Harburg
Umweltverschmutzung

Rätselhafte Diesel-Attacke am Pier in Jork

Ölsperren am  Schilfgürtel der Este: Hafenmeister Michael Kreusel macht sich auf dem Steg des BWV in Jork ein Bild von der Lage

Ölsperren am Schilfgürtel der Este: Hafenmeister Michael Kreusel macht sich auf dem Steg des BWV in Jork ein Bild von der Lage

Foto: Jörg Riefenstahl / HA

Unbekannter verschüttet Treibstoff – Wasser und Vereinsgelände verunreinigt – Polizei sucht Zeugen.

Jork/Buxtehude.  Eine rätselhafte Diesel-Attacke an der Este hält die Hobbyskipper vom Buxtehuder Wassersportverein Hansa (BWV) in Jork in Atem. Am Sonntagvormittag war – wie berichtet – am Steg eine großflächige Gewässerverunreinigung mit Dieselkraftstoff entdeckt worden.

Der Ölteppich breitete sich schnell auf der gesamten Breite des Flüsschens im Obstbaugebiet aus und zog Richtung Elbe. Auf dem Gelände des BWV waren ebenfalls mit Kraftstoff verunreinigte Stellen entdeckt worden. Offensichtlich hatte jemand absichtlich Sprit im Uferbereich und auf dem Gelände des Vereins verschüttet.

„Wer macht so etwas?“, fragt Hafenmeister Michael Kreusel aus Buxtehude. Verärgert steht er auf dem Holzsteg, der zum Anleger des Wassersportvereins in Jork führt. Vor dem schilfbewachsenen Ufer treiben Ölsperren, die Vereinsmitglieder am Wochenende ausgelegt haben. „Es ist eine riesengroße Sauerei“, sagt der Hafenmeister, der gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des BWV ist. „So etwas habe ich hier in 18 Jahren noch nicht erlebt.“

Ölspuren im Schilf zeugen von der Attacke. Vereinsmitglieder haben am Wochenende mit vereinten Kräften verunreinigtes Erdreich und ölverseuchte Pflanzen in blaue Fässer geschaufelt. Der Ölfilm sei von Jork bis nach Cranz getrieben, „auf einer Länge von bis zu zwei Kilometern“, erzählt Kreusel.

Dass irgendjemand aus seinem Verein die Verunreinigung herbeigeführt haben könnte, hält er für ausgeschlossen. „Wer kippt denn Diesel auf unserem Gelände an drei Stellen in die Landschaft? In einen Zufluss der Este, am Anleger und dann auch noch durch den Zaun zu unserem Nachbarn, der gleichzeitig unser Verpächter ist? Wir haben hier ein intaktes Vereinsleben und verstehen uns mit unseren Nachbarn sehr gut“, sagt der Hafenmeister.

Gleichwohl macht ihn ein Ereignis nachdenklich, das sich am Wochenende, einen Tag vor der Diesel-Attacke, auf dem Vereinsgelände abspielte. Offenbar hatte am Sonnabend ein Skipper infolge eines Wasserpumpenschadens am Pier in Jork mit seinem Boot festgemacht. Es handelte sich um ein 15 Meter langes Personenschiff.

„Für Schiffe solcher Größe ist der Steg nicht ausgelegt. Das Schiff war unfachmännisch festgemacht, es ragte in die Wasserstraße, die hier eine Kurve macht“, sagt Kreusel. Ein Sicherheitsrisiko für andere Schiffe, insbesondere nachts. „Außerdem hatte der Skipper keine Liegegebühr bezahlt. Wenn ich eine Anlage des Vereins nutze, muss ich erstens den Vorsitzenden fragen und zweitens dafür bezahlen.“

Da sich herausstellte, dass der betreffende Skipper früher einmal selbst Mitglied des Vereins gewesen war, aber seine Mitgliedschaft verloren und seitdem Zutrittsverbot zum Vereinsgelände hat, forderte ihn der Hafenmeister auf, das Vereinsgelände zu verlassen und den Anlegeplatz bis Sonntag, 12 Uhr, zu räumen. „Ich hätte auch einen Schlepper beauftragen können“, sagt Kreusel.

Aber die Frist verstrich, das Boot blieb am Pier. Stattdessen breitete sich Sonntagvormittag am anderen Ende des Stegs der Ölteppich in der Este aus. Zufall? Oder nicht? Das ist bislang reine Spekulation.

„Wer so etwas macht, gehört in den Knast“, sagt Hobby-Skipper Torsten Stöver auf seiner gewienerten Motoryacht. Der Sportbootfahrer hatte den Ölteppich am Sonntag entdeckt und dem Hafenmeister gemeldet, der die Wasserschutzpolizei informierte. „Es war massiv. Schlimm für all die Wasservögel, die hier leben. Der Verdacht liegt nahe, dass es jemand war, der uns weh tun wollte“, sagt das Vereinsmitglied. Die Ermittlungen der Polizei sind angelaufen.

Eventuelle Zeugen, die Angaben zum Sachverhalt machen können, werden gebeten, sich bei der Wasserschutzpolizei Stade, Telefon 04141/10 28 20, zu melden