Harburg
Kultur

Buchholzer Empore feiert Silber-Jubiläum

Kinder spielen am Brunnen vor der Empore in Buchholz. In diesem Jahr feiert das Kulturzentrum 25-jähriges Bestehen

Kinder spielen am Brunnen vor der Empore in Buchholz. In diesem Jahr feiert das Kulturzentrum 25-jähriges Bestehen

Foto: Anima Berten

Das Veranstaltungszentrum ist seit 25 Jahren eine feste Größe im Kulturkalender der Region. Die anfänglichen Proteste sind verstummt.

Buchholz.  „Da hinten haben sie gestanden und demonstriert!“ Jürgen Kempf sitzt auf der Terrasse am Empore-Teich und zeigt in Richtung Fußgängerzone. Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, dass das Buchholzer Veranstaltungszentrum Empore, mitten in der Innenstadt gelegen, einmal auf massiven Widerstand gestoßen war. Kempf ist seit 40 Jahren FDP-Ratsherr im Buchholzer Stadtrat und hat sich seinerzeit für die Realisierung des „Ratssaals“ – so der Arbeitstitel – stark gemacht. Sonst würde am kommenden Wochenende (26.8.) wohl nicht das 25-jährige Bestehen des Hauses gefeiert, das schon längst weit über Buchholz hinaus eine Größe ist.

Das Haus, das heute aus einem modernen Veranstaltungssaal im Obergeschoss und einem Restaurant im Erdgeschoss besteht, war ursprünglich als Verwaltungssitz mit Ratssaal konzipiert worden. Damals war Hans-Heinrich Schmidt (CDU) ehrenamtlicher Bürgermeister. Seine Fraktion und die FDP hatten zusammen die dünne Mehrheit von einer Stimme. Die ursprüngliche Idee war, eine von der Verwaltung genutzte weiße Villa durch einen Rathaus-Neubau zu ersetzen. „Die Villa war baufällig, eines Tages stürzte ein Tresor, der im Obergeschoss stand, durch die Decke“, erzählt Kempf. Eine Bürgerinitiative wollte das „weiße Rathaus“ erhalten, doch der Rat stimmte für den Abriss. Die Bürgerinitiative wollte daraufhin das Gelände zur Wiese machen. Zumal das Rathaus schließlich an der Hamburger Straße, unter Einbindung des alten Schulgebäudes, gebaut wurde.

Die Ratsherren von CDU und FDP hatten dann die Idee, am Platz der heutigen Empore ein Veranstaltungszentrum mit Ratssaal zu bauen, den so einen Saal sah der Bebauungsplan vor. Doch die SPD-Fraktion lehnte dies ab. Auch aus der Bevölkerung gab es Widerstand. Die Argumente reichten von „brauchen wir nicht“ über „zu teuer“ bis zu „völlig falscher Standort“. An den Kosten scheiterte in der entscheidenden Ratssitzung das Projekt zunächst: Ein CDU-Ratsherr stimmte deswegen dagegen.

Jürgen Kempf aber war seinerzeit vom Projekt „Ratssaal“ überzeugt. „Ich habe dann mit einzelnen SPD-Ratsmitgliedern lange Gespräche geführt. Auch in der Kneipe beim Bier. Einige von ihnen habe ich letztendlich umgestimmt. Zugleich musste ich auch die CDU bei Laune halten“, sagt er rückblickend. Schließlich, am 26. April 1988, gab der Rat dann seinen Segen. Für einige SPD-Ratsmitglieder hatte dies allerdings die Spätfolge, dass sie bei der folgenden Kommunalwahl nicht wieder aufgestellt wurden.

