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Pendler müssen über Jahre mit Stau rechnen

Bauarbeiten zur Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße an der Anschlussstelle Wilhelmsburg-Süd: Ein Arbeiter trägt neue Fahrbahnmarkierungen auf

Bauarbeiten zur Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße an der Anschlussstelle Wilhelmsburg-Süd: Ein Arbeiter trägt neue Fahrbahnmarkierungen auf

Foto: Thomas Sulzyc

Auf der Wilhelmsburger Reichsstraße wird von September an und wohl bis August 2019 eine Ampel den Verkehr ausbremsen.

Wilhelmsburg.  Pendlern aus dem Hamburger Süden bauen sich in diesem Sommer immer neue Hürden auf ihrem Weg in das übrige Stadtgebiet auf. Autofahrer auf der Wilhelmsburger Reichsstraße erwartet ab September eine Situation, die es seit Eröffnung der Straße im Jahr 1951 so noch nicht gegeben hat: Eine Ampel wird den Verkehr auf der autobahnähnlichen Bundesstraße ausbremsen – voraussichtlich gilt das für die kommenden drei Jahre.

Die Bauarbeiten zur Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße sehen von September an bis zum August 2019 einen Ampelbetrieb auf der Wilhelmsburger Reichstraße vor. Wenn an dem neu entstandenen Knoten in Höhe Kornweide/Anschlussstelle Wilhelmsburg Süd erstmals Fahrzeuge nicht über eine Brücke hinweg, sondern ebenerdig die Trasse queren werden, steuert die Ampel den Verkehr. Wo ursprünglich Tempo 80 erlaubt war, wird dann das Höchsttempo 50 gelten.

Projektleiter Martin Steinkühler von der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) hat im Regionalausschuss Wilhelmsburg auf den Ampelbetrieb hingewiesen. Die DEGES will Autofahrer im Sommer noch einmal gesondert sensibilisieren. Immerhin fahren auf der wichtigen Hamburger Verkehrsachse pro Tag etwa 55.000 Fahrzeuge. Jedes zehnte davon ist ein Lkw.

Eine Ampel, die den Verkehr auf der Wilhelmsburger Reichsstraße zum Stoppen bringt, dürfte mindestens im Berufsverkehr zu zeitraubenden Staus führen. Einen Hinweis darauf liefert zurzeit das Nadelöhr auf der A 253, die Verlängerung der Wilhelmsburger Reichsstraße nach Harburg. Entlang der 1,8 Kilometer langen Baustelle zur Fahrbahnerneuerung in Richtung Harburg bremsen die auf eine Spur verengte Fahrbahn und der verschwenkte Straßenverlauf die Fahrzeuge aus. In der Hauptverkehrszeit stecken Pendler und Lkw-Fahrer dort meist in der Staufalle.

Eine Ampel auf der Wilhelmsburger Reichsstraße dürfte einen ähnlichen Effekt nach sich ziehen. Erschwerend kommt hinzu: Wenn die Ampel in Höhe Kornweide in Betrieb geht, bleibt das Nadelöhr auf der A 253 noch bis voraussichtlich November bestehen.

Wie man mit dem Auto überhaupt noch nach Harburg kommen werde, will Christine Wolfram (Die Linke) wissen. Projektleiter Martin Steinkühler verweist auf die am Computer erstellten Berechnungen. Laut den Ingenieuren könne die Verkehrsbelastung an dem Knoten Kornweide abgefedert werden. „Zu Stoßzeiten kann es etwas länger dauern“, räumt Steinkühler ein. Die Auswirkungen der Ampel würden genau beobachtet. „Wir werden am Anfang versuchen, die Ampelsteuerung zu optimieren“, so Steinkühler weiter. Er sei aber zuversichtlich, dass die Menschen nach Harburg kämen.

Die Bauarbeiten zur Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße verlaufen zurzeit entlang von vier Kilometern und damit nahezu über die gesamte Strecke. Die Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation geht davon aus, dass das voraussichtlich mehr als 136 Millionen Euro teure Straßenbauvorhaben im Herbst 2019 fertig sein wird. Einige Restarbeiten würden noch im Jahr 2020 erledigt.

„Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit sind wir gut im Terminplan“, bestätigt Martin Steinkühler. Diplomatisch deutet er im Regionalausschuss an, dass einige Verzögerungen in der Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn begründet seien. Zurzeit müssen 5,5 Kilometer Gleise verlegt werden, um Platz für die neue Reichsstraße zu schaffen. Steinkühler ist davon überzeugt, dass sich die Widrigkeiten während der Bauzeit für die Menschen im Hamburger Süden auszahlen. Insgesamt 240 Hektar Fläche würden von Lärm spürbar entlastet.

Auf Pendler im Hamburger Süden, kommt bereits im Sommer eine Geduldsprobe zu. Wegen Gleisarbeiten wird die S-Bahn ab dem 21. Juli bis 14. August nicht zwischen Wilhelmsburg und Hammerbrook fahren. Fahrgäste müssen in Ersatzbusse umsteigen. Die Fahrzeit verlängert sich um mindestens 20 Minuten.

Es scheint kaum eine Stelle auf der Elbinsel zu geben, an der nicht gebaut wird: Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer erneuert ab Montag, 6. Juni, bis 22. Juli die Fahrbahndecke und Gehwege der Brücke „Kirchdorfer Straße“ über die Dove-Elbe Wettern. Der Verkehr verläuft einspurig an der Baustelle vorbei. Aus Sicherheitsgründen bleibt die aktuelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf höchstens zehn Stundenkilometer bestehen. Fußgänger und Radfahrer können die Brücke jederzeit queren.