Harburg
Buxtehude

Künstler zeigt ungewöhnliche Bilder im Marschtorzwinger

Michael Järnecke hat Momentaufnahmen mit langer Belichtungszeit von Buxtehude gemacht. Sie verfremden die Stadt auf ungewöhnliche Weise

Michael Järnecke hat Momentaufnahmen mit langer Belichtungszeit von Buxtehude gemacht. Sie verfremden die Stadt auf ungewöhnliche Weise

Foto: Pressefoto / HA

Der Künstler Michael Järnicke zeigt seine ungewöhnlichen Bilder im Buxtehuder Marschtorzwinger.

Buxtehude.  „Wie in einem Geflecht aus Adern spannen sich voluminöse, graphitfarbene Linien über die Bildfläche. Fast körperhaft fließen sie von den Seiten in die Tiefe des Bildraums, münden in ein dichtes Netz pulsierender Zickzacklinien (...)“, mit diesen Worten beschreibt die freie Kuratorin Brigitte Garde das Werk von Michael Järnecke. Der Künstler gewann 2015 mit seiner Fotografie „Nachtfahrt/Lichttopografische Aufzeichnung des alten Stadtkerns/Aufnahmezeit 6 Minuten/Aufnahmeraum ca 3 km“, den Kunstpreis „KünstlerInnen sehen Buxtehude“.

Seit sieben Jahren arbeitet Järnecke an dem Projekt der Städteaufzeichnung. Das Wesen einer gesamten Stadt in einem einzigen Bild zu erfassen ist Ziel seiner Arbeiten. Er begann die Entwicklung Hamburgs durch alle städtebaulichen Veränderungen hindurch zu beobachten und diese mit seinem künstlerischen Verfahren der „bewegten Fotografie“ aufzuzeichnen. Auf unzähligen Tag- und Nachtfahrten durch die Stadt entstanden Bilder mit Aufnahmezeiten von einigen Sekunden bis hin zu einer Stunde, die zeigen, was mit dem bloßen Auge für uns sonst nicht wahrnehmbar ist: Strukturen der Stadt, der Straßen- und Lichtführung, der Verkehrsflüsse.

Auch das Buxtehude-Projekt entwickelte sich auf vertrauten Wegen in der Stadt. Im Laufe seiner Recherche für das Buxtehude Projekt entdeckte Järnecke, dass die acht Zufahrtswege nach Buxtehude fast alle historischen Ursprungs sind. Sie alle sind mit dem Auto zu erreichen. „Meine Fotografie ist zu 100 Prozent subjektiv, und sie ist zu 100 Prozent objektiv, weil sie dem Stadtplan folgt“, kommentiert er sein Ausstellungsprojekt.

Die Hansestadt zeigt nun vom
29. Mai bis 3. Juli eine Werkschau mit rund 30 Werken des Künstlers aus der aktuellen Aufzeichnung von Buxtehude. Fotografien, in denen sich schemenhaft verwischt oder verwunschen signifikante Punkte der Stadt ausmachen lassen, wie der Zwinger oder der Liebfrauenkirchturm. Erstmals zeigt Järnecke in dieser Werkschau prototypisch die Darstellung einer ganzen Stadt mittels bewegter Fotografie. „Buxtehude hat eine gewisse Übersicht im Gegensatz zur Megacity, das ist ein ganz eigener Reiz“, so der Künstler.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Christel Lemm eröffnet die Ausstellung am Sonntag, 29. Mai, um 11 Uhr im Marschtorzwinger. Anschließend wird Ulrich Rüter, Kunst- und Fotohistoriker aus Hamburg und Mitglied des Vorstands „Freundeskreis des Hauses der Photographie e.V.“ eine Einführung ins Werk geben. Järnecke selbst gibt darüber hinaus zwei Künstlerführungen am 19. Juni und 3. Juli, jeweils um 14 Uhr.

Vernissage: Sonntag, 29. Mai, 11 Uhr, Marschtorzwinger, Liebfrauenkirchhof, Buxtehude. Ausstellung:
29. Mai bis 3. Juli, Marschtorzwinger. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 16 Uhr bis 19 Uhr, Sonnabend und Sonntag: 11 Uhr bis 18 Uhr