Harburg
Marxen

Vom Traumschiff aufs platte Land

Tom Gieser und Rececca Gieser-Neven kümmern sich um das Wohl ihrer Gäste

Tom Gieser und Rececca Gieser-Neven kümmern sich um das Wohl ihrer Gäste

Foto: Susanne Rahlf / HA

Tom Gieser kochte bei Sterneköchenund auf Kreuzfahrtschiffen. In Marxen hat er seine Heimat gefunden.

Marxen.  In Marxen ist die Dorfwelt noch in Ordnung: Bauernhäuser
in schönstem Niedersachsenfachwerk säumen die kurvige Hauptstraße, Pferde grasen friedlich auf großen Koppeln, nebenan kann man sich in dem kleinen Feuerwehrmuseum alte Löschwagen anschauen. Drumherum laden Wälder und die nahe gelegene Schmale Au zu Spaziergängen und Radtouren ein. Wer Erholung, Entspannung und eine Auszeit von der Hektik des Alltags sucht, hier wird er fündig.

Diese ländliche Idylle ist es wohl auch, die Tom Gieser gesucht und hier gefunden hat. Heute leitet er gemeinsam mit seiner Frau Rebecca Gieser-Neven das „Landgasthaus zum Lindenhof“ und fühlt sich pudelwohl in seiner Rolle als Gastgeber und vor allem als Küchenchef.

Viele Jahre im Leben des 52-Jährigen ging es turbulent zu – wer als Koch Karriere machen will, lebt im Stress. Geboren in der Spargelstadt Schwetzingen bei Heidelberg lernte er dort auch das Handwerk. Ein Geschenk für ihn war, dass in Baden-Württemberg viele ambitionierte und vor allem mit Sternen dekorierte Künstler am Herd stehen.

Und so nutzte Tom Gieser die große Chance und sammelte nach der Lehre Erfahrungen in der Sternegastronomie rund um seine Heimatstadt. Doch irgendwann hörte auch er den Ruf der weiten Welt und tauschte den schweren Heidelberger Boden mit schwankenden Planken. Zwei Jahre lang bekochte er gut betuchte Kreuzfahrer.

Auf der „MS Europa“ und der „Seacloud“ schipperte Gieser über die Weltmeere: „Ich war jede freie Minute an Land und habe mir Menschen und Kulturen angesehen.“ Selbstverständlich interessierte ihn vor allem, was in den Kochtöpfen schmorte. Besonders die Karibik und die kreolische Küche faszinieren den Koch bis heute.

Anfang der 90er-Jahre ging Gieser wieder an Land, diesmal allerdings nicht in Europa, sondern in den USA. Dort tourte gerade Hans Peter Wodarz mit seinem kulinarischen Zirkus „Pomp Duck and Circumstance“. Gieser fand die Idee vom drei Gänge Menü unterm Zirkuszelt so toll, dass er anheuerte.

Als Gastromanager sorgte er hinter den Kulissen dafür, dass die Gäste einen gelungenen Abend genießen konnten. Nach Stationen in New York und Atlanta zog das bunte Völkchen aus Köchen und Artisten wieder nach Europa - und Gieser reiste zurück in die alte Heimat. So kam der Franke auch zum ersten Mal nach Hamburg – und war fasziniert von der Stadt.

Hier ließ er sich nieder. So sorgte der 52-Jährige als Gastromanager unter anderem für eine gelungene Eröffnung des Curio Hauses an der Rothenbaumchaussee und arbeitete später auf dem Süllberg.

Die schönste, aber auch die größte Herausforderung in seinem Berufsleben war die Leitung der Gastronomie im Hamburger Volksparkstadion. Ob Bratwurst auf den Rängen oder opulente Büfetts für die Logenbesitzer, dieser Job bedeutete Stress pur: „Ich hatte 400 Mitarbeiter und 48.000 Gäste.“ Noch heute hat er Gänsehaut, wenn der HSV spielt.

Die Zeit, als er immer auf Adrenalin war, immer verfügbar und immer auf dem Sprung, ist für Gieser vorbei. Denn sein Glück war, dass er über Freunde seine heutige Frau Rebecca kennenlernte. Die gelernte Hotelfachfrau stammt aus einer alteingesessenen Gastwirtsfamilie und konnte nicht nur mit ihren schönen blauen Augen, sondern auch mit einem Landgasthof aufwarten, der dringend frischen Wind brauchte.

Vor zwölf Jahren übernahm das Paar den Betrieb im Marxen, Rebecca Gieser-Neven und ihr Mann Tom sind bereits die siebte Generation, die sich um das Wohl ihrer Gäste kümmert.

Heute ist Gieser froh über die ländliche Idylle in der er leben und arbeiten darf: „Das ist für mich ein Geschenk“, sagt er. In seiner hübschen, blau gestrichenen Küche kocht er das, was die Jahreszeit und die Region ihm bietet. Roastbeef, Grützwurst, Bratkartoffeln und Sauerfleisch stehen auf seiner Speisenkarte, die Gäste die zu ihm kommen lieben Gerichte, die Tradition haben. Seine Liebe zu Genüssen aus fremden Ländern schimmert aber trotzdem immer mal wieder durch.

So bereitet er die Pommes Frites nicht aus heimischen Erdäpfeln sondern aus Süßkartoffeln zu. Die Mayonnaise dazu verfeinert er mit japanischem Wasabi. Zu dem Ziegenkäseburger reicht er jetzt gern ein selbst gemachtes Rhabarberchutney aus dem heimischen Gasthofgarten.

In die Großstadt nach Hamburg fährt er nur noch selten, die weite Welt hat er hinter sich gelassen. Zuhause in Marxen geht es dagegen beschaulich zu – hier auf dem Dorf ist das Leben noch so schön ruhig und die Welt noch in Ordnung.

Hauptstraße 18, mittwochs bis montags 9 bis 23 Uhr, dienstags geschlossen, www.landhaus-zum-lindenhof.de