Harburg
Stadtentwicklung

Ein Stück Langenbek verschwindet

An der frei gewordenen Straßenecke plant die Süderelbe eG Seniorenwohnungen

An der frei gewordenen Straßenecke plant die Süderelbe eG Seniorenwohnungen

Foto: Süderelbe / HA

An der Winsener Straße reißen Bauarbeiter ein altes Chausseehaus ab. Hier baut die Süderelbe eG günstige Seniorenwohnungen.

Langenbek.  Das eine Dachfenster steht akkurat auf Kipp, Lüftung muss sein. Dass das Dach rund um das Fenster längst abgedeckt ist, der Wind durch die nackten Latten pfeift und nun auch eine ganze Giebelwand des Hauses fehlt, ist da nebensächlich. Ohnehin, gibt es an der Winsener Straße 138 nicht mehr lange ein Haus zum Lüften: Der Bagger rollt wieder an und setzt sein Werk fort. „Rückbau“ heißt das heute. Das Wort bedeutet Abriss.

Hier verschwindet eines der letzten Stücke altes Langenbek. Hier an der Winsener Straße gibt es nicht mehr viele dieser alten Chausseehäuser, quer zur Straße positioniert, mit dem Eingang unter dem Kreuzgiebel auf der Längsseite. So richtig antik war das Haus nicht: Es stammte aus den 1920er-Jahren. Kurz danach begann man, die Häuser weiter von der Straße weg und möglichst quer dazu zu bauen. Verkehrslärm wurde ein Thema.

Überragt wurde das Chausseehaus von seinem Anbau. Darin befand sich bis zum vorigen Jahr Harburgs ältestes Fitnessstudio. Seit den 80er-Jahren konnten die Mitglieder hier Eisen pumpen, auf der Stelle laufen, aerobische Gymnastik betreiben sowie in einer kleinen Sauna schwitzen. So lange hat kaum ein anderes Studio in Harburg durchgehalten. In einem zweiten Anbau befand sich ein Möbelrestaurationsbetrieb. Das Vorderhaus war nicht mehr bewohnt, sondern diente den Gewerbetreibenden als Büro und Lager.

Das ganze Ensemble wird abgerissen. „Wenn man bedenkt, wieviel Arbeit mal Menschen in so ein Haus hereingesteckt haben, um es zu bauen, tut das immer weh“, sagt der Baggerfahrer. „Anderseits hat in diesem Haus auch der Holzwurm ganze Arbeit geleistet, wenn man mal genauer hinguckt. Das hätte sowieso nicht mehr lange gehalten.“

Statt eines alten Hauses werden hier demnächst ältere Menschen zu finden sein. Die Wohnungsbaugenossenschaft Süderelbe eG – nicht zu verwechseln mit der Süderelbe AG – wird hier in zwei Häusern 35 staatlich geförderte Seniorenwohnungen für Menschen ab 60 Jahren unterbringen. Durch die Finanzierung mit öffentlichen Mitteln können die Wohnungen zu einer Anfangsmiete von 6,20 Euro pro Quadratmeter angeboten werden.

Alle Wohnungen werden altengerecht und barrierefrei errichtet und verfügen über zwei Zimmer, einen Balkon oder eine Dachterrasse. Für die Anmietung einer dieser Neubau-Altenwohnungen ist ein sogenannter Wohnberechtigungsschein erforderlich.

„Die Wohnungen werden in der Wohnform Servicewohnen angeboten“, sagt Süderelbe-Vorstand Gerd Höft. „In dem Gebäude ist ein Gemeinschaftsraum vorhanden, in dem regelmäßige Veranstaltungen stattfinden und der ansonsten den Bewohnern für gemeinsame Aktivitäten zur Verfügung steht.“

Im Haus A entstehen insgesamt
17 Wohnungen mit einer Größe zwischen 53 und 64 Quadratmetern. In diesem Haus befindet sich auch der
70 Quadratmeter große Gemeinschaftsraum, der über eine eigene kleine Küche, WCs und Balkon verfügt. 18 weitere Wohnungen sind im Haus B angesiedelt. Zusammen entstehen 28 Wohnungen für Ein-Personen-Haushalte und sieben für Zwei-Personen-Haushalte. Mit den Wohnungen an der Winsener Straße wird die Baugenossenschaft dann über 200 Seniorenwohnungen verfügen. 78 befinden sich bereits im „Haus am Frankenberg“, 33 andere wurden schon im Frühjahr in Neuwiedenthal fertig, weitere sind auf den Wohnungsbestand verteilt. Der Neubau an der Winsener Straße soll im nächsten Herbst fertig sein.

Weitere Vorhaben sind für das nächste Jahr noch nicht spruchreif: „Es wird immer schwerer, Baugrundstücke zu finden“, sagt Höft.

In Langenbek macht der Bagger weiter. Wenigstens ein Grundstück ist demnächst zur Bebauung frei.