Harburg
Hamburg

Der Fußball-Pokal, der aus der Flohmarktkiste kam

Maik Schulze (30) aus Harburg findet den original Oddset – Siegerpokal aus der Saison 2007/08 in einer Flohmarktkiste.

Maik Schulze (30) aus Harburg findet den original Oddset – Siegerpokal aus der Saison 2007/08 in einer Flohmarktkiste.

Foto: Andre Lenthe / HA

Der FC St. Pauli gewann die Trophäe in der Saison 2007/2008 und verlor sie wieder. Die Geschichte eines ehrlichen Finders.

Hamburg.  Es gibt Leute, die machen daraus ein Geschäftsmodell: In schmierigen Doku-Soaps auf seltsamen Sendern sieht man sie im Fernsehen, verlassene Lagerräume ersteigern um ihren Inhalt Gewinn bringend zu verscheuern. Am Bildschirmrand klingelt die Kasse und zeigt an, ob die Höker mit ihren Deals Gewinn oder Verlust gemacht haben.

Es gibt aber auch ehrliche Finder, treue Seelen und echte Fans: Maik Schulze (30) ist all das, in einer Art Harburger Dreieinigkeit. Er fand den original Oddset-Siegerpokal aus der Saison 2007/08 in einer Flohmarktkiste und gab ihm dem Club zurück, dem er gehört: dem FC St.Pauli. Die Amateurmannschaft des Kiezclubs hatte ihn seinerzeit gewonnen. Es war ein historischer Pokalsieg, denn es war die letzte Saison, in der die Zweitteams von Proficlubs an diesem, dem DFB-Pokal vorgeschalteten, Wettbewerb teilnehmen durften. Schon den mit dem Gewinn des Oddset-Pokals verbundenen Startplatz beim DFB-Pokal in der Saison 2008/09, durften die St.-Pauli-Amateure nicht antreten und traten ihn an ihren Finalgegner Bergedorf 85 ab.

Wie aber kam dieser historische Pokal in den Besitz eines Eißendorfer Familienvaters? Mit einem simplen Handschlag-Geschäft. Ein Bekannter des St.-Pauli-Fans hatte die Kiste von einem Dachboden. Der gehörte zu seiner Wohngemeinschaft und musste geräumt werden, weil der Vermieter das Dachgeschoss ausbauen wollte. „Dabei fand mein Kumpel einen Karton mit Fußballutensilien“, sagt Maik Schulze. „Und weil vieles davon vom FC St. Pauli stammte, und mein Kumpel wusste, was für ein eingefleischter Fan ich bin, hat er mir den Karton komplett angeboten. Für 70 Euro konnte ich ihm die Kiste abkaufen, sonst wäre sie auf dem Flohmarkt gelandet.“

Der Finder ist einer der eingefleischten Fans

Das konnte Maik Schulze als Fan und Sammler nicht durchgehen lassen. Seit er 13 ist, reist er regelmäßig zu den Auswärtsspielen seines Vereins und auch die Heimspiele sind ihm mittlerweile heilig. Pro Saison versäumt er höchstens zwei Spiele. Er besitzt kubikmeterweise Vereinsschals und andere Fanartikel natürlich wollte er den Karton, auch wenn er mit Geld nicht gerade um sich werfen kann.

Der Inhalt des Kartons waren zahlreiche Trainingstrikots des FC St. Pauli, einige andere Jerseys, eine Oddset-Pokal Medaille und eben der Pokal.

Für den ehrlichen Käufer unvorstellbar, dass so etwas Bedeutendes wie der Oddset-Pokal einfach in irgendeinem Karton verrottet und nun billig verkauft wird. „Zuerst dachte ich deshalb, dass das eine Kopie war, aber der Pokal hatte ein Gewicht von mehreren Kilo. Da wusste ich, dass es sich um das Original handelte“, sagt Maik Schulze.

Er begann, nachzuforschen und fand letztlich den ehemaligen Eigentümer der Kiste. Es war der heutige Zeugwart der Profis Andreas Kreft. Der war damals Zeugwart der Amateure, hatte einst in der WG gewohnt, die Kiste auf dem Dachboden gelagert und dort auch nach seinem Auszug sicher gewähnt.

Kreft war entsetzt, als er von dem Verkauf hörte. „Zurück haben wollte er allerdings nur ein Trikot vom SV Babelsberg 03 – an dem zahlreiche Erinnerungen hängen und eben den Pokal“, sagt Maik Schulze. Spontan fuhr der Fan der Kiezkicker zur Geschäftsstelle auf dem Heiligengeistfeld und übergab den verlorenen Pokal an St. Pauli Geschäftsführer Andreas Rettig.

Der Verein war begeistert. „Wir freuen uns sehr über den ehrlichen Finder. Es ist schön, dass sich der Pokal wieder im Eigentum des Vereins befindet“, sagt Rettig.

Die restlichen Trikots aus dem Karton behält Maik Schulze für seine Sammlung – quasi als Finderlohn. Daran, mit dem Pokal seine Kasse klingeln zu lassen, hat er nie gedacht: „Der gehört meinem Lieblingsverein.“