Harburg
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Freitreppe schmückt die Seevepassage

Die baulich spektakulärste Idee des Siegerentwurfs von Annbau: Eine gewaltige Freitreppe verbindet den Harburger Ring mit der Seevepassage

Die baulich spektakulärste Idee des Siegerentwurfs von Annbau: Eine gewaltige Freitreppe verbindet den Harburger Ring mit der Seevepassage

Foto: ©ANNABAU Architektur und Landschaft GmbH / HA

Preisgericht hat den Sieger aus den besten drei Wettbewerbsentwürfen gekürt. Gewonnen hat das Berliner Büro Annabau.

Harburg.  Architekten, Freiraumplaner und Lichtgestalter haben Ideen entwickelt, die Seevepassage schöner zu gestalten. In einem Gutachterverfahren hat das Preisgericht am Freitag im Rieckhof den Sieger aus den besten drei Wettbewerbsentwürfen gekürt. Gewonnen hat das Berliner Büro Annabau mit seinem Vorschlag, eine gewaltige Freitreppe zu schaffen, um den Harburger Ring mit der Seevepassage zu verbinden. Sie würde aber erst in einem zweiten Schritt geschaffen werden.

Der Siegerentwurf überzeuge mit einer schlüssigen Idee, den öffentlichen Raum spielerisch zu behandeln, sagt Harburgs Baudezernent Jörg Penner. Gemeint ist ein Band aus sieben bis elf Farben zur Fassadengestaltung, das sich über die gesamte Länge der Seevepas­sage erstreckt und ihr eine individuelle Identität verschafft. Diese Idee soll als Erstes Realität werden.

Dabei sollen nicht modische Aspekte die Farbigkeit bestimmen, sondern aus der vorhandenen farbigen Gestaltung der Häuser, Läden und Beläge entwickelt werden. Anwohner könnten daran beteiligt werden, schlagen die Planer vor. Auf diese Weise entstehe die DNA der Seevepassage. Von dieser Idee einer örtlichen DNA ist auch Hamburgs Oberbaudirektor Jörg Walter angetan. Die farbigen Beschichtungen seien wetterfest und würden auch bei starkem Sonnenlicht nicht ausbleichen, heißt es bei der Präsentation.

Ein weiteres wesentliches Merkmal des Konzepts zur Neugestaltung der Seevepassage ist eine Treppe aus Klinkern, die den Seeveplatz zum Seevekanal hin öffnet. Die Berliner schlagen einen Kiosk auf dem Seeveplatz vor, um einen „sozialen Ort“ zu schaffen.

Die Seevepassage stellt zwar eine der wichtigsten öffentlichen Wegeverbindungen im Harburger Zentrum dar. Sie verbindet die Fußgängerzone (Lüneburger Straße) mit dem Einkaufszen­trum Phoenix-Viertel und dem Harburger Bahnhof. Ihr tristes Antlitz wird dieser Bedeutung bislang nicht gerecht. Oft zeigen ich die Fassaden verwahrlost. Annabau hat das Preisgericht zudem mit dem Vorschlag überzeugt, ein neues Gebäude an die Stelle des Harburg Centers zu setzen. Ob das Realität wird, ist offen. Die Idee liefere aber einen guten Ausgangspunkt für weitere Diskussionen, sagt Jörg Penner.

Planer dachten auch an ein mobiles Gartensystem

Der Entwurf des Berliner Büros Annabau wird die Grundlage zur Neugestaltung der Seevepassage bilden. Spannende Ideen haben aber auch die beiden anderen Finalisten des Gutachtverfahrens entwickelt:

Wie einen „Flussraum“ stellen sich die Büros Bruun & Möllers, Blauraum und Lunalicht die Seevepassage vor. Sitzbänke und Fassadengestaltungen aus dem Verbundwerkstoff Corian spielen bei ihrem Vorschlag eine wichtige Rolle. Das bisher aus der Innengestaltung bekannte Material sei mittlerweile im öffentlichen Raum im Kommen. Ein sattes Grün könnte ihrer Ansicht nach Frische und Intensität in die Seevepas­sage bringen.

Der „Mauseloch“ genannte kleine Tunnel von der Seevepassage zum Phoenix-Center könnte mit grünem Corian neu gestaltet werden. Ebenso der Gloria-Tunnel. Nach diesem Entwurf könnte eine Seetreppe den Seeveplatz zum Seevekanal öffnen. Spektakulär ist die Idee, über dem Adese-Markt ein mobiles Gartensystem mit Urban Gardening für Anwohner zu schaffen. Auch nach diesem Entwurf sollte das marode und leer stehende Harburg Center am besten völlig aus dem Stadtbild verschwinden. Blauraum und Bruun & Möllers schlagen einen Neubau vor, der im Erdgeschoss Platz für Gewerbe bietet und auf insgesamt fünf Geschossen Wohnungen.

Der gemeinsame Entwurf der Büros Kraft.Raum, SchaltRaum und Ulrike Brandi hatte versucht, das Preisgericht mit der Idee zu überzeugen, den Seeveplatz in eine Urban Lounge zu verwandeln. Wetterfeste Möbel und Schirme könnten nach diesem Vorschlag die Aufenthaltsqualität erhöhen. Daraus wird nun nichts. Ebenso wenig aus der Idee eines farbigen Wasserspiels auf dem Platz zwischen Gloria-Tunnel und Adese-Markt.

Das Gutachterverfahren hatte im April mit zunächst fünf Entwürfen begonnen. In einem Zwischenkolloqium präsentierten die Planungsbüros die ersten Ergebnisse. Das Preisgericht reduzierte das Teilnehmerfeld anschließend auf die drei Finalisten.

Übrig geblieben ist das Konzept des Berliner Büros Annabau, die Seevepas­sage mit einem mehrfarbigen Streifenmuster zu verändern. Fachleute und Bürger in der Jury seien gleichermaßen davon überzeugt, teilt das Bezirksamt Harburg mit. Annabau stellt seinen Siegerentwurf am 5. September in der nächsten Sitzung des Stadtplanungsausschusses der Bezirksversammlung Harburg vor.