Harburg
Stelle

Schwimmmeister – den Job wollen nur wenige

Schwimmmeister Olaf Rösike ist im Steller Freibad bei seiner Arbeit ganz auf sich allein gestellt

Schwimmmeister Olaf Rösike ist im Steller Freibad bei seiner Arbeit ganz auf sich allein gestellt

Foto: Christiane Tauer / HA

Olaf Rösike hat die Verantwortung im Freibad Stelle und kommt nur zum Mittagessen, wenn alle für 30 Minuten aus dem Wasser gehen.

Stelle.  Um 12.30 Uhr heißt es im Freibad Stelle: Alle raus aus dem Wasser! Schwimmmeister Olaf Rösike macht dann erstmal eine halbe Stunde Mittagspause. Und weil er bis auf einige Aushilfen fast immer die einzige Aufsichtsperson im Bad ist, müssen die Besucher eben die Becken verlassen. Sicherheit geht vor.

Nur so kann Rösike entspannt einen Happen essen. Ein zweiter Bademeister würde die Sache erheblich vereinfachen. Schon lange vor Beginn der Saison hatte die Gemeinde per Stellenausschreibung einen Fachangestellten für Bäderbetriebe, so die offizielle Berufsbezeichnung, gesucht. Es ging aber keine einzige Bewerbung im Rathaus ein.

Die Situation in Stelle ist kein Einzelfall. Auch andere Freibäder im Landkreis sind Ein-Mann-Unternehmen, bundesweit sind schätzungsweise etwa 2500 Bademeister-Stellen in den rund 6500 Bädern unbesetzt. Das hatte der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister (BDS) im April dieses Jahres bekannt gegeben.

Rösike wundert das wenig. Sein Beruf sei nun mal kein Job zum Reichwerden, die Aufgaben seien vielschichtig und die Arbeitszeiten alles andere als familienfreundlich, sagt er. Offiziell hat er eine 39,5 Vollzeitstelle. Tatsächlich arbeitet er im Sommer aber das Doppelte – und bummelt dafür im Winter seine Überstunden ab. Zumindest theoretisch. „Als die Saison anfing, hatte ich noch immer zwei Monate Überstunden.“ Die Zeit von Herbst bis Frühjahr reicht einfach nicht, um alle Stunden loszuwerden, sein regulärer Urlaub komme ja noch hinzu.

Der 59-Jährige hat sich mittlerweile damit arrangiert und würde sich trotzdem immer wieder für diesen Beruf entscheiden. Seit Juli 1987 arbeitet er in dem Bad am Bardenweg 13. Seine damalige Frau kam aus Stelle, per Zufall war er auf die Ausschreibung aufmerksam geworden. „Ich wollte nur zwei oder drei Jahre bleiben“, sagt der gebürtige Berliner. Doch als die Gemeinde das 1956 eröffnete Bad 1990 umfassend sanierte und ihm zwei Jahre später einen Arbeitsplatz servierte, blieb er hängen.

Das Klischee des Bademeisters, der lässig im Lehnstuhl liegt und die Sonne genießt, möchte Rösike widerlegen. Nicht nur die Beckenaufsicht gehört zu seinem Job, sondern auch die Überwachung und Instandhaltung der Technik. Er spült regelmäßig die Filter, führt kleinere Reparaturen aus, nimmt Wasserproben, überwacht die Chloranlage und die Heizung, die für die durchschnittliche Wassertemperatur von 24 Grad sorgt. Dazu kommt die Hilfe bei den Problemchen, die die Badegäste so haben. Mal klemmt die Tür des Spinds, mal ist jemand von einer Wespe gestochen worden.

Parallel dazu muss er die Schwimmbecken immer im Blick behalten. Er weiß: „Wenn ein Unfall passiert, bekomme ich die Schuld.“ Rösike weiß aber auch, dass er nicht jedes Kind im Auge haben kann. „Da sind die Eltern oder Erzieher in der Verantwortung.“ Im Zweifelsfall geht er dann auch mal zu ihnen und weist sie darauf hin, dass sie sich nicht nur unterhalten dürfen, sondern auf ihre Kinder achten müssen.

Dass seine eigenen Kinder, inzwischen erwachsen, viel Zeit bei Papa im Freibad verbracht haben, versteht sich von selbst. Nach der Trennung von seiner Frau blieb ihm als alleinerziehenden Vater auch nichts anderes übrig. Sein Sohn und seine Tochter waren damals vier und sieben Jahre alt.

Und wie ist es, arbeiten zu müssen, während andere frei haben? Der Bademeister blickt entspannt über die Becken, die in diesem verregneten Sommer bisher nur an wenigen Tagen richtig voll waren. Das sei kein Problem. „Meinen Sommer hole ich mir eben im Winter.“ Auf den kanarischen Inseln etwa, wo er schon mal zwei Monate am Stück verbringt. Und dann gibt Rösike noch ein Geheimnis preis, das für einen Bademeister völlig ungewöhnlich ist. „Ich selbst schwimme eigentlich höchst ungern.“ Viel lieber sei er am Becken, den Blick aufs Wasser gerichtet.

In der Zeit vom 8. bis zum 31. Mai und vom 1. August bis 11. September ist das Freibad in Stelle montags von 13.00 bis 19.00 Uhr und dienstags bis sonntags von 10.00 bis 19.00 Uhr geöffnet. In der Zeit vom 1. Juni bis zum 31. Juli montags von 13.00 bis 20.00 Uhr sowie dienstags bis freitags von 10.00 bis 20.00 Uhr. Sonnabends und sonntags ist von 10.00 bis 19.00 Uhr geöffnet.