevermögen, das die meisten an den Tag legen, überrascht Kerstin Heuer immer wieder. Da sind zum Beispiel Farida und Mary, beide 16. Sie haben Charaktere erfunden, deren Konterfei auf Karten gedruckt und Geschichten für sie erdacht. Sie gehen in Parks oder Senioreneinrichtungen, die Menschen dort suchen sich eine Karte aus und die Mädchen lesen ihnen die dazugehörige Geschichte vor. „Was die Zuhörer dafür zahlen, überlassen wir ihnen“, sagt Farida.

Dann ist da Özdem (20). Ihre Begeisterung ist so groß, dass sie schon zum zweiten Mal mitmacht. „Vorher war ich total schüchtern“, sagt sie. Das hat sich gründlich geändert: „Man lernt auf Leute zuzugehen, sonst hat man keine Chance, was zu verkaufen.“ Das Ganze hat für sie einen wunderbaren Nebeneffekt: „Ich habe durch das Projekt erst gemerkt, was ich alles kann.“ Ihre Geschäftsidee funktioniert jedenfalls: Sie näht nicht nur verzierte Einkaufstaschen aus Baumwolle, sondern fertigt aus Kordeln Armbänder, deren Verschluss ein Anker ist. Zehn haben schon Abnehmer gefunden. Die 30 Euro, die sie eingenommen hat, investiert sie in Material für die nächsten: „Ich muss noch reichlich Aufträge abarbeiten.“

Fast 100 Euro hat auch Nerissa (14) schon mit dem Verkauf von Postkarten verdient. Alles, was sie zu deren Herstellung braucht, ist eine App und ein Drucker. Nicht zu vergessen: ihr Talent fürs Zeichnen. Was ihren Ehrgeiz zusätzlich befeuert, ist ihr großer Wunsch: „Ich möchte mir irgendwann ein Zeichentablet kaufen.“ Denn das steht für sie seit diesem Sommer fest: „Irgendetwas in dieser Richtung will ich auch beruflich machen.“

Auch Yasin (16) sieht seinen Weg klar vor sich. Er bietet seine Dienste als Personaltrainer an. Wie das aussieht, davon kann sich jeder selbst einen Eindruck verschaffen. Auf der Facebook-Seite von Futurepreneur zeigt er in einem Video, was er so alles drauf hat.

Zum Abschluss des Projektes gibt es für alle Sommerunternehmer ein Di­plom. Übergeben wird es ihnen am Dienstag, 30. August, 16 Uhr, während einer Feierstunde in der Hamburger Handelskammer.

Wer Interesse an den Produkten bzw. Angeboten der Sommerunternehmer hat, wendet sich an: luisa.graeve@futurepreneur.de