Harburg
Ein Lied für Harburg

Sie singen den „Harburg Song“ als Gospel

Foto: privat / HA

Der Harburger Gospelchor pflegt Kontakte nach New Orleans. Mit der Teilnahme an der Abendblatt-Aktion zeigt der Chor seine Heimatliebe.

Er wird diesen Auftritt im Jahr 1978 nie vergessen. Denn diese Erfahrung hat ihn und sein Tun geprägt bis zum heutigen Tag. Wenn Rainer Gebauer von damals erzählt, beginnen seine Augen zu leuchten. Sommer 1978. Rainer Gebauer ist damals 15 Jahre alt. Er ist zu Gast in den USA und singt mit seinen Chorfreunden als erster weißer Gospelchor vor James Cleveland, dem damaligen Präsidenten des Gospel Music Workshop of America.

Fast 40 Jahre ist das her. Seitdem ist Gebauer mit dem Gospelvirus infiziert. Und dieser ist ansteckend. Wer Chorleiter Gebauer und seinen Harburger Gospelchor einmal live erlebt hat, wird das bestätigen. Wenn die 30 Mitglieder des vierstimmigen Chores, der in der Bugenhagengemeinde in Rönneburg seine Wurzeln hat, ihre Songs anstimmen, ist Gänsehautfeeling garantiert.

Auf dem Programm, das nicht nur bei Hochzeiten, Konfirmationen oder Taufen in der Kirche zu hören ist, sondern auch viermal im Jahr bei den Gospelmessen, beim Konzert in der Johanniskirche an der Bremerstraße oder beim Erntedankgottesdienst in der Paulus-Gemeinde, stehen vor allem Stücke, die Rainer Gebauer komponiert hat, aber auch gängige Songs.

„Denn wenn man das Original singt, kann man nicht verglichen werden“, scherzt der 60 Jahre alte Musiker, der regelmäßig in die USA reist, um beim Gospel-Workshop in New Orleans seine Songs einzureichen und sich Inspirationen zu holen.

Sein Engagement passt zum Harburger Gospelchor, der vor allem eines sein möchte: professionell. Die Ansprüche an die Sänger sind hoch, der Ehrgeiz jedoch keinesfalls krankhaft. Jeder Sänger bringt Chorerfahrung mit. „Wer mitsingen möchte, sollte eine Stimme haben, die zur Musik passt. Und er sollte den Ton halten können“, sagt Chormitglied Ulf Kronshage. Einmal im Monat gibt es ein Probesingen für Neueinsteiger. „Für Menschen, die mit Herz amerikanischen Gospel singen möchten“, so Kronshage. Er selbst ist 1996 zum Harburger Gospelchor dazugestoßen. Damals stand der Chor noch in den Kinderschuhen. Christian Gabriel, Kirchenmusiker der Bugenhagengemeinde, hatte ihn ein Jahr zuvor spontan zum Evangelischen Kirchentag gegründet.

Eigentlich sollte es das gewesen sein. Aber die Sänger hatten so viel Spaß, dass sie beschlossen, weiterzumachen. Als es Gabriel beruflich nach Süddeutschland verschlug, folgte Thomas Faßnacht. Er blieb zehn Jahre. „Doch wie auch eine Fußballmannschaft regelmäßig einen neuen Trainer braucht, um sich weiterzuentwickeln, braucht das auch ein Chor“, da sind sich die Sänger einig.

Zwei Jahre konnte Uwe Heynitz, Kantor der Auferstehungsgemeinde in Marmstorf, verpflichtet werden. Mit ihm erhielt der Pop Einzug in den Gospelchor. Und jetzt Gebauer, der die amerikanischen Einflüsse nach Harburg brachte. Er ist Lehrer, lebt und arbeitet in Ahrensburg. Jeden Mittwoch fährt er nach Harburg, um von 20 bis 21.45 Uhr mit seinen Sängern zu üben. Steht ein neues Stück auf dem Programm, setzt sich Gebauer ans Klavier und singt es vor. Jede einzelne Stimme. Die Sänger lernen die Melodie, indem sie imitieren.

Anschließend wird der Text rhythmisch eingearbeitet. „Das ist wie bei einem Baukastensystem“, sagt Rainer Gebauer. Geübt wird meist ohne Noten. Die Stücke prägen sich durch häufige Wiederholungen ein. Denn das, so Gebauer, habe den Vorteil, dass die Sänger besser aufeinander hören. Gearbeitet wird natürlich auch an der Gesangstechnik und der Bluestonalität.

Zehn Minuten, dann muss der Song stehen – und zwar vierstimmig. Das ist das Ziel des Chors, der sich als original, authentisch und warmherzig beschreibt. „Mit einem großen Zusammenhalt“, sagt Chormitglied Petra Boysen. „Bei uns geht es um das Zwischenmenschliche.“ Auch deshalb passe der Chor so gut nach Harburg. Weil er wie dieser Stadtteil echt sei, nicht gestylt.

Um das Miteinander zu pflegen, geht es einmal im Jahr ins Chorwochenende mit Proben. Vor der Sommerpause wird gegrillt. Und in der Weihnachtszeit im Restaurant gefeiert. Jeden letzten Mittwoch im Monat gibt es außerdem ein Chortreffen der besonderen Art in Harburg, das die Gospelchorsänger als „ihre Heimat, ihre Kleinstadt in der Großstadt“ bezeichnen. Dann wird gemeinsam gegessen, getrunken und gequatscht, nur nicht gesungen.

Infos: www.harburger-gospelchor.de