Harburg
Alarm bei den Rettern

Politik fordert neue Feuerwache für Süderelbe

Martin Schneider von der Feuerwehr Hamburg mit Spielzteugautos aus Holz, die über die Feuerwehr zu kaufen sind. Die Politik im Süden der Stadt fordert eine neue Feuer- und Rettungswache – mit echten Einsatzwagen.

Martin Schneider von der Feuerwehr Hamburg mit Spielzteugautos aus Holz, die über die Feuerwehr zu kaufen sind. Die Politik im Süden der Stadt fordert eine neue Feuer- und Rettungswache – mit echten Einsatzwagen.

Foto: AndrŽ Zand-Vakili / Andre Zand-Vakili

Hamburger Retter brauchen zu lange, um Bereiche Fischbeks zu erreichen. Doch hier entstehen bald rund 3000 Wohnungen für Familien

Fischbek.  Die Straße Gannerbarg ist unscheinbar. Bäume, Gartenzwerge, Eigenheime und Carports vermitteln ein Bild von Vorstadtgemütlichkeit. Aber die Straße Gannerbarg ist auch eine Grenze: Westlich dieser Straße dauert es länger als acht Minuten, bis im Notfall die Feuerwehr kommt. Das jedoch ist das erklärte Schutzziel der Feuerwehr.

Darauf hat sich die Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren (AGBF) festgelegt: Bei einem kritischen Wohnungsbrand Innerhalb von acht Minuten nach Alarmierung sollen mindestens 10 qualifizierte Feuerwehrleute (amtsdeutsch: „Funktionen“) am Einsatzort sein können, vier Minuten später noch einmal sechs weitere Funktionen. Mit diesen Zeiten soll gewährleistet sein, dass Menschen noch innerhalb der Reanimationsfrist gerettet werden können. Innerhalb von acht Minuten kommt der Löschzug der zuständigen Feuer- und Rettungswache Süderelbe (FuRW36) an der Waltershofer Straße aber nur bis zu einer Linie, die aus Gannerbarg und Geutensweg besteht. Hauptgrund: Auch die Feuerwehr ist auf die Cuxhavener Straße angewiesen, und auf dieser herrscht zu nahezu jeder Tageszeit Stau.

Dem AGBF-Schutzziel hat sich die Hamburger Feuerwehr erst seit zwei Jahren offiziell verschrieben – und das auch nicht hundertprozentig: „Derzeitiges Ziel ist es auf Basis des bestehenden Standortnetzes 85 Prozent der Einsatzstellen zu erreichen“, sagt Feuerwehr-Pressesprecher Martin Schneider. Zuvor war Hamburg in Risikoklassen eingeteilt. Ein dünn bebautes und weitgehend gewerbefreies Gebiet wie das westliche Fischbek wurde dort mit einem geringeren Risiko eingestuft, als andere Bereiche der Stadt. Dazu kommt, dass es in Fischbek eine aktive Freiwillige Wehr gibt. Im Vorwege der Zielumstellung orientiert sich schon das Strategiepapier der Hamburger Feuerwehr von 2010 an den AGBF-Vorgaben. Schon in diesem Papier wird der Gannerbarg als Grenze genannt und eine weitere Feuer-und Rettungswache im Süderelberaum empfohlen. 2015 erreichten die Fahrzeuge der Wache 36 lediglich 65 Prozent ihrer Einsatzziele fristgerecht.

Harburgs Bezirkspolitik erfüllt der Zustand mit Sorge, denn zwar ist Fischbek zwischen Gannerbarg und Landesgrenze mit Ausnahme der Siedlung Sandbek dünn besiedelt, aber das wird sich ändern: Hier liegen zwei neue Bebauungsplangebiete sowie ein Teil des Neubaugebiets Vogelkamp. Insgesamt entstehen im westlichen Fischbek ungefähr 3000 Wohnungen, auch Gewerbeansiedlungen sind geplant. „Mit der Entwicklung der neuen Baugebiete ist davon auszugehen, dass sich die Schwerpunkte der Einsätze in den westlichen Bereich des Stadtteils Neugraben-Fischbek verlagern werden“, sagt Jürgen Heimath, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Bezirksversammlung. Dazu käme, so Heimath, dass die Einsatzzahlen der Hamburger Feuerwehr in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind. Hinter den nackten Zahlen stünden aber oft Schicksale. „Und es bedeutet auch, dass die Mitarbeiter der Feuerwehr deutlich mehr belastet sind“, sagt Heimath.

Seine Fraktion beantragt, dass ein Vertreter der Feuerwehr den Bezirkspolitikern im Innenausschuss Bericht über die Situation im Hamburger Süden erstattet und darlegt, wie die Feuerwehr ihre zukünftige Entwicklung im Bereich Süderelbe plant.

Die CDU geht noch weiter: Sie fordert gleich eine neue Wache: „Die Strukturanalyse hat ergeben, dass eine weitere Wache zwingend erforderlich ist“, sagt Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer. Er hat auch schon einen Vorschlag, wo diese Wache entstehen soll: Im ehemaligen OBI-Markt am Geutensweg. Dort, wo sich momentan die Flüchtlings-Erstaufnahme befindet. „Die Stadt hat das Grundstück ja schon erworben“, sagt er. „Außerdem sinken die Flüchtlingszahlen und der Senat hat zugesichert, beim Abbau der Erstaufnahmen den Geutensweg mit Priorität zu behandeln.“ Zwar hatte auch das Strategiepapier schon den Geutensweg im Blick, aber Martin Schneider kann Ralf-Dieter Fischer da kaum Hoffnungen machen: „Aufgrund der Gutachter-Empfehlungen wurde eine aktuelle Prioritätenabfolge auf der Basis gesamtstädtischer Abwägungen erstellt“, sagt er, „Hierzu zählt grundsätzlich auch die Errichtung einer neuen Feuer- und Rettungswache im Bereich Fischbek. Sie wird jedoch aktuell in der Priorisierung nachgeordnet eingestuft.“