Nun ging es an die Detailplanung, begleitet von kritischen Anmerkungen und Skepsis. „Wir haben uns extra in Frankfurt die beweglichen Podesterien angeschaut“, sagt Kempf, der nachher erster Aufsichtsratsvorsitzender der Empore wurde. „Damit war es möglich, den gesamten Boden abschnittsweise und je nach Bedarf auf unterschiedliche Höhen zu bringen – eben bei Tanzveranstaltungen oder gestaffelt bei Theatervorstellungen etwa. Die automatischen Podeste waren aber zu teuer, wir entschieden uns für die manuell bedienbaren. Auch da hieß es von vielen Seiten ,das klappt doch nie!’“

Auch optisch war die Empore nicht jedermanns Geschmack. „Die einen mochten die gelben Backsteine nicht, die anderen die türkisfarbenen Stühle und Vorhänge“, erinnert sich Kempf. Der Versuch, aus dem Saal „eine Art Winterhuder Fährhaus“ zu machen, kam nicht gut an. Doch am 7. September 1991 wurde schließlich die Einweihung gefeiert. Mit Rednern, die sich freuten: „Endlich is dat vörbi mit dat Klappsteuhlopstellen!“, mit Darbietungen aus Buchholz und der damals einzigen Partnerstadt Canteleu. Und mit Schnittchen im Restaurant. Dass dies auch noch eine schwierige Sache werden würde, war damals noch nicht sofort klar. Nach mehreren glücklosen Versuchen konnte erst Allan Lim sich dauerhaft als Gastronom etablieren.

Eine der ersten Veranstaltungen in der Empore war ein Konzert mit Klaus Lage und Band. „Damals kamen 1200 Leute. Das gab erstmal Ärger mit dem Ordnungsamt wegen Überfüllung“, erinnert sich Jürgen Kempf.

Es lief also nicht alles gleich rund, aber eines doch: Der bei der Planung veranschlagte städtische Zuschuss von einer Million D-Mark ist bis heute gleich geblieben – nun sind es 500.000 Euro. Dass dies Niveau trotz allgemeiner Kostensteigerung gehalten werden konnte, liegt an der immer besseren Auslastung des Hauses. Nicht nur die Zahl der Veranstaltungen ist in 25 Jahren stetig gestiegen, sondern auch die Zahl der Zuschauer, insbesondere die Zahl der Abonnenten.

Mit verantwortlich dafür ist auch der aktuelle Geschäftsführer Onne Hennecke, seit nunmehr neun Jahren im Amt. „Die Geschichte der Empore ist ein gutes Beispiel dafür, auch mal Mut zu haben“, sagt er. „Wenn ein Projekt von soviel Streit begleitet wird, muss man diejenigen loben, die es gegen Widerstände durchgesetzt haben.“ Im Laufe der Zeit hat er an vielen kleinen Schrauben gedreht, etwa für mehr Aufenthaltsqualität im Foyer gesorgt, Zuschauerbefragungen durchgeführt, den Online-Kartenverkauf eingerichtet. Das Programm wartet heute mit Theater, Musical, Kabarett und Comedy, Tanz und auch mal Sport auf. Trotzdem ist die Empore, sich selbst treu bleibend, auch ein Haus, das Buchholzer Initiativen und Vereine nutzen können. Und die Architektur? War nur wenige Jahre später Vorbild für ein weiteres Gebäude: die DRK-Rettungswache in Lindhorst sieht aus wie die Empore in klein.

Und einige Zuschauer sind „ihrer“ Empore von Anfang an treu: So hat Ellen Meyer eine Collage aus all ihren Abo-Karten gebastelt, sogar ein Foto vom „Weißen Rathaus“ ist darauf. Auch der ehemalige Bürgermeister Hans-Heinrich Schmidt zählt zu den Abonnenten der ersten Stunde. Sie und alle anderen, die seit 1991 als Abonnenten dabei sind, werden zu einer Vorstellung mit Volker Lechtenbrink am 18. November eingeladen.

Am Freitag, 26. August, wird das Jubiläum mit der – ausverkauften – Open-Air-Aufführung der Oper „Nabucco“ gefeiert. Vorher gibt es in der Empore selbst einen Festakt. Ab Sonntag, 4. September, ist in der Buchholz-Galerie eine Ausstellung mit Fotos und Plakaten aus 25 Jahren Empore zu sehen.