Harburg
Hanstedt

Freikirche baut ein „interessantes Haus“

Pastor Bernd Meyer von der freien evangelischen Kirchengemeinde Hanstedt geht davon aus, dass die Architektur des neuen Gemeindezentrums mittlerweile alle überzeugt

Pastor Bernd Meyer von der freien evangelischen Kirchengemeinde Hanstedt geht davon aus, dass die Architektur des neuen Gemeindezentrums mittlerweile alle überzeugt

Foto: Christiane Tauer / HA

Nachdem anfangs heftig über das neue Zentrum der Freien evangelischen Gemeinde Hanstedt diskutiert wurde, sind die Kritiker nun verstummt.

Hanstedt.  „Entsetzlich, unpassend, ab ins Gewerbegebiet“ – die Kritiker im Hanstedter Gemeinderat nahmen vor zwei Jahren in ihrer Bewertung der Entwürfe für das neue Gemeindezentrum der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) kein Blatt vor den Mund. Der geplante Flachdachbau erregte die Gemüter der Gruppe SPD/FDP und vieler Bürger im Ort, die den ursprünglichen Heidedorfcharakter gefährdet sahen. Die FeG lenkte daraufhin ein und ließ den Entwurf noch einmal überarbeiten. Das Ergebnis kann jetzt bewundert werden: Das Gemeindezentrum an der Harburger Straße
11-13 ist am vergangenen Wochenende offiziell eingeweiht worden.

Leicht und luftig präsentiert sich der 1,75 Millionen Euro teure, holzverkleidete Bau, die Kosten trägt die FeG alleine durch Spenden ihrer Mitglieder und Förderer. Das wellenförmig gestaltete Giebeldach ist das Zugeständnis der Gemeinde an die Kritiker. Man sehe sich als Kirche im Ort, deshalb habe man auch die Bedenken der Bevölkerung berücksichtigen wollen, so die Begründung der FeG und ihres Pastors Bernd Meyer.

Doch auch die Gemeinde Hanstedt ist der Kirchengemeinde entgegengekommen. Statt der üblichen Dachneigung von 38 bis 45 Grad durfte das Gemeindezentrum eine flachere Variante von 23 Grad erhalten wie sie beispielsweise auch bei Bahnhöfen üblich ist. So sollte das Gebäude nicht noch massiver erscheinen.

Gunnar Hofmeister (FDP) ist von dem Ergebnis überzeugt. Er war damals der schärfste Kritiker der Entwürfe und bezeichnet das neue Gemeindezentrum jetzt als „interessantes Haus“, das sich „harmonisch in den alten, gewachsenen Dorfkern einfügt“. In einem offenen Brief an Pastor Meyer dankt er ihm dafür, dass die Gemeinde auf den zweckmäßigen Flachdachbau verzichtet hat.

Auch SPD/FDP-Gruppensprecher Lars Heuer findet, dass das Gebäude nun gut in den Ortskern hineinpasst. „Das Ganze ist zu einem glücklichen Ende gekommen“, sagt er. Abgesehen davon freue es die Gemeinde natürlich, dass die FeG nun in die Dorfmitte gerückt sei und so ein aktives Gemeindeleben habe.

Dieses „aktive Gemeindeleben“ war auch der Grund für die Neubaupläne. Die 97 Mitglieder zählende Kirchengemeinde war an ihrem alten Standort an der Straße „Im Bultmoor“ räumlich an ihre Grenzen gestoßen. Für die durchschnittlich 90 bis 100 Gottesdienstbesucher reichte der Platz einfach nicht mehr aus.

In dem Neubau ist das anders. Das zweigeschossige Gebäude verfügt über eine Nutzfläche von 800 Quadratmetern, Kernstück ist der lichtdurchflutete Gottesdienstraum, der regulär über 120 Sitzplätze verfügt, aber auch bis zu 300 Leute fassen kann. Eine Empore bietet allein 60 Personen Platz. Direkt darunter befindet sich ein Seminarraum, der nur durch eine mobile Wand vom Gottesdienstraum abgegrenzt ist.

Im hinteren Bereich befindet sich eine Art Mini-Turnhalle, in der die Gemeindemitglieder etwa Tischtennis spielen können, während das Obergeschoss mit seinen fünf Räumen der Jugend und den Kindern gewidmet ist. „Wir haben regelmäßig Angebote für Eltern mit kleineren und größeren Kindern, die hier spielen können und denen auch biblische Geschichten vermittelt werden“, sagt Meyer.

Etwas ganz Besonderes ist der „Raum der Stille“, der als Andachtsraum für intensive Gespräche genutzt werden kann. „Für solche Zwecke ist der Gottesdienstraum oft zu groß.“ Dass sich im Obergeschoss auch ein Sanitärtrakt mit Duschen befindet, begründet er damit, dass viele Jugendgruppen bei mehrtägigen Veranstaltungen im Gemeindezentrum auch mal übernachten.

„Das Miteinander nimmt bei uns einen großen Raum ein“, sagt der Pastor. Auf Außenstehende könne das so wirken, als sei die FeG eine geschlossene Gemeinschaft. Dabei sei das Gegenteil der Fall: „Wir sind offen für jedermann.“ Das symbolisierten nicht zuletzt die großen Glasfenster. Meyer lädt jeden Interessierten ein, in dieser Woche noch einen Blick in das neue Gebäude zu werfen. Von 15 Uhr an sind die Türen offen.