Harburg
Traumjob

Ein Selfie mit Angelique Kerber

Kurz vor dem Abflug nach Hause traf Hanna Angelique Kerber, die die Silbermedaille im Tennis gewonnen hat

Kurz vor dem Abflug nach Hause traf Hanna Angelique Kerber, die die Silbermedaille im Tennis gewonnen hat

Foto: Hanna Günther / HA

Hanna Guenther aus Klecken ist bei den Olympischen Spielen den Stars ganz nah – ein Tagebuch der aufregenden Tage in Rio.

Rio de Janeiro.  Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro neigen sich dem Ende zu. Mittendrin ist Hanna Guenther aus Klecken. Die 19-Jährige eine der vielen freiwilligen Helferinnen, die sich im Olympischen Dorf darum kümmern, dass es den Athleten an nichts fehlt. Hanna hatte Glück und wurde dem deutschen Team zugeteilt. Geld bekommt sie übrigens für ihren Einsatz nicht, aber die Begegnung mit Menschen aus aller Welt und die Nähe zu den Spitzensportlern aus ihrer Heimat sind für sie Lohn genug. Inzwischen ist sie voll mit dem Olympiavirus infiziert.

„Es gibt so viele tolle Wettkämpfe, die ich hier schon miterleben durfte, aber das Highlight bisher war die Begegnung mit Angelique Kerber. Ich war gerade im Olympischen Dorf unterwegs und zeigte einem Sponsor das Wohnquartier der deutschen Athleten. Auch Angelique Kerber hat die ganze Zeit hier gewohnt. Darüber haben wir uns sehr gefreut, vor allem weil sie eine der besten Tennisspielerinnen der Welt ist und trotzdem keine Extrawurst haben wollte. Anders als zum Beispiel der jamaikanische Topläufer Usaine Bolt. Der ist gleich ins Hotel gezogen, der Rummel hier u

m seine Person war ihm wohl zu viel.

Angelique Kerber stand also mit Sack und Pack vor dem Deutschen Haus und wartete auf den Shuttle, der sie zum Flughafen bringen sollte. Ich wollte sie schon die ganze Zeit nach einem Autogramm fragen, aber so lange sie noch im Wettkampf war, habe ich mich nicht getraut, sie anzusprechen. Als ich sah, dass sie abreisen wollte, habe ich mir ein Herz gefasst und sie nach einem Selfie gefragt. Sie war supernett. Man hat Angelique aber schon angemerkt, dass sie enttäuscht darüber war, dass sie nicht Gold, sondern Silber geholt hat. Richtig cool fand ich, dass wir Volunteers im Deutschen Haus die Tennisbälle geschenkt bekommen haben, mit denen Kerber im Finale gespielt hat.

Ich verdiene als Volunteer zwar kein Geld, aber dafür konnte ich schon sehr viele Wettkämpfe hautnah miterleben. Mit dem Chef der deutschen Delegation war ich inzwischen mehrere Male unterwegs.

Eine Sportart, mit der ich vorher noch nie was zu tun hatte, ist das Säbelfechten. Unsere Jungs, Max Hartung und Matyas Szabo haben alles gegeben, sind aber leider schon früh ausgeschieden. Das Wertungs- und Punktesystem fand ich ziemlich kompliziert, aber netterweise hat der Präsident des Deutschen Fechtverbands versucht, das ganze zu erklären. Alles hab ich aber trotzdem nicht verstanden.

Zu den Fechtwettkämpfen konnten wir nur gehen, weil das Wetter so schlecht war und die Rennen der Ruderer verschoben werden mussten. Das ist hier momentan schon ein bisschen verrückte Welt. Denn es ist für brasilianische Verhältnisse ziemlich kalt und es regnet sogar. Obwohl wir hier Winter haben, ist das sehr ungewöhnlich, eigentlich ist es hier immer warm.

Am nächsten Tag waren die Bedingungen besser und ich durfte dabei sein, als unsere Ruderer gleich zweimal Gold gewonnen haben. Die Wege hier sind weit, eine Stunde haben wir gebraucht, bis wir an der Lagoa waren, wo die Rennen stattfanden. Wir hatten Tribünenplätze und konnten von dort die deutschen Jungs und später die Mädels anfeuern. Danach war die Freude riesengroß und die Sportler haben eine richtige Party gefeiert. Ich bin wirklich glücklich, dass ich das miterleben darf.

Abends bin ich dann noch zum Finale im Kunstturnen der Frauen gefahren. Dafür habe ich gerade noch eine Karte ergattern können. Kunstturnen ist in Brasilien sehr populär, über 100 Euro hat das Ticket gekostet. Dafür habe ich dann unglaublich gute Sportlerinnen gesehen, für mich, die selbst mal geturnt hat, war das sehr beeindruckend. Toll war, wie sehr das Publikum mitging. Allerdings ist mir aufgefallen, dass die Brasilianer ganz schön parteiisch sind. Da werden die Konkurrenten der eigenen Sportler schon mal ausgebuht. Das finde ich ziemlich unsportlich und es passt auch nicht zum olympischen Gedanken, finde ich.

Schade ist, dass bei den nicht so angesagten Sportarten die Zuschauerränge oft leer sind. Ich denke, das liegt an den hohen Kartenpreisen. Für eine Qualifikation zahlt man zwar nur um die 15 Euro, aber je weiter es in Richtung Finale geht, desto höher sind die Preise. Hier gibt es eine schwere Wirtschaftskrise, ich glaube viele Leute würden gern zu den Wettkämpfen hingehen.“

Was Hanna zum Abschluss der Spiele in Rio erlebt, berichtet sie in einer letzten Folge hier in der Regionalausgabe des Abendblatts.