Harburg
Hörfunk

NDR will Harburger Fahrradwerkstatt helfen

Hannan Yusuf (l.) wurde von NDR-90,3-Reporterin Petra Volquardsen interviewt

Hannan Yusuf (l.) wurde von NDR-90,3-Reporterin Petra Volquardsen interviewt

Foto: Mühlenhoff / HA

Sommertour des Senders macht Station im Binnenhafen. Wenn Harburg die Stadtteilwette gewinnt, gibt es eine Spende für Flüchtlingshilfe.

Harburg.  Im Rahmen der großen Sommertour von NDR-Hörfunk und Hamburg Journal hat die Cycle Group (Fahrradgruppe) der Flüchtlingshilfe Binnenhafen in Harburg die Chance auf eine großzügige Spende. Sollten die Harburger ihre Stadtteilwette am 30. Juli gegen den NDR gewinnen, erhält die Fahrradwerkstatt eine Spende in Höhe von 1000 Euro, um Werkzeuge und Ersatzteile wie Bremsen, Sättel oder Ketten zu finanzieren.In dieser Woche waren die Fernsehmacher im Binnenhafen dort zu Gast, zum Dreh und zur Vorbesprechung.

Seit April steht hinter der Initiative „Jugend in Arbeit“ ein großer Container, der inzwischen zu einer vollwertigen Fahrradwerkstatt umfunktioniert wurde. Die Idee entstand bereits letzten Herbst bei einer Veranstaltung der Kultur Werkstatt Harburg e.V. Der Pensionär Klaus Woith, der hinter dem ganzen Projekt steht und dies ehrenamtlich leitet, wollte den Flüchtlingen, die seit Februar 2015 auf der „Transit“ leben, zu mehr Mobilität verhelfen.

Das ehemalige Hotelschiff beherbergt aktuell rund 200 Menschen. Für sie ist die 110 Meter lange, elf Meter breite und 14 Meter hohe Folgeunterkunft ein hoffnungsvoller Neuanfang. Zwischen großen Segel- und Anliegerschiffen steht nun die neue Werkstatt. Die Schwierigkeit bestand darin, den sperrigen Container aus Wilhelmsburg an seinen neuen Stellplatz zu befördern. Mit der Unterstützung von Greenpeace, dem Einsatz unterschiedlicher Transportmittel und vielen helfenden Händen konnte der Container schließlich durch das 16 Meter breite Nadelöhr im Binnenhafen manövriert werden.

Im Mai wurde der zunächst noch nackte Container mit neuem Zubehör ausgestattet. Stromleitungen wurden verlegt und nun finden alle Werkzeuge, Tische und Bänke ihren Platz in der Werkstatt. Die Fahrräder kommen von Nachbarn, Freunden und Flüchtlingshelfern. Viele von Ihnen hatten noch alte, ungenutzte Räder im Keller stehen und haben sie der Werkstatt gespendet. Die anfallenden Kosten belaufen sich pro Rad auf etwa 30 bis 35 Euro. Dies ist zweifellos nur ein Mittelwert. Bei dem einem muss lediglich die Bremsleitung nachgezogen werden, bei dem anderen bedarf es etwas mehr Mühe und Arbeit.

Neben dem Pensionär Klaus Woith und seiner Ehefrau sind noch vier weitere Personen in der Werkstatt tätig. Daniel Srozinski und Nedim Dülleccam machen die Fahrräder wieder fit und werkeln so lange, bis sie verkehrstauglich sind. Die Werkstatt hat jeden Mittwoch ab 17 Uhr geöffnet. „Würden sich noch ein oder zwei Freiwillige finden, könnten wir die Werkstatt auch an zwei Tagen in der Woche öffnen“, sagt Klaus Woith. Das Cycle Team hat in den zurückliegenden Monaten Fahrräder für 25 Flüchtlinge zusammengebaut.

So auch die 20 jährige Hannan Yusuf. Sie hat sich ein silberfarbenes Fahrrad ausgesucht und will damit von nun an zur Schule fahren. Damit erspart sie sich nicht nur den Kauf ihrer Fahrkarte, sondern ist auch deutlich mobiler und selbstständiger.

Vor mehr als einem Jahr war das Mädchen alleine aus Somalia nach Deutschland gekommen. Ihre Familie konnte nicht mit ihr reisen. Knapp zwei Monate dauerte die Flucht aus ihrem Heimatland nach Libyen. Von dort aus brachte sie ein kleines Schiff nach Italien. Nach einem kurzen Aufenthalt dort kam sie mit dem Bus in Hamburg an. Seit 15 Monaten ist die „Transit“ nun schon ihr Zuhause.

Da das Fahrradfahren in Somalia für Frauen nicht erlaubt ist, war es für Hannan eine ganz neue Erfahrung. Die Werkstattgruppe bietet in solchen Fällen auch „Fahrunterricht“ an und gibt den Menschen nicht nur Hilfestellung um das Gleichgewicht zu finden, sondern hilft auch bei der Orientierung im Straßenverkehr.

Mehr dazu ist am Dienstag, 27. Juli, um 18 Uhr im Hamburg Journal (NDR Fernsehen) zu erfahren.