Harburg
Strukturreform

Neue Lösung für die Oberschule Neu Wulmstorf

"Den Anbau an die Realschule haben wir von Anfang an favorisiert", sagen Heiderose Wilken, Leiterin der Realschule Vierkaten, und Edzard Speer, Leiter der Hauptschule Vossbarg

"Den Anbau an die Realschule haben wir von Anfang an favorisiert", sagen Heiderose Wilken, Leiterin der Realschule Vierkaten, und Edzard Speer, Leiter der Hauptschule Vossbarg

Foto: Bianca Wilkens / HA

Hauptschule Neu Wulmstorf soll nicht mehr in die Grundschule wechseln. Vier Millionen Euro teurer Anbau an Realschule geplant.

Neu Wulmstorf.  Ein gravierender Wandel der Schullandschaft steht der Gemeinde Neu Wulmstorf bevor. Das kristallisierte sich bereits vor einem Jahr heraus. Trotz ihres guten Rufs wird auch die Hauptschule Vossbarg die Schülerzahlen auf lange Sicht nicht mehr halten können. Ein Zusammenwachsen der Haupt- und Realschule zu einer neuen Schulform, voraussichtlich zu einer Oberschule, ist unausweichlich. Die Frage ist nur, wie?

Mehrfach haben sich die politischen Gremien mit dem Thema befasst. Eine Arbeitsgruppe überlegte hin und her. Jetzt zeichnet sich eine neue Lösung ab. Um Haupt- und Realschüler künftig an einem Standort unterrichten zu können, soll die Realschule Vierkaten einen Anbau bekommen. Es ist das, was die Schulleitungen von Beginn an favorisierten.

Zugleich soll Neu Wulmstorf eine dritte Grundschule im Ort bekommen. Ob dieser Vorschlag umgesetzt wird, hängt von den Entscheidungen der Politik ab. Gleich zwei Gremien befassen sich mit der Schulstrukturreform: der Schulausschuss der Gemeinde Neu Wulmstorf und der Ausschuss für Schule, Sport und Kultur des Landkreises Harburg.

Bislang war geplant, dass die Umwandlung der Haupt- und Realschule zu einer Schulform mit einem Gebäudetausch einhergeht. Die Hauptschüler sollten in die Grundschule am Moor wechseln, um sie so mit der Realschule zu verbinden. Die Grundschüler sollten die Räume der größeren Hauptschule beziehen. Damit erhoffte sich die Gemeinde, die Raumnot der Grundschule am Moor zu lösen. Zumal die Schüler dort demnächst auch nachmittags unterrichtet werden sollen, und ein Ganztagsschulbetrieb deutlich mehr Platz erfordert.

Eine Traumlösung war das aber nicht. Denn Grundschule und Hauptschule befinden sich zwar beide in der Ernst-Moritz-Arndt-Straße, aber nicht direkt nebeneinander. Zudem hätte die Hauptschule während der Umbaumaßnahmen für den Grundschulbetrieb mit allen Klassen für mindestens ein Jahr in Container umziehen müssen. „Mit einem solchen Gebäudetausch hätten wir zwar auch leben können“, sagt Edzard Speer, Leiter der Hauptschule Vossbarg. „Aber wir hatten von Anfang an für einen Anbau plädiert.“

In den vergangenen Monaten überschlugen sich dann die Ereignisse. Politik und Verwaltung verabschiedeten ein Bauprojekt nach dem anderen in Neu Wulmstorf. Völlig neue Wohnquartiere entstehen künftig etwa an der Lessingstraße und nördlich der Bahn. Damit gewinnt Neu Wulmstorf schätzungsweise 1900 neue Einwohner.

Das führt zu einer ganz anderen Ausgangssituation. Die Gemeinde rechnet mit 55 zusätzlichen Grundschülern. Da es aber nicht mehr als vier Klassen pro Jahrgang geben darf, kann die Grundschule am Moor die Kinder nicht aufnehmen. Deshalb plädiert die Neu Wulmstorfer Verwaltung für eine zweite Grundschule an der Ernst-Moritz-Arndt-Straße. Die soll auf lange Sicht im jetzigen Gebäude der Grundschule am Moor den Betrieb aufnehmen, nachdem die Grundschule am Moor in die Hauptschule umgezogen ist.

Der bislang angedachte Gebäudetausch wird damit obsolet. In Summe schlägt die Verwaltung den Fraktionen in der Gemeinde Neu Wulmstorf dreierlei vor. Erstens: Haupt- und Realschule verschmelzen mithilfe eines Anbaus an die Realschule zu einer neuen Schulform – voraussichtlich einer Oberschule, die 2018/2019 starten soll. Der Anbau soll im Rücken des Realschulgebäudes auf dem Schulhof entstehen.

Zweitens: Die Schüler der Grundschule am Moor ziehen in das Gebäude der Hauptschule, das für den Ganztagsschulbetrieb vom Schuljahr 2019/2020 an umgebaut wird. Drittens: Eine weitere inklusive Ganztagsgrundschule mit maximal drei Klassen pro Jahrgang entsteht in der jetzigen Grundschule am Moor.

„Mit dieser Lösung ergeben sich optimale Bedingungen für die neue Schulform“, sagt Neu Wulmstorfs Bürgermeister Wolf Rosenzweig. „Und der Umbau der Hauptschule zur Ganztagsgrundschule kann in einem leeren Gebäude wesentlich effektiver durchgeführt werden.“

Auch Heiderose Wilken, Leiterin der Realschule Vierkaten, ist froh, dass sich jetzt diese Alternative abzeichnet. „Die Schüler und Kollegen sind dann an einem Standort. Das erleichtert das Arbeiten und das Zusammenwachsen“, sagt sie.

Der Anbau an die Realschule Vierkaten kostet nach einer ersten Schätzung des Landkreises Harburg etwa
4,3 Millionen Euro und ist eine Million Euro teurer als die Schultauschvariante. Die Verwaltung der Gemeinde Neu Wulmstorf hat bereits signalisiert, die Kosten vorzuschießen, sofern sich der Landkreis zur Rückzahlung verpflichtet. Auch mit der Finanzierung im Detail befassen sich die Gremien der Gemeinde Neu Wulmstorf und des Landkreises Harburg.