Harburg
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Der blaue Kran soll sich wieder drehen

Der blaue Kran am Lotsekai kann saniert werden

Der blaue Kran am Lotsekai kann saniert werden

Foto: Lars Hansen / xl

Das Industriedenkmal vom Lotsekai wird restauriert. Der Bund übernimmt die Hälfte der Kosten.

Harburg.  Eine tonnenschwere Prinzessin im Dornröschenschlaf, das ist der blaue Binnenhafenkran derzeit. Umgeben von Ranken und Nesseln ruht er abgebaut am Wendehammer vor der Jöhnk-Werft. Die Prinzen die diese Schönheit wachküssen, werden keine Schwerter tragen, sondern Schweißgeräte. Noch in diesem Jahr soll es losgehen. Im nächsten Sommer soll der blaue Kran zusammen mit dem gelben „Kulturkran“ am Lotsekai ein Ensemble bilden.

Die Finanzierung dieser Harburgensie wurde am Mittwoch in Berlin perfekt gemacht: Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat das Geld für das Denkmalschutz-Sonderprogramm freigegeben, in dem auch das Kran-Ensemble enthalten ist, oder „die Mittel entsperrt“, wie es technokratisch heißt. 180.000 Euro kommen aus Berlin; das ist fast die Hälfte dessen, was gebraucht wird. Den Rest organisiert die Kulturwerkstatt Harburg, die das Kranensemble auch betreuen wird, aus diversen anderen Quellen.

„Wir als kleiner ehrenamtlich organisierter Verein sind stolz, mit dem Kran-Projekt dem Bezirk Hamburg-Harburg als „Maschinenraum der Hansestadt“ zu einer positiven Selbst- und Fremdwahrnehmung zu verhelfen“, sagt Kulturwerker Gorch von Blomberg

Über die Berliner Entscheidung freut sich auch der Harburger Bundestagsabgeordnete Metin Hakverdi: „Das ist eine gute Nachricht für Harburg. Dieses Projekt wird die weitere Entwicklung des Harburger Binnenhafens unterstützen und voranbringen“, sagt er. „Als Wahlkreisabgeordneter war ich mehrmals Gast der Kulturwerkstatt Harburg und habe mich vor Ort vom Projekt überzeugen können.“

Hakverdi gelingt es fast jedes Jahr, Mittel aus dem Denkmalschutzprogramm in den Wahlkreis zu lenken. So wird auch die Restauration der Arp-Schnitger-Orgel in Neuenfelde oder den Erhalt der „Klorollen-Kirche“ in Wilhelmsburg unterstützt. Ewa 20 Millionen Euro werden für das Sonderprogramm jährlich vergeben.

Bei Förderungssummen zwischen 150.000 und 400.000 Euro kann aber nicht jeder Wahlkreis bedacht werden. „Ich habe die Antragstellung des Vereins eng begleitet. Man muss den Mitgliedern dankbar sein. Ohne ihre unermüdliche Arbeit und Ihren Einsatz zum Erhalt des maritimen Erbes wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen.“

Der blaue Kran ist ein Einzelstück der Peiner Kranfabrik, der Prototyp der Baureihe W40, Baujahr: 1960. „Das sollten leichte Hafenkräne werden, die so etwa vier Tonnen heben können“, sagt Gorch von Blomberg. „Aber aus irgend einem Grund haben die Hersteller nicht einen einzigen verkauft, bis auf dieses Vorführstück.“

Einer der Gründe für den kommerziellen Misserfolg könnte sein, dass es für solche Kräne keinen Bedarf gab. So leichte Lasten konnten die meisten Schiffe in den 60er-Jahren allein mit ihrem Bordgeschirr bewegen. „Das besondere an dem Peiner W40 war die sogenannte Leonhard-Steuerung, die mit elektromechanischen Mitteln sehr sanfte und präzise Bewegungen des Krans ermöglichte. Das wird heute elektronisch erreicht“, sagt Gorch von Blomberg.

Der blaue Kran war bei der Harburger Umschlagfirma Neven und Grube im Einsatz, zunächst am Treidelweg, später am Lotsekai. Nachdem die Firma den Seegüterumschlag im Binnenhafen aufgab, stand der Kran still, aber immer noch am Lotsekai. Derzeit wird die Kaimauer saniert. Deshalb wurde das blaue Hebezeug abgebaut und einige Meter entfernt beiseite gelegt. Die Beine stehen jetzt neben den Aufbauten, statt darunter. Ist der Kran wieder aufgebaut, wird er rund 25 Meter in die Höhe ragen.

Der blaue und der gelbe Kran sind Bestandteil eines industriepolitischen Ensembles am Lotsekai; zusammen mit drei Eisenbahnwaggons, die verschiedene Umschlags-Zeiträume und –arten repräsentieren, sowie mit den historischen Wasserfahrzeugen des Museumshafens Harburg.

Der gelbe Kran wird zurzeit als Openair-Location und als Schau-Kran in Hakenbetrieb ohne Last genutzt. Dabei war der gelbe Kran zu aktiven Zeiten stets im Massengutumschlag mit einer Greiferschaufel im Betrieb. Die Schaufel darf momentan allerdings nicht benutzt werden. Ein Teil der insgesamt 370.000 Euro geht deshalb auch in die Ertüchtigung des gelben Krans für den Greiferbetrieb. „Das meiste Geld brauchen wir allerdings schon für den blauen Kran“, sagt Gorch von Blomberg. „Weil der so lange stillstand. Den gelben haben wir ja fast aus dem laufenden Betrieb übernommen.“

Neben den 180.000 Euro vom Bund kann die Kulturwerkstatt durch Eigenleistung und Spenden etwa 82.000 Euro beitragen. Durch Sondermittel des Bezirks kommen weitere 18.000 Euro dazu. Das Bezirksamt steuert 15.000 Euro bei. Das Denkmalschutzamt Hamburg gibt 15.000, die Stiftung Denkmalpflege 35.000 Euro. Wenn die Kaimauer fertig saniert ist, soll auch der Kran soweit sein, dass er aufgestellt werden kann. Die Prinzen mit dem Schweißgerät sind unterwegs.