Harburg
Tostedt

Unfall an der Eisdiele: Wer zahlt den Schaden?

Inhaber Maurice Breda und seine Frau Betty Durigan in der Baustelle

Inhaber Maurice Breda und seine Frau Betty Durigan in der Baustelle

Foto: JOTO

Autofahrer war gegen die Eisdiele Breda in Tostedt gefahren. Zwei lange Sommerwochen ruhte der Betrieb.

Tostedt. Der Schreck saß tief bei Maurice Breda, Inhaber des Eiscafés Breda in der Bahnhofsstraße, und seiner Frau Betty Durigan, als vor zwei Wochen das Leben der beiden gehörig durcheinander geriet. Am letzten Montag im Juli verwechselte ein 82-jähriger Autofahrer Gas und Bremse, beschleunigte und fuhr durch den Außenbereich der Tostedter Eisdiele gegen die Außenwand des Ladens.

Dass sich zu diesem Zeitpunkt keine Gäste im Geschäft oder im Außenbereich aufgehalten haben, war mehr als ungewöhnlich. Der Fahrer war mit leichten Verletztungen in ein Krankenhaus gebracht worden. Für Betty Durigan und Maurice Breda begann an diesem Tag eine Zeit der Ungewissheit – und der entgangenen Einnahmen. Erst am Sonntag haben sie ihre Eisdiele wieder eröffnet.

Die Tragweite des eigentlich kleinen Unfalls hatte am Unglückstag noch keiner richtig erkennen können. Ein Statiker hatte das Gebäude gesperrt. Nur die Betreiber durften in den Laden. Eine Woche arbeiteten Handwerker daran, den Schaden in der Außenwand zu reparieren. Dass der Unfall gerade in der Hochsaison des Eiscafés passiert ist, traf Inhaber Maurice Breda besonders.

Schließlich seien die Sommermonate die umsatzstärksten im Jahr. „Wir waren gerade mitten in der Eisproduktion, als das Unglück passiert ist. Es waren 30 Grad und schönes Wetter. Da haben wir viel Eis produziert”, sagt Breda. Die gesamten Lebensmittel mussten entsorgt werden.

Die gesamten Eiswaren mussten entsorgt werden

Nun ist Breda ist er mit seinem Anwalt im Gespräch darüber, wer den finanziellen Verlust ausgleicht. „Solche Probleme hatten wir noch nie. Darauf kann man sich ja gar nicht vorbereiten“, sagt Breda. Doch nicht nur die finanziellen Verluste schmerzen den Eisdielenbesitzer und seine Frau. Die Eisverkäuferin war in jener Sekunde, als der Autofahrer gegen das Eiscáfe krachte, alleine im Laden.

„Es klang wie ein Bombeneinschlag, als das Auto gegen unseren Laden gefahren ist. Tische und Stühle sind durch den Laden geflogen. Rauch stieg aus dem Wagen auf“, erzählt Betty Durigan. Die Betreiber hoffen, dass die Gäste nach der Reparatur der Eisdiele keine Angst haben, zu ihnen zu kommen. Durigan: „Nach fünf Jahren in Tostedt haben wir nicht mehr nur Kunden, sondern Freunde. Manche Leute kommen fast jeden Tag vorbei.“

In den vergangenen zwei Wochen, in denen das Café geschlossen war, kamen immer wieder Gäste vorbei und machten den beiden Mut. Auch in den sozialen Netzwerken verbreitete sich die Meldung über den Unfall schnell. „Menno ... meine Enkelin wird weinen ...“, schrieb eine Facebook-Nutzerin. W

Wegen solchen Zuspruchs wollten Maurice Breda und Betty Durigan so schnell wie möglich wieder die Türen der Eisdiele aufschließen. Die Handwerker legten sich ins Zeug reparierten den Schaden an der Außenwand innerhalb einer Woche.

„Am Sonnabend war für uns dann der große Putztag“, sagt Betty Durigan. Sie hätten schließlich die komplette Eisdiele wieder vom Schmutz der Bauarbeiten befreien müssen. Doch die Arbeit hat sich gelohnt: Bei 24 Grad und schönstem Sonnenschein fanden viele Tostedter den Weg in die so schmerzlich vermisste Eisdiele.

Auch am Montag sitzen wieder viele Gäste im Außenbereich, als wäre nie ein Unglück passiert. Betty Durigan zeigt in die Ecke, wo das Auto gegen die Wand gefahren ist: „Man sieht jetzt gar nichts mehr vom Schaden. Es sieht sogar fast schöner aus, als zuvor.“ Der Sommer – er kann jetzt also so richtig anfangen.