Harburg
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Gesucht: Mentoren für Flüchtlinge

Foto: Katharina Geßler / HA

Projekt Weichenstellung der Zeit-Stiftung in Harburg erfolgreich: Studentinnen helfen an der Stadtteilschule Süderelbe bei der Integration.

Katharina Gessler

Die Idee ist so gut, dass sie schnell gewachsen ist: Junge Leute, die irgendwann unterrichten wollen, gehen in die Schulen, unterstützen dort die Arbeit erfahrener Lehrer und übernehmen die Patenschaft für bis zu drei Schüler, die hier gelandet sind, weil sie aus ihren Heimatländern fliehen mussten.

Die Studenten machen so praktische Erfahrungen, von denen sie später im Beruf profitieren, den geflüchteten Kindern und Jugendlichen ebnet es den Weg in ihr neues (Schul-)Leben. Die Zeit-Stiftung hat das in ein Programm gegossen und dem Ganzen einen Namen gegeben: Weichenstellung für Zuwandererkinder- und jugendliche. Auch zwei Harburger Schulen machen mit: schon seit April die Stadtteilschule Sü­derelbe und – ganz neu – das Heisenberg-Gymnasium.

Hamburgweit sind aktuell knapp 120 Mentoren an 17 Schulen aktiv, die sich um mehr als 300 Schützlinge kümmern. Zu den zehn Mentoren, die an der Stadtteilschule Süderelbe 30 Schüler zwischen 11 und 18 Jahren unter ihre Fittiche genommen haben, gehören Nasiha Kader (24), die Sonderpädagogik und Mathematik studiert, und Stephanie Fischer (23, Erziehungs- und Bildungswissenschaften).

Vier Stunden pro Woche sind sie in der Schule, unterstützen und begleiten entweder den Unterricht in einer der fünf Internationalen Vorbereitungsklassen an der Stadtteilschule oder beschäftigen sich separat mit ihren jeweils drei Mentees, um sie individuell zu fördern, nicht nur in schulischer Hinsicht, sondern auch in sämtlichen menschlichen Belangen.

Es sind diese persönlichen Kontakte, die wichtig sind, damit jedes einzelne Kind, jeder Jugendliche das eigene Potenzial entdeckt. Versteht sich, dass dazu auch die Eltern ins Boot geholt werden müssen. Um gegenseitiges Vertrauen zu stärken, um effektiv fördern und helfen zu können.

Die Mentoren sind gehalten, einmal im Monat mit ihren Schützlingen in der Stadt auf Entdeckungstour zu gehen. Aber auch Theater, Bücherhallen, Museen stehen auf dem Ausflugsprogramm, eben alles, was hilft und notwendig ist, um sich in eine fremde Gesellschaft zu integrieren.

Wie das geschen kann, darauf werden angehende Mentoren in zweitägigen Kursen (Thema: Deutsch als Zweitsprache) vorbereitet. Für die Dauer des Projektes kommen sie zudem immer wieder zu Supervisionen zusammen.

Außerdem ist da Aminah Salaho (31), deren Vater aus Syrien stammt, die für Stephanie Fischer und Nasiha Kader als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht und an der Stadtteilschule die Arbeit der Mentoren koordiniert.

Der Bedarf an weiteren Mentoren ist groß. Dank einer Finanzspritze des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Höhe von einer Million Euro sind die Weichen auf Zuwachs gestellt, nicht nur in Harburg, sondern in ganz Hamburg. Denkbar ist auch eine Ausweitung auf andere Bundesländer: Mentoren werden gesucht.

Das Projekt lebt, natürlich, von den Menschen, die es tragen. Zwar bekommen die Mentoren eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 15 Euro pro Stunde. Doch Stefanie Fischer und Nasiha Kader ist anzumerken, dass Geld eine eher untergeordnete Rolle spielt. Stephanie Fischer ist begeistert von der Möglichkeit, jungen Menschen konkret bei der Eingliederung helfen zu können: „Ich habe viele Freunde, die große Schwierigkeiten hatten, in Deutschland anzukommen.“

Außerdem will sie einmal in der Entwicklungshilfe arbeiten: „Die Erfahrungen, die ich hier mache, sind unbezahlbar.“ Die Veränderungen, die ihre Arbeit bewirkt, sind augenscheinlich: „Ich merke, dass meine Schülerinnen offener werden.“

Das hat auch Nasiha Kader in den vergangenen Wochen schon gemerkt. Sie sieht ihre Rolle als die einer großen Schwester. „Ich habe die Mädchen wirklich gerne“, sagt sie. Und die antworten prompt: „Wir dich auch.“

Nicht zuletzt ihrer jungen Mentorin verdanken sie es, dass sie wieder träumen können. Die 14-jährige Zahra zum Beispiel von einer Zukunft als Anwältin.

Mentor werden!

Gesucht werden Lehramtsstudenten, aber auch solche anderer Fachrichtungen mit pädagogischer Erfahrungen, die für ein Jahr im Projekt Weichenstellung (mit Option für ein zweites Jahr) pädagogische Aufgaben übernehmen wollen. Dabei geht es um Mentoring und Coaching, Sprach- und fachliche Förderung sowie ein kulturelles Begleitprogramm sowie die Vermittlung von gesellschaftlichen Normen und Werten. Gezahlt wird eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 15 Euro pro Stunde. Online-Bewerbungen senden Interessierte jetzt an:
www. weichenstellung.info.