Harburg
Winsen

Prozessauftakt nach Brandstiftung

Von der Winsener Turnhalle blieb nach dem Brand nur ein Trümmerhaufen

Von der Winsener Turnhalle blieb nach dem Brand nur ein Trümmerhaufen

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Die ehemalige Winsener Turnhalle wurde komplett zerstört. 17 Jahre alter Asylbewerber vor Gericht.

Winsen.  Im Fall der in Brand gesetzten und vollständig zerstörten ehemaligen Turnhalle des MTV Winsen beginnt am Mittwoch der Prozess vor einer Jugendschöffenkammer des Winsener Amtsgerichts. Angeklagt ist ein
17-jähriger Afghane, der im Herbst 2015 als unbegleiteter Minderjähriger nach Deutschland geflüchtet war. Seitdem lebte er mit anderen Geflüchteten in der als Flüchtlingsunterkunft genutzten Turnhalle.

Am 10. April dieses Jahres soll er die Halle, so die Anklage, mithilfe einer selbstgebauten Fackel in Brand gesetzt haben. Den Ermittlungen zufolge brannte zunächst das Bett des jungen Mannes, von dort griffen die Flammen auf die Wandverkleidung über und breiteten sich im gesamten Gebäude aus. Anschließend soll der Beschuldigte die Löschversuche des anwesenden Betreuers und der Polizei behindert haben. So konnte sich das Feuer zeitweise ungehindert ausbreiten – das 150 Jahre alte Gebäude brannte vollständig nieder.

Alle Bewohner der Unterkunft konnten durch die Betreuer der Einrichtung und Hilfskräfte der Polizei sowie Feuerwehr rechtzeitig gerettet werden, so dass bei dem Brand niemand verletzt wurde.

Sieben nahe der Halle geparkte Autos wurden durch die immense Hitze und die Flammen beschädigt. Ebenso entstand an einem Nachbargebäude der Halle des Deutschen Roten Kreuzes ein Schaden. Insgesamt belaufen sich die Kosten laut Staatsanwalt auf 550.000 Euro. Der 17-jährige mutmaßliche Täter soll sich zuvor über die Betreuung und Unterbringungssituation beschwert haben, laut Anklage wohl das Motiv.

Der Afghane wurde noch am Tatort vorläufig festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Bei der richterlichen Vernehmung im sogenannten Haftbefehlsverfahren hat er den Vorwurf der Brandstiftung im Wesentlichen eingeräumt.

Für den Prozess hat das Gericht zunächst fünf Verhandlungstage angesetzt. Mehrere Gutachter und Zeugen sind geladen. Die Verhandlung und die Verkündung des Urteils werden dabei unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, da es sich bei dem Prozess um ein Verfahren gegen einen Minderjährigen handelt.