Harburg
Versandhändler

Neues Zentrum: Amazon will nach Luhdorf

m Winsener Gewerbegebiet Luhdorf

m Winsener Gewerbegebiet Luhdorf

Foto: Rolf Zamponi / HA

Die Entscheidung soll morgen fallen. Der amerikanische Versandhändler könnte 1500 Arbeitsplätze für die Region schaffen.

Winsen.  Es ist eine einmalige Chance für Winsen. Der US-Versandhandelsriese Amazon mit einem Umsatz von mehr als 100 Milliarden Dollar will in der Kreisstadt, im Gewerbegebiet Luhdorf, ein Logistikzentrum errichten. Die abschließende politische Entscheidung für die Ansiedlung soll am Donnerstagabend im Verwaltungsausschuss der Stadt fallen. Denn das Unternehmen wünscht noch Veränderungen im Bebauungsplan. Bürgermeister André Wiese (CDU) empfiehlt deutlich ein positives Votum. „Eine Ansiedlung in dieser Größe von einem weltweit tätigen Unternehmen haben wir in Winsen bisher nicht gesehen“, sagte er dem Abendblatt.Amazon möchte im September 2017 den Betrieb eröffnen.

Ohne Zweifel könnte die Stadt gleich mehrfach von dem neuen Zen­trum profitieren, für das die vom Logistik-Riesen IDI Gazeley neu errichteten Hallen vorgesehen sind. Wichtigster Punkt sind dabei die von Amazon erwarteten 1500 ständigen Arbeitsplätze, die zu den Hauptgeschäftszeiten wie etwa zu Weihnachten auf bis zu 3000 ansteigen könnten. Durch ihre Beschäftigung würden diese Menschen zusätzliche Kaufkraft in die Stadt bringen.

„Amazon würde zudem in der Stadt Gewerbesteuer zahlen“, sagt Wiese. Deren Höhe richtet sich nach dem Gewinn sowie nach der Entgeltsumme der Angestellten vor Ort. Zu den Lagerarbeitern und Kommissionierern würde Amazon in Winsen auch 150 Bürokräfte und
50 technische Facharbeiter einstellen. Die neuen Jobs dürften nicht nur von Winsenern besetzt werden, denn die Arbeitslosenquote ist dort mit gut vier Prozent gering. So würden von der Ansiedlung auch Menschen aus dem Umland eine neue Chance erhalten.

„Mit Amazon werden mehr Jobs entstehen und weniger Verkehr aufkommen, als bei der Vermarktung der Hallen an verschiedene Logistiker und Handwerker“, sagte Winsens Bürgermeister. Dazu kommt: Um die Autos der Beschäftigten gut und sicher abstellen zu können, will die Stadt zunächst 4500 Quadratmeter für neue Parkplätze an die Amerikaner verkaufen.

Bei einem Quadratmeterpreis von 55 Euro erhält die Stadt daraus 247.500 Euro. Zusätzlich könnte der US-Versandhändler für diesen Zweck weitere 8300 Quadratmeter erwerben. Dann kämen beim gleichen Verkaufspreis noch einmal 456.500 Euro hinzu. Mit dem Angebot von Parkplätzen soll nicht nur Raum für die Amazon-Crew geschaffen werden, sondern auch vermieden werden, dass der Verkehr von bereits ansässigen Betrieben durch parkende Wagen von Mitarbeitern aus den einzelnen Arbeitsschichten behindert wird.

Für das Gewerbegebiet Luhdorf plant die Stadt ohnehin eine bessere Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Für Buslinien gibt es aber noch keinen festen Plan. So wird Amazon bei diesem Thema zunächst selber Angebote machen müssen. „Zum Beispiel mit einem Shuttle-Service“, sagte Wiese. Dies sei den Amerikanern bereits bekannt.

Der Bürgermeister macht aber auch deutlich: Wird am Donnerstag im nicht öffentlichen Ausschuss nicht entschieden oder stimmen die Politiker gegen die Befreiungen vom Bebauungsplan, dürften sich die US-Amerikaner neu orientieren. „Es gibt keine zweite Chance. Dann ist die Tür zu“, sagte Wiese.

Im Einzelnen geht es am Donnerstagabend neben dem Flächenverkauf um drei weitere Fragen. So soll bei der Höhe der Bauten statt 15 Meter bis zu 17,50 Meter möglich werden. Eine Ausnahme, die auch schon für das Lager von Dedon, den Lüneburger Hersteller von Outdoor-Möbeln, genehmigt wurde. Die Stadtverwaltung hält es zudem „aus städtebaulicher Sicht für vertretbar“, das nicht 80 Prozent, sondern insgesamt 83 Prozent des Logistik-Terrains bebaut sein werden. Für die versiegelten öffentlichen Grünflächen wird IDI Gazeley zudem einen Ausgleich zahlen. Dessen Höhe wird derzeit noch bilanziert.

Da die Entscheidung noch aussteht, äußerte sich IDI Gazeley am Dienstag zurückhaltend. „Wir haben eine große Anfrage eines Interessenten, die wir konkret behandeln“, sagte der zuständige Projektleiter Simon Federau, dem Abendblatt. Auf eine Anfrage bei Amazon gab es am Dienstag vorerst noch keine Antwort. Das Interesse des Unternehmens an einer Ansiedlung gilt aber als sicher.

Denn mit dem Standort in Winsen würde sich Amazon auch im Norden Deutschlands mit einem Logistik-Zentrum etablieren. Bislang steht die nördlichste Anlage der neun Zentren an acht Standorten in Brieselang bei Berlin. In Winsen würde der Versandhändler nun dicht an die Autobahn 39 heranrücken.

Fällt die Entscheidung im Verwaltungsausschuss für Amazon aus, ist für den folgenden Freitag ein weiterer Termin geplant. Dazu würden sich Vertreter der Stadt vom Vermieter IDI Gazeley und von Amazon treffen. Sie wollen dann das weitere Verfahren für die Baugenehmigung besprechen.