Harburg
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Künstlerin Tara Al Salihy stellt bei Toro aus

Tara Al Salihy malt Frauen. Allein das ist im Irak schon riskant

Tara Al Salihy malt Frauen. Allein das ist im Irak schon riskant

Foto: Lars Hansen / xl

Die junge Irakerin Tara Al Salihy bricht politische Tabus ihrer Heimat im künstlerischen Rahmen.

Harburg.  Mit rotem Wachs versiegeln die irakischen Zensurbehörden das Material, das sie konfisziert haben und nicht wieder herausrücken werden. Tara Al Salihy kennt das rote Wachs zur Genüge, obwohl sie erst
25 Jahre alt ist. Schon als Kunststudentin an er Akademie in Bagdad erlebte sie immer wieder wie ihre Werke oder Arbeiten ihrer Kommilitonen und Professoren von den Behörden einkassiert wurden. „Selbst unter Saddam Hussein war die Kunst im Irak freier , als jetzt“, sagt sie. „Alles was die religiösen Politiker provozieren könnte, ist verboten.“

Gesichter zum Beispiel, darf man im Irak nicht malen, weil Gott den Menschen nach seinem Ebenbild schuf, und man sich kein Bildnis von seinem Herrn machen soll. Also darf man Menschen nur als kopflose Körper darstellen – aber bitte keusch verhüllt!

Tara Al Salihy hat die Grenzen des künstlerisch Erlaubten oft überschritten – zu oft. Der Druck auf sie wuchs, und auch der auf ihre Familie, der wilden Tochter Einhalt zu gebieten. Die Familie floh im vergangenen Jahr aus Bagdad und lebt jetzt in Fischbek. Tara Al Salihy hatte nach ihrem Examen nur ein Jahr gebraucht, um zur politisch verfolgten Künstlerin zu werden.

Das liegt unter anderem daran, dass sie sich in ihrer künstlerischen Arbeit auch mit der Rolle der Frau auseinandersetzt. „In der islamischen Welt werden die Frauen unterdrückt und die Unterdrücker begründen das mit der Religion“, sagt die Malerin. „Aber das ist nicht richtig: In den heiligen Schriften steht, dass man Frauen ehren soll. Die Unterdrückung der Frauen passiert aus Gewohnheiten und Traditionen, die älter sind, als die Religionen.“

Die rote Farbe, die auch das Siegelwachs hat, setzt die Künstlerin in ihren Ölgemälden bewusst und gekonnt ein, um damit alles das darzustellen, was in den strengen Moralvorstellungen der Sittenwächter anrüchig wäre – und das sind viele Bereiche des weiblichen Lebens, von den Haaren bis zum Unterleib.

Der Harburger Galerist und Mentor „Toro“ Ejupi – selbst Muslim – wurde auf das Werk der Künstlerin aufmerksam. Leider liegen viele ihrer Bilder im Irak unter Verschluss. Für die Ausstellung in Toros Galerie MyToro malte sie deshalb in der Enge der Asylbewerberunterkunft neue. Toro ist begeistert: „Die Ausstellung ist so geworden, wie ich sie mir gewünscht habe“.

Rotes Wachs – Gemälde von Tara Al Salihy. Galerie MyToro, Gloria-Tunnel, Harburg, Vernissage: heute,
19 Uhr. Die Bilder hängen bis zum 17. Juni