Harburg

Schlangenbrut am stillen Ort

Wenn Wildtiere mal wirklich wild werden: In einem thailändischen WC startete ein Python eine Würgeattacke. Und es tat weh. Richtig weh

Hin und wieder, das bleibt nicht aus, vergewissern sich Mensch und Tier ein­ander. Das schließt für uns erfreuliche Begegnungen wie die beim Schlachter natürlich ebenso ein wie die Runde mit Kommissar Rex nach Feierabend. Sobald es aber etwas ungezähmter wird und zur Abwechslung das Wildtier in Urbanisationen des Homo sapiens nach dem Rechten schaut, kann alles passieren, wie zuletzt der Thailänder Attaporn Boonmakchuay erfahren musste. Er wurde dort überrascht, wo man für gewöhnlich nicht mal menschliche Gesellschaft erwartet: auf dem Lokus.

Wie erst thailändische und danach alle anderen Medien berichteten, machte dem Ärmsten ein drei Meter langer Python die Aufwartung, was nicht weiter tragisch gewesen wäre, hätte sich die Würgeschlange kooperativ verhalten. Hat sie aber nicht. Das Reptil, so der einzige Augenzeuge, habe umgehend die primären Fortpflanzungsorgane attackiert – womöglich in der irren Annahme, einen körperlich unterlegenen Artgenossen zu erblicken. Jedenfalls begann der biblische Kampf Mensch gegen Schlange auf einem Klo in Bangkok von vorn. Und es dauerte eine halbe Stunde, ehe Frau und Nachbar den 38-Jährigen mit Fesseltechnik (Tier) und Hebelgeschick (Mensch) aus seiner misslichen Lage befreit hatten. Inzwischen, so Ärzte und Tierschützer, sind alle Beteiligten wieder wohlauf.

Doch was lehrt uns der neuerliche Angriff der Fauna auf unsere Art zu leben, nachdem allein im Mai schon ein Marder die Bahnstrecke Berlin–Dresden sabotiert hatte und ein Halsbandsittich in Rheinland-Pfalz mit gesetzeswidrigen 43 statt der erlaubten 30 Kilometer pro Stunde von einer Radarfalle geblitzt wurde? Dass der Hund in der Pfanne verrückt wird? Dass die Katze aus dem Sack ist? Dass wir der Natur einen Bärendienst erweisen? Bestimmt.

Womöglich ist es aber auch so, wie Christian Morgenstern im Angesicht des „Lattenzauns, mit Zwischenraum, hindurchzuschaun“ geahnt hat: „Weh dem Menschen, wenn nur ein einziges Tier im Weltgericht sitzt.“ Machen wir uns also gefasst auf die Nacht ohne Morgen. Die Tiere sind unruhig.