Harburg
Winsen

Kreis wertet Jugendsozialarbeit auf

Kai Schepers (Kreisjugendpfleger) und Thorsten Treybig (Jugendamtsleiter) im Schlosspark von Winsen

Kai Schepers (Kreisjugendpfleger) und Thorsten Treybig (Jugendamtsleiter) im Schlosspark von Winsen

Foto: Rolf Zamponi / HA

Der Landkreis Harburg entwickelt Hilfskonzept weiter. Mitarbeiter der Reso-Fabrik sollen Jugendliche direkt ansprechen.

Winsen.  Der Landkreis Harburg ändert seine Jugendsozialarbeit grundlegend. Die Winsener Reso-Fabrik schreibt bereits an einem Konzept, das die Politiker des Jugendhilfeausschusses in Auftrag gegeben haben. Zum 1. Januar 2017 soll es fertig sein und der Vertrag mit dem Freien Träger erneuert werden. Die Sozialpädagogen der Reso-Fabrik werden dann von der Sozialen Gruppenarbeit und den Angeboten in den Jugendzentren zur „Aufsuchenden Jugendsozialarbeit“ wechseln.

Nach dem neuen Konzept sollen Jugendliche und Gruppen künftig direkt an ihren Treffpunkten angesprochen werden. Dabei geht es um informelle Kontakte zu den Sozialpädagogen, die helfen sollen, Probleme mit der Schule, mit den Eltern, Drogen oder Gewalt aufzufangen. Kreisjugendpfleger Kai Schepers geht davon aus, dass rund 1000 Jugendliche im Landkreis zur Zielgruppe gehören, in der Mehrheit sind es Jungen. „Wir sprechen schon heute auch außerhalb von Gruppenangeboten mit ihnen, werden aber künftig einen Schwerpunkt auf die Gespräche vor Ort legen.“

Zunächst sind für die Jugendsozialarbeit weiter 6,5 Stellen vorgesehen, die die Reso-Fabrik stellt. Ob das künftig ausreichen wird, ist offen. Klar ist dagegen, dass die Altersgrenze für die Arbeit von zwölf auf zehn Jahre gesenkt werden soll. Grundsätzlich soll in den 5. Klassen angesetzt werden, sobald die Kinder die weiterführenden Schulen besuchen.

„Wir beobachten, dass sich Jugendliche an bestimmten Plätzen treffen. Dort wollen wir auf sie zugehen und ins Gespräch kommen“, sagt Kreis-Jugendamtsleiter Thorsten Treybig. Als solche Bereiche gelten etwa der Raum zwischen der Buchholz Galerie und dem Jugendzentrum am Rathauspark oder in Tostedt die Achse zwischen dem Jugendzentrum an der Grundschule, dem Kaufhaus Bade und dem Wochenmarkt. Auch auf dem Luhe-Spielplatz mit der Skater-Anlage treffen sich in Winsen junge Leute.

Wichtig ist Schepers und Treybig, dass die Jugendlichen die Sozialpädagogen als Ansprechpartner sehen. So soll verhindert werden, dass sie straffällig oder von falschen Vorbildern beeinflusst werden. „Die Reso-Mitarbeiter werden auch über die sozialen Medien erreichbar sein“, sagt Amtsleiter Treybig. Gleichzeitig sollen sie helfen, wenn etwa Jugendliche nicht wissen, wie sie mit Mobbing im Internet umgehen sollen.

Geplant ist bei solchen Themen zudem, für die Eltern bereit zu stehen. „Viele sind mit den Möglichkeiten der sozialen Netze nicht ausreichend vertraut“, sagt Schepers. „Wir versuchen gleichzeitig die Kontakte zu den Eltern zu stärken, um den Jugendlichen mehr Halt zu geben, als sie ihn sonst in der Clique finden können.“ Schon weil die Zielgruppe nun Kinder umfasst, kommt den Eltern für die Jugendsozialarbeit eine steigende Bedeutung zu.

Bislang ist die Jugendsozialarbeit auf die fünf Städte und Gemeinden Tostedt, Buchholz, Meckelfeld, Winsen und Neu Wulmstorf ausgerichtet. Künftig soll sie auf alle zwölf Kommunen im Landkreis ausgeweitet werden. Erste praktische Einsätze gibt es seit Ostern in Stelle und in Nenndorf.

Die „Aufsuchende Jugendsozialarbeit“ ist bisher ein Konzept, das in Niedersachsen vor allem in Städten wie Lüneburg, Wolfsburg oder Oldenburg praktiziert wird. Im ländlichen Raum wie im Landkreis Harburg wird es eher selten umgesetzt.

Als gemeinnütziger Verein ist die Reso-Fabrik seit mehr als 30 Jahren im sozialen Bereich tätig. Gegründet wurde sie als Gefährdeten- und Straffälligen-Hilfe. Der Name des Vereins setzt sich aus zwei Worten zusammen, die seinen Ursprung bezeichnen. „Reso“ wurde dem Begriff Resozialisierung entliehen. Durch den Erwerb einer historischen Maschinenfabrik entstand der Name „Reso-Fabrik“. Heute setzt die Einrichtung rund 30 hauptamtliche Mitarbeiter ein.

Die Tätigkeitsfelder des Vereins haben sich seit der Gründung ständig erweitert. Neben der offenen Jugendsozialarbeit sind Mitarbeiter in den Jugendzentren in Tostedt und Salzhausen aktiv und betreuen Familien ambulant. Im Pro-Aktiv-Center, zu dem Beschäftigungsprojekte und Jugendwerkstätten gehören, werden junge Menschen auf der Suche nach einer passenden Ausbildungsstelle, einer Arbeitsstelle oder einer anderen Qualifizierungsmaßnahme beraten.

Selbst wenn die „Aufsuchende Sozialarbeit“ von 2017 an im Kreis Schwerpunkt wird, soll die Betreuung nicht überstrapaziert werden. „Zum Erwachsenwerden gehört, dass es pädagogikfreie Treffpunkte gibt“, sagt Treybig. „Wir können nicht ständig an der Seite der Jugendlichen stehen.“