Harburg
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Sie radeln von Harburg nach Paris

Foto: refugeeswelcometour / HA

Die Brüder Jonas und Hannes Pieper brechen am Sonnabend in Harburg zu einer Charity-Fahrt nach Paris auf.

Harburg.  Wenn alles läuft, wie geplant, erreichen die Brüder Jonas und Hannes Pieper am Freitag, 10. Juni, pünktlich zum Start der Fußball-Europameisterschaft, Paris. Na, und, mag jetzt der eine oder andere einwenden, das ist doch nichts Besonderes, das versuchen angesichts des bevorstehenden Ereignisses doch viele. Das mag schon sein, aber die wenigstens werden ihre Anreise mit dem Fahrrad ab Harburg planen.

Dabei ist das kontinentale Kickerfest aber nicht mal Anlass für die kraftraubende Tour de Force, die am Sonnabend um 9 Uhr am Bahnhof starten soll. Für die beiden gebürtigen Eimsbütteler ist viel mehr der Weg in Richtung französische Kapitale das Ziel. Weil sie nämlich auf den sieben Etappen dorthin möglichst viel Geld sammeln wollen – Spenden für das Flüchtlingsprojekt „Westwind“.

„Lange Rad-Touren sind für uns längst zu einer Leidenschaft geworden“, verrät Hannes, mit 35 Jahren der Jüngere von beiden. Vor zehn Jahren hat Jonas, 37, damit begonnen. Damals arbeitete er im Organisationsstab des Veranstalters der Cyclassics. Inspiriert durch das Hamburger Weltcup-Radrennen hat ihn Hannes 2008 dann das erste Mal begleitet. Seinerzeit sind sie entlang des Rheins unterwegs gewesen, haben zwischen Wiesbaden und Köln Freunde und Verwandte besucht.

Vorläufer war eine 860 Kilometer lange Fahrrad-Tour nach Skagen

„Im Laufe der Jahre haben wir uns dann an immer längere Strecken gewagt“, berichtet Jonas. Vorläufiger Höhepunkt sei die 860 Kilometer lange Tour auf dem Nordseeküstenweg ins dänische Skagen gewesen. „Weil wir unbedingt mal mit einem Bein in der Ostsee und mit dem anderen in der Nordsee stehen wollten“, sagt Hannes.

In diesem Jahr haben sich die sportlichen Brüder nun sogar rund 940 Kilometer vorgenommen. Pro Tag wollen sie zwischen 124 und 142 Kilometer zurücklegen. Und dann nach einer Woche den Place Charles de Gaulles im Herzen von Paris erreichen.

„Dass wir just zum Start der EM in Paris ankommen würden, war uns am Anfang unserer Planungen im Herbst vergangenen Jahres gar nicht bewusst“, erzählt Jonas: „Klar war nur, dass wir die Tour diesmal mit einem guten Zweck verbinden wollten.“

Die nicht enden wollenden Flüchtlingsströme und die damit verbundenen Schicksale der Migranten hatten die beiden schon lange bewegt. Auf der Suche nach einer lokalen Initiative sind sie dann auf das Projekt „Westwind“ gestoßen. „Es hat sich zum Ziel gesetzt, Flüchtlingen zu mehr Mobilität zu verhelfen“, sagt Hannes.

Dafür würden seit Juni 2015 ausrangierte Fahrräder gesucht, die in einer Werkstatt an der Rindermarkthalle am Neuen Kamp auf St. Pauli wieder repariert und verkehrssicher gemacht werden. „450 sind bereits instandgesetzt worden, die Warteliste umfasst aber immer noch mehr als 200 Namen.“, berichtet Jonas. Geeignete Räder zu finden, sei nicht mal das Hauptproblem: „Es fehlt aber oft am Geld für die benötigten Ersatzteile.“

Grund genug, ihre unmittelbar bevorstehende Tour unter das Motto „Refugees Welcome“ zu stellen. „Millionen Menschen verlassen ihre Heimat, ihr Hab und Gut, ihre Familien und Freunde, sie fliehen vor Krieg, Hunger, Armut und Ausbeutung. Sie nehmen eine lebensgefährliche Odyssee ohne irgendeine Gewissheit auf Erfolg auf sich, um nach Europa zu kommen“, erklärt Hannes.

Dass nun viele Länder ihre Grenzen dichtgemacht haben, hätte die Brüder in ihrem Vorhaben nur bestärkt, ergänzt Jonas: „Es ist ein Unding, dass sich die Europäische Union auf keine einheitliche Linie zur Bewältigung der Flüchtlingskrise einigen kann und die Hauptlasten auf die Türkei und Griechenland abwälzt.“

Seit die Piepers ihre Charity-Tour via Facebook (www.facebook.com/refugeeswelcometour) öffentlich gemacht haben, sind ihnen bereits Spenden in Höhe von 1610 Euro zugesagt worden. Für die höchste Einzelspende sorgte die Buxtehuder Firma Dammann. Der Profi für Absperrungen überwies nicht nur spontan 500 Euro, er sorgte auch für die professionelle Radbekleidung der Brüder in auffälligem Rot und Weiß.

„Wir hoffen, dass auf unserem Weg durch Deutschland, die Niederlande, Belgien und Frankreich noch viele weitere Spenden hinzukommen“, sagt Hannes. Deshalb wollen sie in einem täglichen Blog über ihre Tour berichten. Die Reisekosten finanzieren die Brüder natürlich aus eigener Tasche, alle Spenden gehen zu 100 Prozent an das Projekt „Westwind“.

Auf der ersten Etappe werden die beiden von Schülern aus zwei Ausbildungsvorbereitungsklassen für Migranten (AVM) der Staatlichen Schule Sozialpädagogik Harburg (W5) begleitet. Wer sich für einige Kilometer anschließen will, ist herzlich eingeladen.

„Refugees Welcome Tour 2016“ von Hannes und Jonas Pieper. Start am Sa., 4. Juni, um 9 Uhr am Bahnhof Harburg. Weitere Infos: www.refugeeswelcometour.eu sowie www.westwind-hamburg.de