Harburg
Jugend liest für Jugend

Das ist die Preisträgerin des 45. Buxtehuder Bullen

Die Jury besteht aus elf Jugendlichen und elf Erwachsenen

Die Jury besteht aus elf Jugendlichen und elf Erwachsenen

Foto: HA

Der mit 5000 Euro dotierte Jugendliteraturpreis geht an Victoria Aveyard mit ihrem Roman „Die Farben des Blutes: Die rote Königin“.

Buxtehude.  „Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen.“ Schon Franz Kafka wusste um die Wirkung guter und fesselnder Literatur. Das beste 2015 erschienene Jugendbuch wurde Dienstagabend im Rahmen des alljährlich stattfindenen Buxtehuder Bullen im Stieglitzhaus gekürt. Der Jugendliteraturpreis für das Jahr 2015 ging an die US-Amerikanerin Victoria Aveyard mit ihrem Roman „Die Farben des Blutes: Die rote Königin“, der im Carlsen Verlag erschienen ist.

Der Buxtehuder Bulle erfreut sich einer langen Tradition. 1971 von dem Buxtehuder Buchhändler Winfried Ziemann initiiert, feierte der Preis dieses Jahr 45-jähriges Bestehen. Die damalige Motivation ist auch heute noch dieselbe: Jugendliche zum Lesen anzuregen sowie die Verbreitung guter Jugendbücher zu fördern. Geändert hat sich jedoch das Ausmaß des mit 5000 Euro dotierten Preises. „Während wir vor sieben Jahren noch alle zusammen um einen kleinen Tisch saßen und später sogar die Stadtbibliothek zu klein wurde, findet die Bekanntgabe des Preises nun zum dritten Mal in Folge im Stieglitzhaus statt. Das Interesse am Buxtehuder Bullen wächst stetig“, freut sich Ulrike Mensching, Bibliotheksleiterin sowie Hauptorganisatorin.

150 Menschen hatten sich im Stieglitzhaus versammelt. Der Buxtehuder Bulle spricht eine breite Menge an. Dies liegt vor allem an dem besonderen Auswahlverfahren der Auszeichnung, die das Gegenstück zum Deutschen Literaturpreis darstellt. Die Jury setzt sich aus elf Jugendlichen sowie elf Erwachsenen zusammen. Vier der Erwachsenen kommen aus ganz Deutschland, sieben aus dem Buxtehuder Umkreis. Alle Jurymitglieder werden per Losverfahren bestimmt. Katja Oldenburg Schmidt, Buxtehudes Bürgermeisterin, die durch den Abend führte, erklärte den Vorteil dieses Verfahrens: „Um eine gute Schnittmenge zu erzielen, sollen nicht nur Germanisten oder Literaturwissenschaftler in der Jury sitzen.“ Seit Anfang des Jahres haben alle 22 Jurymitglieder die acht nominierten Jugendbücher gelesen und bewertet. Dabei stellten sie ihre fünf Favoriten in einer Rangliste auf. Das Einmalige an dem Preis ist die Ausrichtung auf die junge Generation. Jugendliche bewerten ein Buch für Jugendliche.

Dieses Konzept hat auch Luzie Brinkmann überzeugt: „Beim Buxtehuder Bullen können Jugendliche so viel mitentscheiden. Das finde ich toll.“ Die 17 Jahre alte Schülerin ist bereits zum zweiten Mal Jurymitglied. Auch, dass man Bücher lese, die man sonst zu Hause nicht im Regal stehen habe, sei eine unerwartet gute Erfahrung gewesen. Konfrontation, Auseinandersetzung – genau darum geht es beim Lesen. Bücher eröffnen unbegrenzte Möglichkeiten. Der Leser reist zum Beispiel durch verschiedene Länder, Zeiten und Perspektiven.

Dies haben die Jurymitglieder bei den insgesamt 3144 zu lesenden Seiten gemacht. Schließlich konnte die Bürgermeisterin den endgültigen Sieger des Bullen bekanntgeben. „Die Farben des Blutes: Die rote Königin“ konnte sich ganz knapp vor dem von den Erwachsenen favorisierten „Scherbenmädchen“ von Liz Coley durchsetzen.

Aveyards Fantasieroman erzählt die Geschichte der jungen Mare, die eine Rebellion gegen die Elite ihres Landes organisiert. Auch Lea Backhaus (15) hatte für Aveyard gestimmt: „Ich war einfach von der ersten Seite an gefesselt, die packende Geschichte habe ich an nur einem Nachmittag gelesen. Und das Ende hat mich total erstaunt!“

Die 26 Jahre alte Autorin aus dem Bundesstaat Massachusetts folgt etwa Alexander Sutherland Neill, der mit „Die grüne Wolke“ den ersten Bullen gewann. Neben dem Preisgeld darf sie sich auf die begehrte Bullenplastik freuen. Die Preisverleihung findet voraussichtlich im Oktober statt.