Harburg
Dibbersen

Deutsch lernen bei McDonalds

Mohammud Mohammed Ali und seine Chefs Frauke Petersen-Hasnon und Scott Hanson sowie Mitarbeiterin Karima Obeidi

Mohammud Mohammed Ali und seine Chefs Frauke Petersen-Hasnon und Scott Hanson sowie Mitarbeiterin Karima Obeidi

Foto: Rolf Zamponi / HA

In der Filiale der Burger-Kette in Dibbersen arbeiten mehrere Geflüchtete. Beide Seiten profitieren langfristig.

Dibbersen.  Mohammud Mohammed Ali legt sich die Zutaten für den Hamburger zurecht, schichtet sie auf das Brötchen, holt sich die Rindfleisch-Scheibe und setzt schließlich den Brötchendeckel auf. Seit zwei Jahren und fünf Monaten lebt er mehr als 6000 Kilometer Luftlinie von seiner Heimat Somalia entfernt im Kreis Harburg.

Seit Dezember gehört er dort zur Crew des McDonald’s-Restaurants in Dibbersen. Hier fühlt er sich sicher vor der Anarchie und dem Terror zu Hause, fürchtet nicht mehr um sein Leben. „Ich wollte nach Deutschland“, sagt der 26-jährige Somalier. „Es ist das beste Land mit guten Menschen.“

Nicht nur Ali gehört jetzt zu den 44 Beschäftigten des Restaurants am Rand des Ortes, der zu Buchholz gehört. Auch Teame Okubaghebriel Afewerki aus Eritrea hat Alis Chefin Frauke Petersen-Hanson ins Team geholt. Beide haben nun einen festen Job, verdienen 8,60 Euro die Stunde plus Zuschläge für Nacht- und Sonntagsschichten. „Wer motiviert ist, mit nicht planbaren Arbeitsanfall zurecht kommt und gern unter Menschen ist, hat bei uns eine Chance“, sagt Petersen-Hanson, die als Franchise-Nehmerin vier Restaurants im Landkreis Harburg führt.

Der gewünschte Nebeneffekt für die Flüchtlinge: Ihre Kenntnisse der deutschen Sprache entwickeln sich kontinuierlich mit. „Wir haben in unseren vier Lokalen Menschen aus 15 Nationen von vier Kontinenten. Viele von ihnen haben ihr Deutsch bei McDonald’s gelernt,“ sagt die Chefin.

Das soll so weiter gehen. Sobald einer ihrer beiden Flüchtlinge in den Service wechseln kann, soll der nächste Bewerber eingestellt werden. Erst im Herbst hatte McDonald’s Deutschland der Bundesagentur für Arbeit 20.000 Online-Lizenzen für Sprachkurse zur Verfügung gestellt. Auch die Mitarbeiter können von der Zusammenarbeit mit der Sprachlernplattform Lingua-TV profitieren. „Wir bieten so viele Optionen für die berufliche Entwicklung von Flüchtlingen“, sagte Deutschland-Chef Holger Beeck der „Welt.“

Das Engagement ist notwendig. Denn es ist nicht so leicht, geeignetes Personal für die Branche zu finden. Allein in Dibbersen sind derzeit vier Voll-und vier Teilzeitstellen offen und zwei Ausbildungsplätze zum Fachmann für Systemgastronomie und zur Fachkraft im Gastgewerbe zum 1. August nicht besetzt. Die neuen Leute würde Petersen-Hanson schon deshalb gern einstellen, weil der Standort Dibbersen bis zum Oktober für 350.000 bis 400.000 Euro zu einem „Restaurant der Zukunft“ ausgebaut werden soll.

Hängeringend gesucht werden Fachleute in der Gastronomie sowie für die Lebensmittelindustrie auch anderswo. „In den Branchen sind derzeit im Landkreis Harburg 103 Stellen nicht besetzt“, hat die Sprecherin der Arbeitsagentur Lüneburg-Uelzen, Jeannette Unterberger errechnet.

„Der Mangel ist so gravierend, dass Firmen Produktionsaufträge nicht mehr annehmen können, weil Personal fehlt“, versichert Oliver Brandt, der für die Beratungsfirma Süderelbe AG in Harburg arbeitet. „Der Trend geht bei den jungen Leuten zu Büroberufen. Oftmals ist gar nicht bekannt, dass auch in der Systemgastronomie kaufmännische Berufe erlernt werden können“, so der Projektmanager.

Im Auftrag der Hansestadt befasst sich Brandt nun damit, für die beiden Branchen und zusätzlich für die Landwirtschaft zu erfassen, welches Interesse für diese Berufe die in die Metropolregion geflohenen Menschen aufbringen könnten. Als Netzwerk dafür haben sich inzwischen 50 Firmen zum Verein Foodactive zusammengeschlossen.

„Flüchtlinge können die Lücken in den Berufen füllen“, ist McDonald’s-Chefin Petersen-Hanson überzeugt. Das sieht Bernd Passier, der Chef der Arbeitsagentur Lüneburg-Uelzen ähnlich. „Geflüchtete können die Fachkräfte von übermorgen und Teil einer Lösung bei der Mitarbeitersuche sein“, sagt Passier, der mit seinen Mitarbeitern für den Landkreis Harburg zuständig ist.

„Frau Petersen-Hanson und ihr Team zeigen, dass mit einer Kombination aus unternehmerischen Engagement und Motivation Integration in Arbeit und Gesellschaft gelingen kann“. Süderelbe-Manager Brandt nennt das Vorgehen „vorbildlich.“

Für Ali, der inzwischen längst wieder etliche Hamburger auf den Weg gebracht hat, ist McDonald’s ein erster Schritt. Bei dem Burgerbrater kann er sich zum Fachmann für Systemgastronomie weiterbilden lassen. „Zu Hause habe ich zwölf Schuljahre absolviert“, sagt der Somalier, der danach auch dort zunächst in einem Restaurant gearbeitet hat. „Vielleicht befasse ich mich später aber auch mit IT“, sagt er. Durch McDonald’s ist er erst einmal auf dem Arbeitsmarkt angekommen.