Harburg
Modernisierung

Bahnstation Heimfeld verkommt

Am S-Bahnhof Heimfeld ist die Deckenverkleidung entfernt, Kabel hängen herunter.

Am S-Bahnhof Heimfeld ist die Deckenverkleidung entfernt, Kabel hängen herunter.

Foto: Bastian Küsel / HA

Die Angekündigte Sanierungsarbeiten am S-Bahnhof laufen bereits seit Februar – und scheinen jetzt stillzustehen

Heimfeld.  „Modernisierung der technischen Ausrüstung im Interesse unserer Kunden“: Seit mehreren Monaten kündigen Plakate der Deutschen Bahn im Heimfelder S-Bahnhof Baumaßnahmen an. Regelmäßige Nutzer fragen sich allerdings: Wann werden diese fraglos begonnenen Arbeiten fertiggestellt? Versprochen wird dies für das dritte Quartal 2017. Doch von Bauarbeiten ist längst nichts mehr zu sehen.

Bereits im Frühjahr wurde die gesamte Deckenverkleidung in der Tunnelstation abgenommen. Seitdem haben die Fahrgäste freie Sicht auf die unverputzten Wände und freiliegenden Kabel. Diese liegen, entlang der Gleise und im Bereich der Bahnhofspassage, frei und ungeschützt vor Nässe, Schmutz oder Fremdeinwirkung.

Laut Deutsche Bahn handelt es sich dabei um „brandschutztechnische Ertüchtigungen der Station“. Neben neuen Evakuierungs- und Brandmeldeanlagen, soll die Beleuchtungsanlage erneuert werden. Am 13. bis 14. Februar 2016 hatten Arbeiter die Deckenverkleidung im gesamten Bahnhof abgenommen. In dieser Zeit musste Bayram Çiecek seinen Obstladen in der Unterführung schließen. „Letzte Woche haben sie die losen Kabel zusammengelegt und provisorisch befestigt. Etwa ein Mal pro Woche kommt jemand zur Kontrolle und schießt Fotos. Das war’s“, sagt der Verkäufer. Die Maßnahmen werden offensichtlich recht schleppend umgesetzt.

„Das ist ein Bahnhof um den sich niemand mehr kümmert. Heimfeld ist vergessen worden“, fügt der Verkäufer hinzu. Ähnlich sehen es auch zwei Mitarbeiter, die in einem angrenzenden Geschäft tätig sind. „Im Februar haben sie mit den Arbeiten begonnen und daraufhin lange pausiert. Insgesamt wurde hier zwei Mal gearbeitet. Jetzt sieht es so aus, als würde das hier so bleiben, wie es ist“. Diese Befürchtung haben auch Passanten, die regelmäßig die Haltestelle nutzen. „Der Bahnhof muss freundlicher gestaltet werden. Hier sieht es aus wie in der ehemaligen DDR“, sagt Andreas Gottschalk. Auch sein Freund Herbert Penning beschwert sich über den Zustand der Station: „Ich habe mich schon mehrfach schriftlich bei der S-Bahn über den Zustand der Station beschwert. Auch wegen des Schmutzes und Gestanks. Bisher hat niemand reagiert.“

Nicht nur die losen Kabel stellen ein Problem dar. „Die Rolltreppen fahren nur in Ausnahmefällen und an manchen Tagen möchte man einen Mundschutz tragen, so scheußlich riecht es hier“, sagt Jutta Wohl. Seit drei Jahren nutzt die Selbstständige die Station regelmäßig. Auch die Lichtinstallation sieht alles andere als sicher aus. „Heimfeld ist wie ein Waisenkind. Es hat keine Eltern mehr“, sagt Erna Dorofeeva, eine Passantin an der S-Bahn-Haltestelle.

Dabei wirbt die Deutsche Bahn gerade für das groß angelegte Projekt „Zukunft Bahn“ und verspricht Modernisierungsarbeiten und Auffrischung von zehn Tunnelstationen der Hamburger S-Bahn. Dazu gehört auch Heimfeld. Die Maßnahmen sollen innerhalb der nächsten vier Jahre umgesetzt werden. Am Jungfernstieg haben die Bauarbeiten kürzlich begonnen. Wann auch die Harburger S-Bahnstation dran ist, weiß scheinbar niemand genau. „Einen Zeitpunkt für die Installation der Deckenverkleidung kann derzeit nicht genannt werden“, sagt Sabine Brunkhorst, Sprecherin der Bahn. Die Maßnahmen am Heimfelder Bahnhof hätten nichts mit der angekündigten „Zukunft Bahn“-Initiative zu tun. Ob die Station Heimfeld gleich in einem Rutsch umfassend renoviert wird, scheint allerdings fraglich. Brunkhorst: „Ob und wie die Aktion Zukunft Bahn mit den Arbeiten verknüpft werden können, ist Bestandteil der derzeit laufenden Planungen.“